Falscher Hase aus Mehlwürmern auf einem Teller
Sieht aus wie ein Hase und schmeckt nach Falafel – der "Falsche Hase" aus Mehlwurmpaste von Carolin Schulze. Bildrechte: Carolin Schulze

Erfindung aus Halle beim Tag der Deutschen Industrie Ein Hasenbraten aus Mehlwurmpaste

Wie können wir uns zukünftig ernähren? Die herkömmliche Viehwirtschaft ist eine Belastung für die Umwelt - Zeit, nach Alternativen zu suchen. Wie wäre es beispielsweise mit einem leckeren Hasenbraten aus Insektenpaste? Einen solchen hat die Leipziger Künstlerin Carolin Schulze kreiert und dafür viele Preise bekommen. Am Dienstag ist sie zum Tag der Deutschen Industrie nach Berlin eingeladen, um ihren "Falschen Hasen" vorzustellen.

von Ulrike Lykke-Langer, MDR AKTUELL

Falscher Hase aus Mehlwürmern auf einem Teller
Sieht aus wie ein Hase und schmeckt nach Falafel – der "Falsche Hase" aus Mehlwurmpaste von Carolin Schulze. Bildrechte: Carolin Schulze

In einem Leipziger Hinterhaus hat Carolin Schulze ihre kleine Werkstatt. Sparsam möbiliert, auf dem Tisch durchsichtige Plastedöschen. Hier bewahrt die 30-Jährige ihre wichtigste Zutat auf: gefriergetrocknete Mehlwürmer. "Das sind echte", erklärt sie, "die sind gefriergetrocknet und die hab ich tatsächlich auch für meine ersten Falschen Hasen-Versuche genutzt."

Mehlwürmer
Mehlwürmer als Fleischersatz. Bildrechte: Carolin Schulze

Ihren inzwischen berühmten Falschen Hasen hat Carolin während ihres Studiums an der Burg Giebichenstein erfunden. "Ich fand das Thema Fleisch und Fleischalternativen sehr spannend. Das ist ein Thema, was mich persönlich interessiert. Ich glaube, dass das alle Menschen interessiert und – wenn auch unbewusst – bewegt und beschäftigt."

3D-Druck als Kommunikationswerkzeug

Mit zehn Kilogramm Futtermittel kann man nur einen Kilo Rindfleisch gewinnen, aber neun Kilogramm Insektenfleisch. Deshalb werden Mehlwürmer oder Grillen auch von der WHO als Lebensmittel der Zukunft propagiert.

Maschine
Der Falsche Hase entsteht im 3D-Drucker. Bildrechte: Carolin Schulze

Zu den Mehlwürmern mischt Carolin Kartoffeln, Knoblauch und Gewürze, sodass es ein wenig wie Falafel schmeckt.

Carolin Schulze fährt fort: "Das war die Idee: Insektenfleisch umformen. Und warum dann nicht mit einer so gehypten uns angesagten Technologie wie dem 3D-Druck? Das ist in dem Falle mein Werkzeug, um das den Leuten zu kommunizieren."

Einfacher als eine Kuh auf dem Balkon

Der Falsche Hase aus Mehlwurmpaste kommt also aus dem 3-D-Drucker. Schicht für Schicht hat der Drucker ihn aufgebaut und wie er nun so da so sitzt auf einem Teller, erinnert er an das Hasen-Gemälde von Albrecht Dürer. Vor dem Genuss muss er allerdings noch frittiert oder gebraten werden.

Porträt Carolin Schulze
Carolin Schulze interessiert sich für Alternativen zum Fleisch. Bildrechte: Carolin Schulze

Der Falsche Hase war inzwischen auf vielen Ausstellungen zu Gast und hat etliche Preise eingeheimst: Zuerst den Giebichenstein Design Preis, dann den Bundespreis ecodesign und einen Preis beim Wettbewerb Deutschland – Land der Ideen. Die Suche nach nachhaltigen Alternativen zu herkömmlichen Produkten bestimmt die Arbeit der Designerin. Beim Wurm-Hasen wird es da sicher nicht bleiben.

Das Coole ist ja bei Insekten: Jeder könnte zuhause seine Insektenfarm in der Küche in einer kleinen Box züchten. Das hab ich auch gemacht. Das ist immer noch einfacher, als sich 'ne Kuh auf den Balkon zu stellen.

Carolin Schulze, Designerin

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 20.06.2017 | 05:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2017, 05:00 Uhr

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