Wolfgang Fischer aus Halle repariert Fahrräder für Flüchtlinge
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Flüchtlingshilfe Der Opa mit den Fahrrädern

Neben Kleidung und Spielzeug werden in Deutschland auch zahlreiche Fahrräder für Flüchtlinge gespendet. Allerdings sind viele davon nicht mehr verkehrstauglich. Ein Rentner aus Halle hat daraufhin Initiative ergriffen - das hat sich schnell herum gesprochen. Wir haben ihn in seiner Werkstatt besucht.

von Manuela Lonitz, MDR INFO

Wolfgang Fischer aus Halle repariert Fahrräder für Flüchtlinge
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Keller der Flüchtlingsunterkunft im Robinienweg in Halle repariert Rentner Wolfgang Fischer alte Fahrräder. An die vierzig stehen an der Wand. Doch kaum hat er das Werkzeug in der Hand, ist Bewegung vor der Tür. Gleich mehrere Flüchtlinge fragen, ob er ein Rad für sie hat. Auch die kleine Haila ist mit ihrem Vater da. "Hallo mein Mäuschen", begrüßt Fischer das Mädchen. Und erklärt: "Ich habe nämlich das Fahrrad repariert, was ihr Vater schon holen sollte und das gebe ich ihm jetzt mit."

Eine private Initiative

Wolfgang Fischer kommt kaum noch hinterher. 130 Räder hat er schon verschenkt. Der Rentner wohnt direkt in der Nachbarschaft des Flüchtlingsheims. So kam ihm die Idee mit der Werkstatt: "Meine Enkel waren im gleichen Alter wie die ersten Kinder voriges Jahr. Für die ist das Fahrrad das Größte und da hab ich gedacht, das wird bei den Kindern nicht anders sein. Ich habe angefangen, den Kindern ein Fahrrad zu organisieren. Dann sind ihnen Mama und Papa nicht mehr hinterhergekommen, da war ich gezwungen, auch den Eltern ein Fahrrad zu besorgen. Dann habe ich auf die Schnelle mein eigenes verschenkt und das von meiner Frau."

Erst reparieren, dann verschenken

Doch das geht wie ein Lauffeuer um und plötzlich will jeder ein Rad. Zunächst kauft Wolfgang Fischer aus der eigenen Brieftasche günstige Gebrauchte. Dann werden die ersten Hallenser auf ihn aufmerksam und spenden ihre alten Räder, berichtet der Rentner: "Es sind natürlich viele Fahrräder noch reparaturbedürftig. Beleuchtung, die manchmal fehlt, zum Beispiel. Auf alle Fälle müssen sie geölt werden, weil die Schenkungen zu Hause ewig gestanden haben. Alles muss richtig eingestellt werden und so."

Oft muss er die Reifen wechseln, Bremsen oder Sattel austauschen. Beim Kauf der Ersatzteile unterstützen ihn ein Flüchtlingsverein und der Betreiber der Unterkunft. Wolfgang Fischer, den die Flüchtlinge mittlerweile liebevoll Opa nennen, bringt auch manchen Frauen Radfahren bei, gibt Hinweise, wie sie fahren müssen. Zeit für richtigen Verkehrsunterricht hat er nicht.

Verkehrsregeln vermitteln

Fahrrad-Broschüre der Polizei Sachsen-Anhalt für Flüchtlinge
Eine mehrsprachige Broschüre soll Flüchtlingen sicheres Fahrrad fahren erklären Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch die Polizei im Süden von Sachsen-Anhalt hat schon im letzten Jahr mit Verkehrsschulungen begonnen, sagt Polizeikommissarin Steffi Kapinski: "Entweder kommt die Gruppe von Flüchtlingen in die Verkehrswacht oder wir gehen auch zu den Flüchtlingsunterkünften und können dort mit Rollern und Rädern üben: Welche Verkehrszeichen gibt es, wie verhalte ich mich beim Abbiegen?". Doch da es auch hier nicht immer leicht ist mit der Verständigung und man längst nicht jeden erreichen kann, hat Steffi Kapinski zusätzlich eine Broschüre mit den Grundregeln für Radfahrer in Englisch, Französisch und Arabisch entwickelt. Pünktlich zur Radsaison soll sie in Flüchtlingsunterkünften verteilt werden.
Auch Wolfgang Fischer hat schon Bedarf angemeldet. Er beobachtet, dass viele Flüchtlinge sehr vorsichtig unterwegs sind, an großen Kreuzungen lieber die Räder schieben. Vermehrte Unfälle werden nicht registriert, sagt Steffi Kapinksi von der Polizei. Allerdings wird in der Unfallstatistik auch die Nationalität nicht erfasst.

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2016, 07:23 Uhr