Grafik Hirnschlag
Gerade bei älteren Menschen kann es passieren, dass Ärzte eine Hirnblutung nicht bemerken. Bildrechte: Colourbox.de

Nach Stürzen oder Unfällen Ärzte erkennen Hirnblutungen nicht immer

Vor ein paar Tagen starb die Schauspielerin Karin Dor. Sie war das bislang einzige deutsche Bond-Girl. Vermutlich war ein Bluterguss im Gehirn der Grund für ihren Tod. Der blieb lange unerkannt und könnte von einem Sturz herrühren, bei dem die 79-Jährige sich vor einigen Monaten den Kopf anschlug. Dass es nach einer Gehirnerschütterung zu einer Blutung im Kopf kommt, ist nicht ungewöhnlich. In der Regel wird sie von Ärzten aber bemerkt.

Grafik Hirnschlag
Gerade bei älteren Menschen kann es passieren, dass Ärzte eine Hirnblutung nicht bemerken. Bildrechte: Colourbox.de

Eine Hirnblutung kann harmlos beginnen, zum Beispiel mit einem Fahrradunfall. Ein Radfahrer ohne Helm stößt mit einem Auto zusammen. Die Folgen sind zwei Tage Krankenhaus und eine Gehirnerschütterung. Meistens erholt sich der Patient davon rasch. Bei einem schwereren Schädel-Hirn-Trauma kann es aber passieren, dass es im Gehirn zu einem gefährlichen Bluterguss kommt.

Blutergüsse müssen nicht sofort auftreten

Jürgen Meixensberger, Neurochirurg an der Uniklinik Leipzig, erklärt: "Die Häufigkeit, wenn man schwere Schädel-Hirn-Traumata hat, ist natürlich viel größer. In der Regel findet man bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma fast immer eine Blutungsform. Das heißt nicht, dass jede Blutung einer Operation bedarf."

Die Blutungen können kurz nach einem Sturz oder einem Schlag gegen den Kopf auftreten. Manchmal dauert es aber auch mehrere Tage oder Wochen. Meixensberger: "Insgesamt ist es so, dass verzögert auftretende Hämatome nach einem Schädel-Hirn-Trauma nur drei Prozent aller Blutungen ausmachen."

Schlafstörungen können ein Symptom sein

Betroffen seien vor allem Menschen über 60, sagt der Neurochirurg. "Risikofaktoren für Blutungen nach einem Schädel-Hirn-Trauma sind vor allem der Gefäßzustand und die Einnahme von Medikamenten zur Blutverdünnung, was ja gerade im höheren Alter bei Herzgefäßerkrankungen häufig vorliegt. Diabetes, Alkoholismus und Epilepsie können auch Faktoren sein."

Sean Connery und Karin Dor in 'James Bond 007 - Man lebt nur zweimal'
Von einem schweren Sturz konnte sich die Schauspielerin Karin Dor nicht mehr erholen. Bildrechte: IMAGO

Die später auftretenden Blutungen ließen sich an anderen Symptomen erkennen als die akuten, erklärt Christian Hohenstein. Er ist Leiter der Notaufnahme der Uniklinik Jena. Deswegen würden sie gerade bei älteren Menschen manchmal verkannt: "Die Symptome sind zum Beispiel Konzentrationsstörungen. Man ist leichter gereizt als sonst. Man hat Schafstörungen. Man kann sich nicht mehr so gut Sachen merken. Man ist müder als sonst. Aber auch Kopfschmerzen sind Symptome."

Demenzkranke gehören zur Risikogruppe

Solche Beschwerden würden mitunter einfach als Demenz gewertet. Zudem erzeugt langsam austretendes Blut auch nicht gleich Druck auf das Gehirn. Die Symptome treten dann erst später auf. Wie oft eine Hirnblutung nicht entdeckt wird, lässt sich nicht sagen. Laut Hohenstein passiert es aber selten. Denn nach einer Kopfverletzung würden Patienten genau untersucht.

Vor allem bei Risikogruppen sei man gründlich: "Alte Leute, demente Leute und alkoholisierte Leute. Also Leute, mit denen Gespräche schwierig zu führen sind. Wenn die eine Gehirnerschütterung haben, sollte man immer mit einer Computertomografie nachschauen." Damit lässt sich ein Bluterguss im Hirn erkennen. Patienten sollten aber auch noch einige Zeit nach einer Gehirnerschütterung auf mögliche Symptome achten und gegebenenfalls nochmal eine Computertomografie machen lassen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 14.11.2017 | 09:49 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 16:36 Uhr