Ein Zug passiert einem Bahnübergang mit Halbschranken
Ein Zug naht, die Schranke schließt – so der Normalzustand. Doch was passiert eigentlich, wenn an einem Bahnübergang die Schranke oben bleibt, obwohl ein Zug kommt? Bildrechte: IMAGO

Sicherheit an Bahnübergängen Wie ist die Meldekette bei einer technischen Störung?

Eine 67-Jährige und ihre Enkelin sterben Mitte Mai bei einem Unfall im Landkreis Greiz – an einem Bahnübergang mit Schranke. Solche tragischen Nachrichten werden immer wieder gemeldet. Oft steckt menschliches Fehlverhalten hinter solchen Unfällen. Doch was passiert eigentlich, wenn eine Bahnschranke oben bleibt, obwohl ein Zug naht?

von Christian Werner, MDR AKTUELL

Ein Zug passiert einem Bahnübergang mit Halbschranken
Ein Zug naht, die Schranke schließt – so der Normalzustand. Doch was passiert eigentlich, wenn an einem Bahnübergang die Schranke oben bleibt, obwohl ein Zug kommt? Bildrechte: IMAGO

Um es gleich vorweg zu nehmen: Bei 96 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen ist nicht technisches Versagen die Ursache, sondern das Fehlverhalten von Autofahrern oder Fußgängern, so der ADAC. Dabei ist in der Straßenverkehrsordnung klar geregelt: Schiene geht vor Straße, egal ob die Bahnübergänge technisch gesichert sind oder nicht.

Alexandra Kruse, Pressesprecherin des ADAC Niedersachsen und Sachsen-Anhalt erklärt, dass es rund 18.600 Bahnübergänge in Deutschland gebe und etwa die Hälfte davon technisch gesichert sei – entweder mit einer Ganzschranke, einer Halbschranke oder eben mit einer Lichtsignalanlage. "Die anderen sind eben tatsächlich mit dem Andreaskreuz gesichert, aber auch das heißt natürlich, dass man schauen muss, bevor man rüberfährt und nicht einfach so den Bahnübergang passiert", sagt Kruse.

An den rund 3.600 Bahnübergängen in Mitteldeutschland gab es im vergangenen Jahr dreizehn Unfälle, meist mit tödlichem Ausgang. Doch bevor eine Schranke sich schließt, weiß der Lokführer längst, ob es am Bahnübergang technische Probleme gibt.

Signal bei technischer Störung

Auf der Strecke zwischen Nebra und Naumburg beispielsweise erfährt der Lokführer weit vor dem Bahnübergang durch ein Signal, ob alles in Ordnung ist oder nicht, erklärt Dieter Just, Senior Experte der Deutschen Bahn. "Dem Lokführer wird die Sicherung des Bahnübergangs am Lokführerüberwachungssignal signalisiert. Wenn der Bahnübergang ordnungsgemäß gesichert ist, erscheint dort ein weißes Licht, im Fall einer Störung würde dieses Licht nicht erscheinen. Das wird mit einem Kreismagneten nochmal überwacht und der Zug automatisch heruntergebremst. Es gibt andere Anlagetypen. Da erscheint eine sogenannte Fernüberwachung. Dort wird diese Störung dieser Anlage im Stellwerk angezeigt", erklärt Just.

In diesem Fall wird der Lokführer über Funk informiert. Der Zug wird gebremst – vom Lokführer selbst oder im Notfall auch automatisch. Am betreffenden Bahnübergang muss der Zug kurz halten und darf dann im Schritttempo den Übergang passieren.

Bei Schaden kommt Reparaturtrupp

Bahnschranke durchbohrt Pkw-Frontscheibe
Die Zahl der technischen Störungen ist laut Fahrgastverband Pro Bahn sehr gering. Unfälle lassen sich meist auf menschliches Versagen zurückführen. Bildrechte: MDR/Jan Helmecke

Außerdem macht sich ein Reparaturtrupp auf den Weg, um den Schaden zu beheben. Jörg Bönisch, Pressesprecher Deutsche Bahn Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen sagt dazu: "Wenn natürlich der Reparaturtrupp vor Ort feststellt, dass die Anlage, aufgrund beispielsweise eines Blitzeinschlages, längerfristig ausfällt, dann schreibt auch hier der Gesetzgeber, das Eisenbahnbundesamt vor, dass wir mit Posten sichern müssen. Dort kommen also Posten mit Warnweste zum Einsatz."

Insgesamt ist die Zahl dieser Schäden aber offenbar sehr gering. Laut Auskunft des Fahrgastverbandes Pro Bahn liegt die Zahl der technischen Defekte bei Bahnübergangssicherungsanlagen bundesweit im Jahr maximal im unteren einstelligen Prozentbereich.

Diesen Beitrag sendet MDR AKTUELL auch im: Radio | 02.08.2017 | ab 05:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2017, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

02.08.2017 10:23 Respenhausen2 1

Ein Bahnübergang ist eine Kreuzung zwischen Schiene und Straße mit eindeutiger Vorfahrtsregelung für den Zugverkehr.

An normalen Straßenkreuzungen muss man sich ja auch an die Verkehrsregeln halten. Bei Bahnübergängen nehmen es manche Leute aber nicht ganz so ernst. Selber Schuld, wenn dann Unfälle passieren.

Viele Bahnübergänge sind mit Ampeln gesichert. Man lernt bereits als kleines Kind: Bei Rot bleibt man stehen und überquert nicht die Fahrbahn. Sonst kann es einen Unfall geben.

Andere Bahnübergänge sind sogar durch Schranken gesichert. Das ist mehr Sicherheit als an einer großen Straßenkreuzung. Und trotzdem gibt es noch ein paar ganz "schlaue" Leute, die das ignorieren. Da werden sogar Schranken noch umfahren. Trotz Rotlicht. Trotz Signalisierung "Hier kommt gleich ein Zug".

Wer dann mit seinem Wagen die Gleise versperrt ist eindeutig Täter. Auf der Autobahn würde man sich ja auch nicht quer auf die Fahrbahn stellen. Dann würde es genauso krachen.

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