Geld für Hilfseinsätze fehlt UN-Experten schlagen Abgabe auf Konzert- und Fußballtickets vor

Die Vereinten Nationen brauchen immer mehr Geld für humanitäre Hilfseinsätze in aller Welt – ihre Einnahmen reichen dafür aber nicht aus. Nun schlägt eine Expertenkommission unter anderem vor, einen Mini-Solidaritätszuschlag auf Luxusartikel und Dienstleistungen, etwa Flugtickets, Fußball- und Konzerttickets zu erheben.

Weniger Geld heißt auch mehr Flüchtlinge

Kristalina Georgieva, EU-Kommissarin
EU-Kommissarin Georgieva hat die Expertenkommission mit geleitet. Bildrechte: dpa

Dem am Sonntag veröffentlichten Bericht der Kommission zufolge gibt die internationale Gemeinschaft jährlich rund 22,9 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe aus – zwölfmal mehr als noch im Jahr 2000. Der Anstieg wird mit der wachsenden Zahl an Konflikten und Naturkatastrophen begründet. Den Angaben zufolge ist es den UN im letzten Jahr aber nur gelungen, etwa die Hälfte der aktuell benötigten Summe einzusammeln.

Deshalb wurden 2015 zum Beispiel bereits die Nahrungsmittelhilfen für syrische Flüchtlinge verringert. Der Expertenkommission zufolge ist das einer der Gründe, warum sich im letzten Jahr so viele Syrer auf den Weg nach Europa gemacht haben. EU-Kommissarin Kristalina Georgieva, die die Kommission gemeinsam mit einem malaysischen Sultan geleitet hat, bilanzierte, den Opfern von Konflikten und Katastrophen zu helfen sei "moralisch richtig und zugleich in unserem eigenen Interesse". Das habe die Flüchtlingskrise gezeigt.

Mit fünf bis zehn Cent mehr für Tickets Gutes tun

Menschen reißen ihre Arme in die Höhe
Ein paar Cent mehr pro Konzertticket könnten viel bewirken. Bildrechte: dpa

Die UN-Studie sieht mehrere Lösungsmöglichkeiten. Demnach sollte im ersten Schritt mehr getan werden, um Krisen zu verhindern, bevor sie überhaupt entstehen. Außerdem sollte der Kreis der Geber erweitert werden und weltweit gesammelt werden. Hilfsorganisationen sollten ihre Arbeit transparenter gestalten.

Außerdem schlagen die Studienautoren vor, eine geringe "Solidaritätsabgabe" einzuführen. Laut "Spiegel Online" ist dabei von etwa fünf bis zehn Cent die Rede, die beispielsweise auf Eintrittskarten für Sportveranstaltungen, Konzerte und Unterhaltungsshows aufgeschlagen werden könnten. Denkbar ist für die Experten auch ein geringer Aufschlag auf Flugtickets, der im Rahmen der "Unitaid"-Initiative bereits praktiziert wird. Diese Nichtregierungsorganisation erreichte, dass in zehn Ländern eine Abgabe auf Flugtickets eingeführt wurde, um Mittel für den Kampf gegen Malaria und Aids zu sammeln. "Spiegel Online" zufolge wurden dadurch allein zwischen 2006 und 2011 ganze 2,6 Milliarden Dollar eingenommen.

Die Welt ist noch nie so freigiebig gewesen. Und dennoch war die Freigiebigkeit noch nie so unzureichend.

EU-Kommissarin Kristalina Georgieva

EU-Kommissarin Georgieva betonte, mit einem weltweiten Bruttoinlandsprodukt von 77,8 Billionen Dollar (etwa 71,3 Billionen Euro) müsse die Weltgemeinschaft das nötige Geld für die etwa 125 Millionen Hilfsbedürftigen eigentlich aufbringen können. "In unserer reichen Welt sollte niemand wegen Geldmangels sterben oder seine Ehre zerstört sehen", sagte sie. "Wir können dieses Problem lösen, wenn wir den politischen Willen aufbringen."

Über die neue Studie soll beim Weltgipfel für Humanitäre Hilfe beraten werden, der auf Einladung der UNO im Mai in Istanbul stattfindet.

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2016, 16:49 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

7 Kommentare

17.01.2016 23:28 Helga - die Katze! 7

Wie wäre es mal mit den richtig Reichen,den Millionären und Milliardären?Sind die es nicht zumeist,die überall die Völker ausbeuten?Was ist mit der Waffenindustrie?Warum werden nicht endlich die Waffenexporte eingestellt?Sollen die doch das bezahlen,was die dort angerichtet haben.Und man kennt ja den schönen Spruch,wo viele Arme schaffen,entsteht doch erst der Reichtum!Dazu noch die Diäten der Politikversager und das Geld reicht locker.

17.01.2016 21:58 Witwer Bolte 6

Wie viele Milliarden Euronen Zusatzkosten wegen der "Flüchtlingskrise" hat uns denn eigentlich die Bundesregierung präsentiert? Leider habe ich die Zahlen nicht verfügbar, aber sie waren vor wenigen Wochen erst veröffentlicht worden; und es ging um einige Milliarden. Die wären gut dafür zu verwenden gewesen, und es wäre die Zeit gewesen, die wirklichen "Schutzsuchenden" in den Flüchtlingslagern zu ermitteln. Statt dessen: Für Deutschland Millarden Kosten im Inland obendrauf mitsamt den Problemen mit den Hunderttausenden Unbekannten "Geflüchteten", und dann halten ja noch die UNO samt Nebenorganisationen die Hand auf.

17.01.2016 20:57 Markus 5

Einfach alle Mittel vom Fußball rausnehmen und für Flüchtlinge geben. Flüchtlinge verpflichten, Fußball zu spielen. So werden alle zufrieden: Flüchtlinge bekommen Geld, Fußballliebhaber dürfen Fußball weiter kucken, Wirtschaft bekommt ehemalige Fußballspieler als kräftige Männer für Möbeltragen.

17.01.2016 18:23 guantche 4

Ich glaube hier stehen bei einigen die Z....zueng.

17.01.2016 18:15 Max u. Moritz 3

natürlich nur die dummen D dürfen bezahlen,der Rest von Europa weigert sich doch sowieso.Einfach die nächste Diätenerhöhung unser Polittruppe nehmen.Da reicht eine Weile....

17.01.2016 17:31 h2o 2

1. Realist: Richtig - dann kommen die Politiker nicht auf dumme Gedanken.

17.01.2016 17:18 Realist 1

Wie wäre es mit Halbierung der Diäten und Gehälter für all dies Politclowns? Oder noch besser: Sucht euch einen Job in der freien Wirtschaft!