Grippe-Schutz: Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?
Die Impfquote ist beim Grippeschutz sehr niedrig. Bildrechte: Imago

Niedrige Impfquote Grippe-Impfung durch den Apotheker?

Die Grippezeit hat begonnen: Wie jedes Jahr dürfte sich auch diesmal wieder jeder zehnte Europäer anstecken. Doch trotz intensiver Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind die Impfquoten nach wie vor nicht sehr hoch. MDR AKTUELL–Hörer Michael Sturm fragt deswegen: "Warum kann man sich in Deutschland nur in Arztpraxen impfen lassen und nicht in Apotheken? In Ländern wie in Kanada oder der Schweiz geht das bereits. Könnte man damit nicht die Impfquote erhöhen?"

von Mark Michel, MDR AKTUELL

Grippe-Schutz: Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?
Die Impfquote ist beim Grippeschutz sehr niedrig. Bildrechte: Imago

Barbara Teichmann ist Kinderärztin im Kindernotfallzentrum in Leipzig. Tagtäglich impft sie kleine Jungen und Mädchen. Es ist die Zeit für die Grippeschutzimpfungen. In Deutschland sei es so geregelt, dass der Arzt derjenige sei, der laut Strafgesetzbuch verpflichtet und auch berechtigt sei,  ärztliche Handlungen an Menschen auszuführen, erklärt Teichmann. Das betreffe sowohl heilende Prozesse als auch die vorsorgenden Dinge, wozu die Impfung zähle. Die Prävention sei der Bereich, der vom Arzt durchgeführt werde.

In anderen Ländern wie Frankreich, der Schweiz, Kanada, Portugal oder auch Großbritannien ist das zum Teil anders geregelt. Dort dürfen auch Apotheker impfen, zumindest gegen ganz bestimmte Infektionskrankheiten wie gegen Grippe und die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Apotheker- und Arztaufgaben in Deutschland strikt getrennt

In Deutschland ist dies aber strikt getrennt und das schon seit mehreren hundert Jahren, erklärt Toralf Stenz, Inhaber der Rosen-Apotheke in Leipzig-Schleußig. Der Apotheker dürfe nicht therapieren, nicht diagnostizieren, und der Arzt wiederum solle keine Arzneimittel ausreichen. Und demgemäß würden Apotheken diese Anwendung auch nicht machen können. "Wir wollen es auch nicht tun, weil das eben das Geschäftsfeld der Ärzte ist", sagt Stenz.

Ein weiterer großer Unterscheid, neben der fehlenden gesetzlichen Grundlage, ist die unterschiedliche Ausbildung im medizinisch-pharmazeutischen Bereich. So lernen in der Schweiz Pharmazeuten das Impfen schon während des Studiums. Deutschland verzeichnet im europäischen Vergleich eine ziemlich mittelmäßige Grippe-Impfquote. Die liegt im Durchschnitt bei nur 30 Prozent. Doch wie sieht es in Ländern aus, in denen auch in Apotheken geimpft wird?

Ärztin Barbara Teichmann sagt, in den Ländern in denen das flächendeckend versucht werde durch die Apotheken zu verbessern, habe es auch nicht zu durchschlagenden Erfolg geführt. Die Skepsis der Menschen vor der Grippeimpfung sei auch da gegeben. Kanada, die Schweiz, Frankreich und auch Großbritannien hätten solche Projekte gestartet, aber es sei nicht zu einer wesentlichen höheren Impfquote gekommen.

Apotheker könnten bei Problemen nicht ausreichend reagieren

Dass in anderen Ländern in Apotheken geimpft wird, hat auch damit zu tun, dass es dort keine flächendeckende Arztversorgung gibt und die Gesundheitssysteme sehr unterschiedlich gestaltet sind.

Apotheker Toralf Stenz gibt zu bedenken: "Gesetzt den Fall, man hätte das, dann bleibt immer noch ein das Thema: Was passiert denn wenn? Im Normalfall geht natürlich alles klar. Wir haben keine größeren Probleme zu befürchten, aber was passiert, wenn eine allergische Reaktion auftritt? Wenn die Impfung nach drei Tagen zu einem Abszess führt? Dann ist natürlich die Apotheke nicht mehr in der Lage, das zu leisten." Insofern sei das Impfen in der Arztpraxis besser aufgehoben. Stenz meint, es sei richtig, diese Trennung zu haben. "Wir Apotheker stehen natürlich allen Optionen offen, aber halten das momentan für nicht notwendig."

Die Impfquote für die Grippeschutzimpfung soll trotzdem erhöht werden – mit Hilfe von Informationskampagnen. Denn je nach Stärke der Grippewellen sterben immer wieder Menschen an der Influenza. So hat die letzte Grippesaison in Deutschland mehr als 600 Menschen das Leben gekostet.

Diesen Beitrag sendet MDR AKTUELL auch im: Radio | 01.11.2017 | 05:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2017, 12:39 Uhr

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11 Kommentare

02.11.2017 04:18 optinator 11

@GEZE
Die Grippeschutzimpfung gab es schon zu DDR-Zeiten.
Da war keine Pharma an Gewinnen interessiert.

Jeder muss selber wissen ob und wie er sich gegen eine richtige Grippe, die immer auftreten kann, schützt.
Ich gehe seit 1981 jährlich. Meine Einstellung, mein handeln.

Und wer mich impft ist mir auch egal. Mal macht es der Hausarzt, dann mal eine Schwester beim Betriebsarzt.
Ich denke nicht das hierfür einmal Geld verlangt wird.

