Zwei Kaninchen im Käfig auf einer Wiese
Die Heilungschancen für befallene Kaninchen sind äußerst gering. Deshalb müssen Züchter vorbeugen. Bildrechte: IMAGO

Tiergesundheit Was tun gegen die Chinaseuche bei Kaninchen?

Die heimtückische Kaninchenkrankheit RHD-2, auch Chinaseuche genannt, ist für Züchter ein Fluch. Ist ein Bestand befallen, sind die Überlebenschancen nicht sehr hoch. Manche Züchter verloren auf diese Weise über 90 Prozent ihrer Tiere. Uns erreichten dazu mehrere Zuschriften. Die Absender wollten wissen, was es mit der Krankheit auf sich hat und wie die Seuche bekämpft werden kann. Unser Reporter ist den Fragen nachgegangen.

von Christian Werner, MDR AKTUELL

Zwei Kaninchen im Käfig auf einer Wiese
Die Heilungschancen für befallene Kaninchen sind äußerst gering. Deshalb müssen Züchter vorbeugen. Bildrechte: IMAGO

Der Kaninchenzüchter Karl Heinz Sommer aus der Nähe von Sonneberg war schon drauf und dran, sein Hobby an den Nagel zu hängen. Die Kaninchenseuche RHD-2 raffte fast seinen gesamten Bestand hinweg. Er hat sich eines der toten Kaninchen genauer angeschaut. "Ich habe festgestellt, dass die Lungen und die Leber doppelt so groß ist. Meines Erachtens zerplatzen sie innerlich."

Kaum eine Chance nach Infektion

Karl Heinz Sommer ist einer von vielen Züchtern, in deren Ställen die Krankheit wütete. RHD und die neuere Variante RHD-2 seien gut erforscht, so Professor Thomas Vahlenkamp, Direktor des Instituts für Virologie an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig. "Es ist eine Infektion, die bei Kaninchen eine sehr schnelle Vermehrung des Erregers auslöst. Das geht mit Störungen der Blutgerinnung einher. Dann kommt es zu Blutungen und einer Leberentzündung. Die Tiere erkranken sehr schnell und versterben dann auch schnell."

Prophylaxe ist das A und O

Die Krankheit, die nur Kaninchen befällt und Chinaseuche genannt wird, wurde erstmalig in den 1980er-Jahren in China nachgewiesen. Sie verbreitete sich von dort aus rasch. Nach Westeuropa wurde der Krankheitserreger RHDV vermutlich über importierte Kaninchen eingeschleppt. 2010 wurde ein weiterer, weitaus aggressiverer Virenstamm RHDV-2 ausgemacht. Die Todesrate bei befallenen Kaninchen ist sehr hoch. Eine Therapie mache keinen Sinn, so Professor Thomas Vahlenkamp. "Im Zentrum steht die Prophylaxe. Dass man die Kaninchen also impft und ihnen einen immunologischen Schutz vermittelt, da man nach einer Infektion mit Behandlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt ist."

Hoher Impfstandard bei Ausstellungen

Junges Kaninchen von Mann gehalten
Weil sich die Seuche bei Kaninchenschauen rasch ausbreiten kann, dürfen in Sachsen-Anhalt nur geimpfte Tiere teilnehmen. Bildrechte: Colourbox.de

Vor anderthalb Wochen trafen sich Kaninchenzüchter aus Sachsen-Anhalt bei der 10. Landesclubschau in Hohenmölsen. Rund 550 Kaninchen wurden ausgestellt. Theoretisch besteht bei solchen Schauen ein hohes Risiko, dass ein infiziertes Kaninchen andere ansteckt. Susanne Friedrich, Sprecherin des Landesverbandes der Kaninchenzüchter Sachsen-Anhalt gibt Entwarnung. "Wir vom Landesverband haben mit dem Landwirtschaftsministerium in Sachsen-Anhalt die Impfbedingungen angehoben. Das heißt, alle Tiere in Sachsen-Anhalt, die Züchter auf den Ausstellungen zeigen wollen, müssen gegen die neue Variante der RHD geschützt sein. Des Weiteren sorgt der Landesverband dafür, dass alle Tiere zu einem erschwinglichen Preis durch eine Impfung geschützt werden können."

Keine Meldepflicht mehr

Eine generelle Impfpflicht gibt es aber nicht. Eine Meldepflicht auch nicht. Die Krankheit wurde 1995 aus der Liste anzeigepflichtiger Tierseuchen gestrichen. Dies wurde laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft entschieden, weil Kaninchenhaltungen durch gezielte Präventivmaßnahmen geschützt werden können.

Aufgrund der fehlenden Meldepflicht gebe es allerdings keine amtlichen Zahlen über das Ausmaß der Seuche, sagt Annett Hofmann, Pressesprecherin des Ministeriums für Soziales und Verbraucher in Sachsen. "Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Erkrankungen stetig steigt. Infizierte bzw. verstorbene Tiere sollten in eine Tierkörperbeseitigungsanlage gebracht werden."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 08.11.2017 | 06:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2017, 14:03 Uhr

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1 Kommentar

08.11.2017 05:32 Katharina 1

"Chinaseuche" ;-)

das vermittelt ja, das diese Seuche aus China kommt.
Das Virus kommt doch aus dem Labor und ist außer Kontrolle geraten.

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