Der Facebook-Schriftzug
Digitaler Fingerabdruck soll verhindern, dass das Bild auf Facebook auftaucht. Bildrechte: IMAGO

Schutz vor "Rachefotos" Facebook bittet Nutzer in Australien um Nacktbilder

Intime Bilder, die von Ex-Partnern im Internet aus Rache verbreitet werden, können traumatische Folgen für Betroffene haben. Facebook will nun "Rachepornos" verhindern, indem Nutzer Nacktbilder selbst hochladen.

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Der Facebook-Schriftzug
Digitaler Fingerabdruck soll verhindern, dass das Bild auf Facebook auftaucht. Bildrechte: IMAGO

Der Football-Spieler Nathan Broad lädt das Foto einer jungen Frau auf Facebook hoch. Sie ist nackt, ihre Brüste nur mit Sportmedaillen bedeckt. Das Foto verbreitet sich rasant im Netz und macht Schlagzeilen: Denn die Frau auf dem Foto, eine Ex-Freundin von Broad, war ganz und gar nicht einverstanden mit der Veröffentlichung.

Ein prominenter Fall von sogenanntem Racheporno, sagt Daniel Berger, Experte für die sozialen Netzwerke beim IT-Portal "heise online". Nach seinen Worten ist der Racheporno in den USA und Australien offensichtlich ein Problem. "Das heißt Ex-Partner veröffentlichen nach einer schwierigen Trennung Nacktfotos vom ehemaligen Partner, um den- oder diejenige zu demütigen. Und dagegen will Facebook jetzt verstärkt vorgehen."

Hochladen von Nacktbildern zum Schutz

Eine Studie der Uni Melbourne sagt, dass jede fünfte Australierin zwischen 18 und 45 Jahren schon mal Opfer von solchen Veröffentlichungen war. Deshalb hat die Regierung im Oktober eine Internetplattform geschaffen und arbeitet mit Facebook zusammen, um den Betroffenen von Rachebildern im Netz zu helfen. Nutzer melden sich bei der Regierungsplattform, die gibt den Fall an Facebook weiter.

Dann schickten die Nutzer ihre intimen Fotos oder Videos selbst an Facebook, quasi zur Prävention, erklärt Daniel Berger. "Also nicht das Foto selbst wird gespeichert, sondern der 'Hash-Wert', das ist eine sehr lange Zahl. Das Foto wird wieder gelöscht, also das liegt dann nicht mehr auf Facebook-Servern, verspricht das Unternehmen, sondern nur diese abstrakte Zahl." Und wenn jemand ein Foto hochlade, werde daraus ebenfalls eine Zahl errechnet und dann mit der in der Datenbank abgeglichen.

Wer schickt schon gern intime Fotos an Facebook?

So entsteht ein digitaler Fingerabdruck des Bildes, der verhindert, dass das Foto in irgendeiner Form auf Facebook auftaucht. Doch wer schickt schon gern intime Fotos an Facebook? Daniel Berger sieht genau darin den Haken des Projekts. Die Übertragung sei durch die Verschlüsselung an sich sicher, das Problem sei eher, dass der Nutzer damit klarkommen müsse, dass dieses intime Foto bei Facebook kurzzeitig gespeichert sei und dass auch Facebook-Mitarbeiter dieses Foto ansehen könnten. Das dürfte nicht jedem angenehm sein.

Betroffene haben bisher wenige Möglichkeiten

Facebook will das Projekt trotzdem ausweiten, auf die USA und Kanada zum Beispiel. Ob auch Nutzer in Deutschland bald präventiv intime Bilder melden können, ist noch unklar. Genau wie die Dimension des Problems hierzulande: Denn das Posten solcher Rachebildern sei hier, anders als in Frankreich oder England, kein eigener Tatbestand, sagt Tim Geißler, Fachanwalt für Strafrecht. "Ich kann strafrechtlich dagegen vorgehen und Anzeige erstatten. Dann wird der Verbreiter zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe verurteilt. Zivilrechtlich geht es einfach um die Beseitigung. Deswegen gibt es keine zentrale Stelle, die das irgendwie erfasst."

Betroffene Nutzer können auch in Deutschland Facebook auffordern, Bilder zu löschen. Allerdings erst, wenn sie bereits veröffentlicht sind. Und das Internet vergisst bekanntlich nichts.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 10.11.2017 | 06:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 13:30 Uhr

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