Ein Schild am Strandaufgang informiert am 20.06.2016 in Boltenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) über die Fotoregeln für Urlauber.
In den meisten Freibädern gibt es ein Fotografierverbot. Bildrechte: dpa

Freibäder Fotos verboten!

Schnell noch ein Selfie und ab damit auf Facebook oder Instagram. So wird's ständig und überall gemacht. Blöd ist das nur für die Leute, die nicht unbedingt im Netz zu sehen sein wollen - vor allem, wenn sie vielleicht nur eine Badehose oder einen Bikini anhaben. Aber ist es überhaupt erlaubt, im Freibad zu fotografieren?

von Lily Meyer, MDR AKTUELL

Ein Schild am Strandaufgang informiert am 20.06.2016 in Boltenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) über die Fotoregeln für Urlauber.
In den meisten Freibädern gibt es ein Fotografierverbot. Bildrechte: dpa

Im Schreberbad in Leipzig plätschert das Wasser ruhig vor sich hin. Noch sind die Liegewiesen ungemäht und das Becken ist menschenleer. Eine gute Zeit, um ein Foto zu machen. Denn sobald das Freibad öffnet und die Badegäste kommen, um das kühle Nass und die Sonne zu genießen, sind beim Fotografieren bestimmte Regeln einzuhalten, erklärt Martin Gräfe, Leiter des Bäderbetriebs der Sportbäder Leipzig: "Fremde Personen und Gruppen dürfen nicht fotografiert werden. Die Presse braucht eine Genehmigung."

Sicherheit vor Privatsphäre

Der Grund: das Recht am eigenen Bild. Um zu verhindern, dass ein Fremder leichtbekleidete Menschen oder auch nackte Kinder fotografiert und die Bilder vielleicht sogar ins Internet stellt, ist das Fotografierverbot in der Haus- und Badeordnung festgehalten.

Es gibt auch im Schreberbad Ausnahmen, erklärt Gräfe: "Es gehört immer ein bisschen Fingerspitzengefühl dazu. Stellen wir uns vor, der Vater möchte von seinem rutschenden Kind ein Foto machen. Ich weiß nicht, ob es zielführend wäre, wenn der Bademeister sofort dazwischen springen würde." Wären auf der Rutsche aber zum Beispiel noch zwanzig weitere Kinder, die mit auf das Bild kommen, würde ein Freibad-Mitarbeiter den Vater darum bitten, das Fotografieren zu unterlassen.

In den meisten Fällen haben die Fotografen sofort Verständnis dafür, manchmal braucht es etwas Überzeugungsarbeit. Allerdings ist der Bademeister vor allem da, um auf die Sicherheit der Badegäste zu achten. Das gehe immer vor.

Nur wenige Probleme in ganz Mitteldeutschland

So auch in den vier Erfurter Freibädern, sagt Cornelia Sirch vom Bäderbetrieb der Stadtwerke: "Wir sind darauf angewiesen, dass uns die Badegäste sagen, wenn jemand fotografiert wird. Dann schreiten wir natürlich sofort ein. Ein Handyverbot wäre organisatorisch nicht machbar. Wenn man 3.000 Badegäste hat, kann man das nicht durchsetzen." Und dann wäre auch das WLAN nutzlos, das es seit dieser Saison im Nordbad in Erfurt gibt.

Auch in Jena können die Badegäste auf der Wiese im Internet surfen. Bisher gab es auch hier keinen Grund, ein strengeres Fotografierverbot umzusetzen. Man wolle die Lage in dieser Saison aber im Auge behalten, sagt Anja Tautenhahn von den Stadtwerken Jena: "Wenn wir merken, dass die Entwicklung dahin geht, dass das zu groben Störungen führt, müssen wir auch die Badeordnung dementsprechend anpassen." Im vergangenen Sommer habe es allerdings keine großen Probleme gegeben. Das gleiche gilt für die Freibäder in Dresden, Halle, Erfurt und Leipzig.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.05.2017 | 06:11Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 17:16 Uhr

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13 Kommentare

20.05.2017 11:30 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 13

@ 11. Hans:

Da hast Du vollkommen recht!
Fotos von Personen in der Öffentlichkeit brauchen für die Veröffentlichung dieser Fotos die Einvertständniserklärung des/der Fotografierten, sofern diese Personen keine Personen des 'öffentlichen Lebens' sind.

