Elektroautos der TEAG in Erfurt (Mutterkonzern der Thüringer Energienetze)
Elektroautos der TEAG in Erfurt (Mutterkonzern der Thüringer Energienetze) Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

E-Mobilität Verkraften die Energienetze mehr Elektroautos?

Wenn es um unsere Stromnetze geht, hört man oft, dass Trassen fehlen oder die Gefahr von Stromausfällen droht. Und künftig soll auch noch die Zahl der Elektroautos deutlich steigen. MDR-AKTUELL-Hörer Steffen Schumm aus der Nähe von Illmenau fährt selbst begeistert E-Auto. Er nutzt es für seine Fleischerei, die Energie dafür kommt von seinem Dach. Doch das ist nicht überall so. Er fragt, ob die Netze in Deutschland das überhaupt schaffen können.

von Jens Falkowski, MDR AKTUELL

Elektroautos der TEAG in Erfurt (Mutterkonzern der Thüringer Energienetze)
Elektroautos der TEAG in Erfurt (Mutterkonzern der Thüringer Energienetze) Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

An der Hochschule Mittweida beschäftigt man sich intensiv mit der Zukunft der deutschen Stromnetze. Einen Engpass oder gar Stromausfälle durch Elektromobilität hält man hier für unwahrscheinlich, sagt Ralf Hartig, Leiter des Instituts für Energiemanagement an der Hochschule. "Für die Elektromobilität, die es heute gibt, ist unser Stromnetz sehr wohl in der Lage den Bedarf zu decken. Mit der Zunahme der Elektromobilität hier in unserer Region muss man das Stromnetz ertüchtigen. Das kostet Geld, das kostet Zeit, aber ich denke, das werden wir schaffen."

Schlaue Stromnetze

Mitarbeiter der Thüringer Energienetze (TEN) blicken auf einen Netzplan in Erfurt
Mitarbeiter der Thüringer Energienetze (TEN) studieren einen Netzplan in Erfurt. Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Unsere Stromnetze können bis zu zehn Prozent Elektromobilität im Straßenverkehr ohne Ausbau verkraften. Da sind sich Forscher und Netzbetreiber einig. Für einen weiteren Anstieg müssen vor allem die Ortsnetze aufgerüstet werden. Bei den Thüringer Energienetzen setzt Matthias Sturm daher auf eine intelligente Verknüpfung der Netze. Aus diesem Grund führe das Unternehmen eine sogenannte 5-Netze-Strategie durch.

Wir kombinieren die Stromnetze, die Gasnetze, Straßenbeleuchtung, Wärmenetze, Glasfaser und eben die Informationsnetze, um die Aufgabe der Elektromobilität in Zukunft erfüllen zu können.

Matthias Sturm | Thüringer Energienetze

Auf Häufungen vorbereitet

So verlegen die Thüringer Energienetze in Langenbach an der thüringisch-sächsischen Grenze gerade neue Kabel. Neben einer modernen Stromversorgung erhalten die Anwohner durch den Ausbau zusätzlich schnelles Internet - wichtig für die intelligenten Stromnetze. Dabei werde die Verteilung von Elektrofahrzeugen in der Fläche deutlich unterschiedlich ausfallen, ist Matthias Sturm überzeugt.

"Wir beobachten intensiv, welche Kunden sich Elektrofahrzeuge beschaffen. Es ist ganz klar, dass es in Abhängigkeit von der Situation zur Häufung an einer Stelle kommen kann. Das heißt, was wir durchschnittlich erst 2030 erwarten, kommt dann an einigen Stellen schon eher. Wenn man in gewissen Bereichen Häufungen hat, wo sich viele Leute in einer Straße gleichzeitig Elektrofahrzeuge kaufen. Wir nennen das die sogenannte Zahnarztallee. Auch darauf sind wir vorbereitet, weil wir in unseren lokalen Stromnetzen verkabeln."

Keiner kann in die Glaskugel schauen

Durch den Netzausbau auch in den Siedlungen sollte es selbst bei hoher E-Auto-Dichte nicht zu Ausfällen kommen. Die Herausforderung für Forscher und Netzbetreiber liegt vielmehr in der Frage: Wie sich die Elektromobilität in der Zukunft entwickeln wird. Ralf Hartig von der Hochschule Mittweida hat da Zweifel an der politischen Vision. "Was wir heute unter Elektromobilität verstehen, ist eine Momentaufnahme, eine völlig neue Technologie. Ob und wie sich die Technologie mal durchsetze, kann man heute nicht sagen. Sicher wird wahrscheinlich sein, dass wir die angepeilte Zahl von einer Million Elektrofahrzeuge bis 2020 mit Sicherheit nicht erreichen."

Ob die Elektroautos zukünftig das Bild im Straßenverkehr prägen oder doch eine andere Technologie kommt, bleibt unklar. Die Stromnetze werden jedenfalls schon heute für einen mittelfristigen Anstieg der Elektromobilität ausgerüstet.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 09.08.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2017, 13:38 Uhr

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12 Kommentare

10.08.2017 13:54 FSee 12

@10 Apropos Herr Hartig: Ich fürchte, er lässt sich schwer als Kritiker vereinnahmen. Denn er sagt, was wir heute sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Das E-Auto bildet auch aus meiner Sicht nur den Übergang vom Auto, so wie wir es kennen (und unsere Konzerne bauen) zu komplexeren Mobilitätslösungen. Darin spielt es eine bestimmte Rolle, aber nicht mehr dieselbe wie heute. Wie komme ich am Besten von A nach B und welchen Vorteil bietet mir dabei das (eigene) Auto? Fragen, die wir uns stellen werden - und die sich schon heute viele Menschen in den zugeparkten Städten und auf verstopften Autobahnen stellen. Ansonsten hoffe ich für den Wissenschaftler Hartig, dass er unzutreffend zitiert wurde. Denn was bedeutet: "Sicher wird wahrscheinlich sein...?" Ist das Sichere nur wahrscheinlich oder das Wahrscheinliche sicher?

