Ein Stromaggregat
Stromaggregate wie dieses sind für den Betrieb im Freien oder in gut durchlüfteten Räumen gedacht. Bildrechte: IMAGO

Fall in Arnstein Stromaggregat verursacht Kohlenmonoxid-Tragödie

Nach dem Tod von sechs jungen Erwachsenen in Arnstein durch eine Kohlenmonoxidvergiftung steht die Ursache fest. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft war ein mit Benzin betriebenes Stromaggregat für den tödlichen Gasaustritt verantwortlich. Warum die Jugendlichen in Arnstein das Gerät anschalteten, ist noch unklar. Was beim Betrieb dieser Stromaggregate zu beachten ist, erklärt ein Experte vom TÜV Rheinland.

von Grit Bobe, MDR AKTUELL

Ein Stromaggregat
Stromaggregate wie dieses sind für den Betrieb im Freien oder in gut durchlüfteten Räumen gedacht. Bildrechte: IMAGO

Mit dem Strom ist es wie mit vielen anderen Dingen. Man merkt erst, wie wichtig er ist, wenn er fehlt. Beim Campen oder im Garten ist Strom jedoch längst nicht selbstverständlich. Wo kein Anschluss vorhanden ist, kommen häufig Stromaggregate zum Einsatz. Man dürfe sie nicht verwechseln mit Notstromaggregaten, sagt Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland. Weil diese ja ans Stromnetz angeschlossen seien, während mobile Stromnetzgeneratoren üblicherweise in Kleingartenanlagen genutzt würden, wo man geringe Mengen Strom benötigt, etwa zum Betrieb eines kleinen Herds oder einer Beleuchtung.

Aggregate arbeiten fast lautlos

Stromaggregate werden mit Benzin oder Diesel betrieben. Die Krux aber sei, so Diekmann weiter, dass die Geräte inzwischen sehr geräuscharm arbeiteten: 2-Takt-Motoren seien früher sehr laut gewesen und die Leute froh, sie möglichst weit entfernt von einer Hütte aufstellen zu können.

Heute reden wir über 4-Takt-Motoren, die schallgedämpft sind. Sie sind kaum noch lauter als ein Staubsauger. Da ist die Versuchung groß, sie immer näher ans Gebäude heranzuholen.

Ralf Diekmann | TÜV Rheinland

Totenkopf warnt vor Gefahren

Oder eben ins Gebäude hinein wie beim tragischen Unglück in Arnstein. Warum die Jugendlichen das Stromaggregat im Gartenhaus laufen ließen, kann sich der Experte nicht erklären. Auch nicht, warum sie nicht spätestens durch den bei der Verbrennung entstehenden Geruch auf die Gefahr aufmerksam wurden. Er weise erneut darauf hin, dass es auf jedem der Geräte zwei Warnhinweise gebe. Auch das Symbol eines Totenkopfes auf gelbem Grund: 

"Einmal betrifft der Warnhinweis den Betrieb mit Benzin, also die Gefahr durch Verpuffung, Feuer und Hitzeentwicklung. Und auch ein Hinweis, sie nicht in geschlossenen Räumen zu betreiben, wo Durchlüftung nicht gegeben ist."

Mitdenken, mitdenken, mitdenken

Vorfälle dieser Art könne niemand verhindern. Gefragt sei der gesunde Menschenverstand: "Niemand würde auf die Idee kommen, einen benzinbetriebenen Rasenmäher in der Wohnung laufen zu lassen. Genauso wissen alle, dass man bei geschlossenen Garage das Auto nicht laufen lassen darf. Die Geräte gehören nach draußen, weil sie viele Abgase emittieren, die für den Menschen höchstgefährlich sind", sagt Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 02.02.2017 | ab 16:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2017, 17:43 Uhr

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2 Kommentare

03.02.2017 16:12 Gerd 2

Ich möchte auf eine Gefahr hinweisen, die bei luftgekühlten VW-Motoren in den 50er und 60er Jahren bestand (jetzige Oldtimer). Ich wartete im Winter mit laufendem Motor und eingeschaltetem Heizgebläse im stehenden Fahrzeug und bekam Kopfschmerzen und Überkeitsgefühl. Bei einer anschließenden Ursachen-Recherche fand ich heraus, daß die Fahrzeugheizung aus einer "Heizbirne" bestand, bei der die heißen Abgase des Motors die Zuluft zum Passagierraum beheizten. Da das Fahrzeug stand, fand kein Luftaustausch im Passagierraum statt; die Abgase, die durch eine teilweise durchrostete Trennwand in die Zuluft gelangten, reicherten sich im Passagierraum an. Dieses als Warnhinweis an Ordtimer-Besitzer, ob Porsche mit seinen ebenfalls luftgekühlten Motoren auch davon betroffen sein kann, weiß ich nicht.

03.02.2017 01:29 Klaus 1

Ich fass es nicht, wie kann man nur einen benzingetriebenen Stromgenerator im Wohnraum unterbringen? Allein der Gestank würde mich schon stören.