Rittergut Kohren-Sahlis
Eine erste Zwangsversteigerung des Ritterguts vergangenes Jahr scheitertete - der Bieter zahlte den vereinbarten Preis nicht. Bildrechte: MDR/Thomas Matsche

Nach Zwangsräumung Suche nach Käufer für Rittergut Kohren-Sahlis

Das Rittergut Kohren-Sahlis ist in einem bedauernswerten Zustand. Dringend wird für das riesige Areal ein Käufer gesucht. Den hatte das Rittergut schon mal – Karl-Heinz Hoffmann – Rechtsextremist und Anführer seiner Wehrsportgruppe. Nach dessen Zwangsräumung sollte das Rittergut versteigert werden. Doch das ging schief. Nun unternimmt das Amtsgericht Leipzig einen zweiten Anlauf.

von Thomas Matsche, MDR AKTUELL

Rittergut Kohren-Sahlis
Eine erste Zwangsversteigerung des Ritterguts vergangenes Jahr scheitertete - der Bieter zahlte den vereinbarten Preis nicht. Bildrechte: MDR/Thomas Matsche

Strahlend weiß leuchtet das Herrenhaus von Rüdigsdorf. Hier wohnt Georg Ludwig von Breitenbuch seit 2001 mit seiner Familie. Er ist der Erbe dieses Areals. Auch das Rittergut Kohren-Sahlis in unmittelbarer Nachbarschaft gehörte bis 1945 seinen Vorfahren.

Gebäude verfiel zunehmend

"Und insofern habe ich natürlich auch nach unserer Rückkehr immer geguckt, was passiert da, wie wird was werden", sagt er. "Und es war ja bisher ein großes Trauerspiel, dass es eben richtig verfallen ist. Und mit jedem Versteigerungstermin, der kam, hatte man natürlich die Hoffnung, dass sich was Gutes entwickelt."

Diese Hoffnungen erfüllten sich nicht. Das Rittergut verkam. 2004 verkaufte der Landkreis Leipzig das 60.000 m² große Areal an den Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann. Der betrieb dort mehrere Jahre seine Wehrsportgruppe und erhielt vom Land Sachsen rund 130.000 Euro Fördermittel für den Erhalt der Gebäude.

Fördergelder für einen umstrittenen Inhaber

Georg Ludwig von Breitenbuch, der für die CDU im sächsischen Landtag sitzt, sieht in den Zuschüssen kein Problem: "Das Geld ist ja dem Haus zu Gute gekommen. Und ich hoffe natürlich, dass damit jetzt auch dem nächsten Eigentümer diese Investitionsmittel letztendlich entgegenkommen. Und dass damals der Eigentümer eine andere Gesinnung hatte, als ich das für gutheiße, das ist manchmal nicht das Kriterium. Und insofern ist das meines Erachtens kein Punkt, auf dem man rumreiten muss."

Kerstin Köditz von der sächsischen Linksfraktion hält die Zahlungen hingegen für einen Skandal. Ihre Nachfragen bei der Landesregierung seien immer wieder lapidar abgebügelt worden. "Das war ein ganz normaler Vorgang. Weil das lief über eine Kulturstiftung und da war man sich nicht bewusst, wer dieser Karl-Heinz Hoffmann ist. Insofern kann man nur mit dem Kopf schütteln und ist jetzt einfach entsetzt, dass dieses wunderbare Objekt über so viele Jahre in den Händen von Karl-Heinz Hoffmann war."

Erste Zwangsversteigerung scheiterte

Der musste schließlich aus dem Objekt ausziehen, weil er Rechnungen des Abwasserzweckverbands Wyhratal nicht zahlte. Seitdem steht das Rittergut leer und nun wieder zur Versteigerung. Eine erste Zwangsversteigerung war im vergangenen Jahr gescheitert. Damals hatte ein Bieter aus Oberhausen für 160.000 Euro den Zuschlag bekommen. Er zahlte den vereinbarten Kaufpreis aber nicht.

Nun hoffen alle Beteiligten auf einen vertrauenswürdigeren wie solventen Käufer. Denn etwa zehn Millionen Euro müsste dieser in das heruntergekommene Rittergut investieren, schätzt Georg Ludwig von Breitenbuch.

Das Dramatischste ist immer das Wasser, was von oben ins Haus kommt und dann eben dort arbeitet. Insofern sind auch Decken schon heruntergebrochen und das Dach ist kaputt, also auch ernsthafte Schäden.

Georg Ludwig von Breitenbuch, Nachkomme der früheren Gutsbesitzer

Investoren könnten deshalb auch Geld für den Denkmalschutz beantragen. Und weil das Land sehr daran interessiert sei, das Rittergut zu erhalten, könne sich von Breitenbuch auch eine Aufstockung der Mittel vorstellen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 06.09.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2017, 06:59 Uhr

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2 Kommentare

06.09.2017 10:42 Chemnitz Klt. 2

Wenn da von innen schon Holzdecken durchgefauelt und eingestürzt sind, dann ist außer den Grundmauern von dem Gebäude wohl kaum noch etwas zu retten.

Das Wichtigeste an so einem Baudenkmal ist das Dach. Wenn es da längere Zeit reinregnet, dann ist das Innenleben des Gebäudes ganz schnell unwiderruflich im Eimer. Feutigkeit und Holz ist eine ganz schlechte Kombination.

Selbst wenn noch ein paar Balken zu gebrauchen wären: Da haben sich aufgrund der Nässe doch schon lange Schädlinge wie Holzwürmer und Larven eingenistet, die alles von innen zerfressen.
Die fühlen sich in feuchten Balken richtig wohl.

06.09.2017 09:59 Taucha K. 1

Zitat Georg Ludwig von Breitenbuch: "Es war ja bisher ein großes Trauerspiel, dass es eben richtig verfallen ist. Und mit jedem Versteigerungstermin, der kam, hatte man natürlich die Hoffnung, dass sich was Gutes entwickelt."

Wenn ihm so viel an dem ehemaligen Familienbesitz liegt, hätte er das Gelände ja selber kaufen können. Es stand mehrfach zum Verkauf bzw. zur Versteigerung.

Nun gehört es anderen und die lassen es verfallen. Irgendwann kommt dann wohl der Abriss-Bagger, wenn das so weiter geht.