Nicht ganz einfach, die Thematik. Von daher wäre ein 'Fotoführerschein' sicherlich eine Möglichkeit, die Gesetzeslage für 'Amateur-Fotografen' zu erhellen.

"... weil ich's kann!" ist also immer noch nicht der geeignete Maßstab.

20.05.2017 09:27 Laumeier 12

Die arabische Schrift ist schon mal gut, nur die Bebilderung auf dem Schild müsste noch ergänzt werden.

20.05.2017 08:32 Hans 11

Was ist im Freibad anders als woanders in der Öffentlichkeit. Dann darf auch nicht im Supermarkt, im Park oder auf öffentlichen Plätzen fotografiert werden. Am besten Fotoapparate und Fotohandys in der Öffentlichkeit verbieten und alle Benutzer, solcher Geräte, müßten vorher einen "Fotoführerschein", mit Prüfung, erwerben.

20.05.2017 05:08 D.o.M. 10

Das ist ja wohl kein Zufall, dass diese Schilder erst nach 2015 aufgestellt werden müssen.
Deutschland bleibt bunt. Und wird es immer mehr. Und wem das nicht paßt, der ist ein Nazi

20.05.2017 03:49 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 9

Genau Anfragen wie #8 sind mir die liebsten, denn sie lassen sich einfach beantworten:

Fotographier Deinen Enkel doch in allen Situationen, die Dir wichtig erscheinen! Doch wenn Du eines dieser Fotos 'online' stellen willst, dann mußt Du vorher Deinen Enkel fragen, ob ihm das recht ist.

Die Zeiten werden härter!

Du darfst das sicherlich auch als 'Freiheit des Anderen' bezeichnen: die Grenzen für Pädophilie wurden in den letzten 40 Jahren aber verändert!

Noch dazu: wenn auf dem Foto 'Fremde' zu erkennen sind, so haben diese auch ein 'Recht auf Privatshpäre'.

Man kann ja mit seiner Leica Fotos machen! Aber man darf nicht alles ohne Genehmigung der Abgebildeten veröffentlichen!

So viel Grips muß sein!

19.05.2017 18:19 D.B. 8

Herr Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" Sie scheinen ein ziemlicher Egoist zu sein. Denn viel durchdachtes lassen Sie bei Ihren Kommentaren nicht vom Stapel.
Freiheit ist die Freiheit der Anderen. Es gibt nichts Absolutes.
Die ersten Schwimmzüge meines Enkels durfte ich noch fotografieren (zum Glück hatte er eine Badehose an). Den ersten Sprung vom Einser habe ich aufgenommen und nicht gelöscht, als ich das Verbot beim Verlassen des Bades sah. Als ich den ersten Sprung vom Dreier aufnehmen wollte, hatte ich von allen Badegästen die Erlaubnis. Aber die Aufsicht bestand auf das Verbot.
Wo soll das aufhören?
Satt zu Fragen wem nützt es, wird Luft diskutiert.

19.05.2017 16:05 4711 7

Warum dann nicht noch in Ruusisch, Polnisch Tschechisch? Haha, kann mir schon denken warum! Bestimmt, wegen einer rückwärts gewandten Kultur!

19.05.2017 15:26 Richtig! 6

Veerbote sind gut und entlasten, z.B. die Veranstalter, die Eigentümer oder Pächter etc. pp. Doch ohne Kontrolle macht ohnehin jeder, was er will. Also Verbote sinnlos!

19.05.2017 13:48 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 5

@ 3:
Zitat "Ahnt man gleich, wer hier wohl die meisten Probleme macht."
Meinst Du wirklich, Briten und Araber wären das größte Problem in deutschen Schwimmbädern?

@ topic:
Der Mensch ist verantwortlich für das, was er macht - auch wenn er das nicht immer gleich selbst erkennt.
Wenn er/sie sich ein Handy mit Kamera kauft, um dieses auch im Freibad dabei zu haben, ist das eigentlich kein Problem: man stellt am Eingang ein Schild auf, um an die Persönlichkeitsrechte jedes Einzelnen zu erinnern.

Wenn man dann einfach drauf los knipst, hat man seine Eigenverantwortung schon wieder vergessen...
"... weil ich's kann!" ist also nicht immer der geeignete Maßstab.

19.05.2017 13:24 Brennabor 4

Immer mehr Verbotsschilder machen keinen Sinn,
denn viele tun gerade dort das, was eben
verboten ist. Zum Beispiel sehr oft hundekoten !!!

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