01.11.2017 23:33 part 10

Jedes Jahr der gleiche Hype um die Grippeimpfung, deren Erfolg nicht grantiert ist, wohl aber die Nebenwirkungen die eintreten können angefangen von wochenlangen grippalen Infekten bis hin zu Reaktion auf manche schädlichen Inhaltsstoffe. Es scheint mehr wie ein Lotteriespiel: gesunde Lebensweise, Hygiene und Stärkung des Immunsystems gegenüber einer Imfung, die manchemal schon veraltet ist gegenüber dem aktuellen Virus. Gewinner dürfte in jedem Fall die Pharmaindustrie sein, an der schon seit Jahrzenten kein guter Ruf mehr haftet. Es stellt sich somit nicht mehr die Frage wer die Impfung vornimmt sondern ob sie überhaupt sinnvoll erscheint...

01.11.2017 19:14 Kritischer Bürger 9

@5: RICHTIG!! Nur entsprechende PFLICHTVERSICHERUNGEN mehr nicht!

01.11.2017 18:35 NRW-Wessi 8

Es ist völlig in Ordnung, wenn Sie das anders sehen. Meinungen sind eben oft unterschiedlich.
Sicherlich haben Sie auch den passenden Paragraphen zur Hand, der beim Tatbestand der Erpressung angwendet werden kann ...

Sind Impfungen freiwillig und ohne Androhung von Konsequenzen, so finde ich das völlig in Ordnung, nur möchte man im Fall der Grippeimpfung eine höhere Impfrate erzielen und denkt deshalb daran, diese in Apotheken durchführen zu lassen.
Hier sehe ich eine Salami-Taktik, die auch in vielen anderen Bereichen, wie etwa dem Bargeld angewendet wird. Das Ziel könnte irgendwann eine Impfpflicht sein, da Impfseren relativ wenig Forschungskosten verursachen, aber sehr hohe Gewinne abwerfen. An der Neutralität von WHO und RKI habe ich schon lange meine Zweifel und sehe die Impferei und die vorweg geschürte Panik sehr skeptisch.

01.11.2017 17:07 GEZE 7

"Doch trotz intensiver Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind die Impfquoten nach wie vor nicht sehr hoch."
Ich kann mit meinem Geld sinnvolleres anfangen, als es der Pharmaindustrie in den Rachen zu werfen.

01.11.2017 16:09 @01.11.2017 11:45 NRW-Wessi 6

"So finde ich es auch höchst bedenklich, dass verantwortungsvolle Eltern von Kita-Betreibern zum Impfen der Kinder genötigt werden."
Dass sehe ich anders. Impfungen minimieren das Ansteckungsrisiko und verhindern so die Ausbreitung einer Infektion. Wer ein ungeimpftes Kind in den Kindergarten schickt, das sich dann ansteckt und eine Infektion weiterverbreitet, handelt fahrlässig und begeht zumindest den Tatbestand des §229 StGB.

01.11.2017 16:00 @01.11.2017 07:00 Kritischer Bürger 5

Sie haben bestimmt auch keine Versicherungen abgeschlossen.

01.11.2017 12:06 MuellerF 4

Naja, wieso nicht? Mit entsprechender Nachschulung kriegt man das auch als PTA hin, zumal Impfungen ja meist nicht intravenös, sondern subkutan oder intramuskulär verabreicht werden. Thrombose- oder Diabetes- Patienten müssen sich ja auch regelmäßig selbst spritzen. Bei Komplikationen muss man natürlich trotzdem zum richtigen Arzt.

01.11.2017 11:45 NRW-Wessi 3

Eine Grippeimpfung kommt für mich nicht in Frage, weil ich mein Immunsystem erhalten und weder Quecksilber noch Aluminium aufnehmen möchte. Diese und viele weitere fragwürdige Substanzen sind in Impfprodukten enthalten.
Wer krank ist, sollte Nutzen und Nebenwirkungen abwägen und dann Medikamente nehmen, ganz klar. Wer aber gesund ist, sollte diesen Zustand meines Erachtens nicht ändern, zumal kein Hersteller und kein Arzt eine Garantie für das Nichtauftreten von Nebenwirkungen bei Impfprodukten gibt.
Die Verantwortung liegt also ausschließlich beim Bürger selber und sollte nicht angetastet werden. So finde ich es auch höchst bedenklich, dass verantwortungsvolle Eltern von Kita-Betreibern zum Impfen der Kinder genötigt werden.
Wer glaubt, mit der Grippe-Impfung einen grippalen Infekt verhindern zu können, der irrt ohnehin.
Da hilft nur häufiges Waschen der Hände, nicht das Gesicht berühren, möglichst auf Händeschütteln verzichten, Türen mit dem Arm öffnen und viel trinken.

01.11.2017 07:10 Kritischer Bürger 2

+... So hat die letzte Grippesaison in Deutschland mehr als 600 Menschen das Leben gekostet....+ Wäre in diesem Zusammenhang mal zu erfahren um welche Menschen es sich handelt =NICHT IM DURCHSCHNITT-SONDERN GANZ KONKRET= Sind es oft alte, schwache oder eben Mitmenschen, die Jahr für Jahr vorher sich mit den Werbungen für ein fast steriles Lebensumfeld daran gehalten haben? Sind es arme Menschen oder Leistungsbezieher? Ist das mit denen das Leben kostete vllt. so zu sehen das die Natur (auch die der Menschen) trotz allem ihre Opfer fordert?

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