09.08.2017 18:06 FSee 11

Musste auch schmunzeln: Zahnarztallee. Originell. Trifft's nur nicht. Bin kein Zahnarzt, fahre seit über 30 Tkm E-Auto, als Pendler über 50 km und in den Urlaub über 1000 km. Funktioniert, nicht immer reibungslos, bin aber nie liegen geblieben und war immer von Neugierigen umlagert. Ladesäulen gibt es inzwischen reichlich in großen und mittleren Städten, an Autobahnen wie der A9, Strom ist deutscher Exportschlager, keine Mangelware - aber das Wirrwarr an Ladekarten und Abrechnungssystemen ist ein echtes Hemmnis. Ergo: Die heimische (Schuko-)Steckdose und bestenfalls eine PV-Anlage, die sie speist, sind ein unschlagbares, kostengünstiges Duo. Und wenn die Akkus im eigenen E-Auto mal nachlassen, eignen sie sich immer noch als Solarspeicher. Bis 10 Prozent E-Autos auf unseren Straßen rollen, ist es noch ein weiter Weg - von gerade mal unter 1. Aber es gibt viele, für die sich das heute schon lohnt, auch Zahnarztpatienten :-)

09.08.2017 18:05 Freiherr vom Stein 10

Die Akkus dieser Elektrovehikel sollten eher Winterbetrieb , Stau / Stop a. Go auf der Autobahn,
ein paar 100km mit 100km/h , bei zugeschalteten Verbrauchern u. mind. 600km Reichweite am Stück verkraften, erst dann sollte man sich über Energienetze für diese unausgegorene K.....e unterhalten.
Und da ist auch der von Medien hochgejubelte Tesla noch sehr , sehr weit entfernt.
Ich hoffe da eher auf den Wasserstoffmotor.

09.08.2017 17:29 Graf von Henneberg 9

..."Die Kombination von Gas-, Strom-, Straßenbeleuchtungs- und Informationsnetzen"... klingt interessant und innovativ. Tatsächlich ist das nichts weiter als eine technische haltlose Dummschwätzerei - Was sollen solche kernigen Dumm - Sprüche? Fehlt bloß noch eine Aussage für eine direkte (elektrisch leitende) Verbindung zum Wasser- und Abwassernetz.
Der Herr Hartig hingegen vom Technikum Mittweida hat im Beitrag eine ordentliche und zutreffende Aussage zu der Problematik gemacht. Solche Leute braucht das Land. Hoffentlich wird er dafür nicht gemaßregelt (vom Dobrind).

09.08.2017 17:14 Wachtmeister Dimpfelmoser 8

Ein bekanntes Zitat von Egon Bahr lautet „Wenn ein Politiker anfängt, über ‚Werte’ zu schwadronieren, anstatt seine Interessen zu benennen, wird es höchste Zeit, den Raum zu verlassen.“ Auf diese kurzatmigen und überteuerten Fahrzeuge mit all ihren Kinderkrankheiten bezogen heißt das: Gehirn einschalten, wenn sie uns die Staats- und Parteiführung so kritiklos anpreist, wie sie das momentan tut. Und immer hinterfragen: Cui bono? Und leider gibt es ja an den Ladesäulen auch kein Bier und morgens keine frische Brötchen und die Zeitung...

09.08.2017 15:44 Fragender Rentner 7

@Brennabor zu 5

Du mußt nur die Heizung bei den Themperaturen zuschalten und schon wird es warm im Auto.

Es werden dann wieder einige sagen, du mußt ja nicht ständig nachladen.

Nur finde dann mal schnell die passsende und freie Ladesäule.

09.08.2017 15:24 Altmeister 50 6

Die Bezeichnung "Zahnarztallee" finde ich sehr originell. Ich habe die Vermutung, Zahnärzte leisten sich ein E- Mobil als Drittauto zur umweltfreundlichen Gewissensberuhigung, welches dann neben zwei Dickschiffen in der Garage steht.
Mich würde wirklich mal interessieren, wer sich als einziges Familienauto, das die ganze Bedarfspalette vom Arbeitsweg bis Urlaub und ggf. nutzbar für Anhängerbetrieb abdecken muß, ein E- Auto kauft.
Geschäftlich für Standardstrecken ist das in Ordnung aber privat als einziges Auto unvorstellbar.

09.08.2017 13:59 Brennabor 5

Mit günstigem Nachtstrom kann man 4 statt ein Auto
laden. Nur wie funktioniert bei Minus 10°Celsius die
Heizung im Auto ?

09.08.2017 13:27 Markus 4

Und Netze ausbauen - soll das bedeuten, dass wir noch mehr für Strom bezahlen, um das zu finanzieren? Etwa wie Steuer für Windmühlen? Die Bürger verkraften das kaum. Am Ende wählt man die Leute für Regierung, die alles nur mit Kohle und Erdöl machen :)

09.08.2017 12:29 Nanu.. 3

Woher der Strom kommen soll, wird wohl allen erst einfallen, wenn Millionen Autos produziert sind und dann nicht fahren können - mangels Strom.
Ich glaube, in unserem Land wird bei jeder Erfindung "das Pferde von hinten aufgezäumt".

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