Viele kleine Plastikbecher mit Pflanzen drin stehen auf einem Regal.
In jedem Plastikbecherchen wachsen zehn kleine Eschen. Sie stecken nicht in Erde, sondern werden "in vitro" auf einem Nährboden gezüchtet. So lassen sich die Bäume im Labor ganzjährig vermehren. Bildrechte: MDR/Ludwig Bundscherer

Eschensterben in Thüringen Der Baumtod kommt durch die Luft

16.000 Hektar des Thüringer Waldes gehen gerade ein. Schuld daran ist ein asiatischer Pilz, dessen Sporen sich über die Luft verbreiten. Die Bäume vertrocknen dann einfach. Doch es gibt noch Hoffnung. Nicht alle Eschen sind befallen. Und genau diese wollen die Thüringer Förster vermehren, in einem sogenannten Baum-Labor. Doch damit pilzimmune Eschen heranwachsen können, braucht es besondere Bedingungen. Die Esche ist eben ein kompliziertes Bäumchen.

von Ludwig Bundscherer, MDR AKTUELL

Viele kleine Plastikbecher mit Pflanzen drin stehen auf einem Regal.
In jedem Plastikbecherchen wachsen zehn kleine Eschen. Sie stecken nicht in Erde, sondern werden "in vitro" auf einem Nährboden gezüchtet. So lassen sich die Bäume im Labor ganzjährig vermehren. Bildrechte: MDR/Ludwig Bundscherer

Der Baumtod kommt durch die Luft, denn mit jedem lauen Sommerwind treiben Pilzsporen über Thüringen. Und diese Sporen sorgen dafür, dass die heimische Eschen verschwindet. Die Bäume vertrocknen. Försterin Anett Wenzel von Thüringen Forst hat Fotos vom Niedergang der Eschen mitgebracht. Zu sehen sind Bäume, die aussehen als hätten man sie oben angekokelt: Aus der Krone ragen nur noch kahle dunkle Äste. "Die Krone stirbt von oben ab. Und im nächsten Jahr schlägt die Esche wieder aus – weiter unten, wo noch gesunde Äste sind. Und dann erfolgt wieder eine erneute Infektion mit dem Pilz und so, sukzessive, wird der Blattanteil der Esche immer geringer."

Neun von zehn Bäumen betroffen

Der Baum stirbt unaufhaltsam. Erst 2009 wurde der tödliche Eschenpilz zum ersten Mal in Thüringen nachgewiesen. Der Erreger ist aus Polen eingewandert und hat sich dann, von Sachsen kommend, über ganz Thüringen ausgebreitet. Das sei laut Wenzel rasant gegangen. Bei einer Umfrage unter den Forstämtern habe man festgestellt, dass 90 Prozent der Eschenbestände wirklich Symptome vom Eschentriebsterben aufweisen. Und der Eschenanteil in den Thüringer Wäldern liege ungefähr bei vier bis fünf Prozent.

Annet Wenzel hat zusammengerechnet, dass über 16.000 Hektar des Thüringer Waldes gerade eingehen. Etwas Hoffnung haben die Thüringer Förster aber dennoch, sagt Horst Sprossmann von ThüringenForst: "Es gibt zwischen Eschen, die also ganz deutlich dieses Eschentriebsterben aufzeigen, einzelne Exemplare, die überraschenderweise keine Absterbeanzeichen erkennen lassen."

Eschen-Nachzucht im Baumlabor

Auf dem Gelände einer großen Baumschule steht ein Mann neben einem kleinen Baum.
Hardy Dembny ist darauf spezialisiert Bäume unter Laborbedingungen zu vermehren. Die kleine Esche neben ihm war letzten Sommer noch nicht viel mehr als eine Knospe. Bildrechte: MDR/Ludwig Bundscherer

Diese Bäume müssen also ein Gen haben, das sie immun macht. Die Förster haben den Plan gefasst, diese Eschen gezielt zu vermehren. Und so beginnt die Zukunftshoffnung in einem Baumlabor im Unstrut-Hainich-Kreis. Hunderte kleiner Plastikschalen stehen hier in den Regalen von Biologe Hardy Dembny. Unter künstlichem Licht und mit Temperaturregler kultiviert er die immunen Eschen: "Hier sollten normalerweise jetzt, so nach vier Wochen, schon Wurzeln zu sehen sein. Und das passiert an der Stelle leider nicht so, wie wir uns das vorstellen."

Der Nährboden in der Plasteschale ist noch nicht perfekt. Man merkt schon, die Esche ist ein kompliziertes Bäumchen. Einfach einen Trieb abschneiden und ins Wasser stellen, das funktioniert nicht. Draußen, hinter der schweren Gewächshaustür, kann Hardy Dembny dennoch erste Erfolge vorzeigen: "Also hier haben wir jetzt die ersten vermehrten Eschen vor uns! Die sind im letzten Sommer in die Erde gekommen."

Und von einer millimeterkleinen Knospe bis auf einen Meter zwanzig angewachsen. Bisher sind es nur gut zwei Dutzend Eschen. Aber wenn die Methode perfektioniert ist, sollen es Tausende werden. Vielleicht kann das die Esche in Thüringen retten.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.06.2017 | 05:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 16:10 Uhr

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2 Kommentare

19.06.2017 23:51 part 2

Eine blühende Sommerwiese voll mit Artenvielfalt sucht man im Bürokratendeutschland ebenfalls vergebens, entweder Gräßer oder Löwenzahn als Anfangskultur, nachdem das Abbrennen von Ödlandflächen heute den Einsatzt des Polizeihubschraubers und der Feuerwehr hervorruft, obwohl vor 27 Jahren das normal war. Leider haben nicht mal die Grünen bisher bergriffen wie wichtig bestimmte jahrtauserde alte Eingeriffe des Mensche in die Natur sind um Artenvielfalt und deren Erhalt zu gewährleisten. Bestimmte Pilze lieben nun mal einen Pflanzenteppich aus Gräsern, der andere natürliche Pflanzen am Wachstum hindert und den Nährboden schafft für Schädlinge und Krankheiten.

19.06.2017 13:34 Brennabor 1

Die meisten Menschen begreifen leider nichts von der
Natur. Bei uns wachsen im Ort nur noch Säulenzypressen und Thuja. Pflanzen die hier
gar nichts zu suchen haben. Ein jämmerliches
Erscheinungsbild !!!