Französische Einsatzkräfte vor der betroffenen Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray.
Französische Einsatzkräfte in Saint-Étienne-du-Rouvray Bildrechte: dpa

Terroranschlag in Nordfrankreich Priester in Kirche getötet

Französische Einsatzkräfte vor der betroffenen Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray.
Französische Einsatzkräfte in Saint-Étienne-du-Rouvray Bildrechte: dpa

In einer Kirche in Nordfrankreich ist ein 85 Jahre alter Priester als Geisel genommen worden und später getötet worden. Wie das französische Innenministerium mitteilte, wurde eine weitere Geisel lebensgefährlich verletzt, drei weitere seien unversehrt. Die beiden Geiselnehmer seien von Polizei-Sondereinheiten erschossen worden, als sie aus der Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray bei Rouen gestürmt seien.

Hollande: Angriff war Terroranschlag

Frankreichs Präsident François Hollande, der umgehend in den kleinen Ort gereist war, sprach von einem terroristischen Anschlag. Die beiden "Terroristen" hätten sich zum "Islamischen Staat" bekannt, sagte Hollande.

Auch der "IS" selbst meldete sich über sein Sprachrohr Amak zu Wort und bekannte sich zu der Tat. Die Attacke sei eine Reaktion auf Forderungen des "IS", Länder der US-geführten Koalition anzugreifen, die in Syrien und dem Irak gegen die Terrormiliz Luftangriffe fliegt.

Valls: Barbarische Attacke

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, die Täter hätten am Dienstag während der Morgenmesse zunächst fünf Geiseln genommen - neben dem Priester auch zwei Nonnen und zwei Kirchgänger. Angaben zu den Waffen machte der Sprecher nicht. In ersten Medienberichten war die Rede von Messern.

Eine weitere Geisel sei sehr schwer verletzt worden, sagte der Sprecher des Ministeriums. Sie schwebe in Lebensgefahr. In Polizeikreisen hieß es, dem Priester sei vermutlich die Kehle durchgeschnitten worden. Demnach waren nach dem Tod der Geiselnehmer zunächst Spezialisten im Einsatz, um mögliche Sprengstoff-Fallen zu finden. Premierminister Manuel Valls sprach auf Twitter von einer "barbarischen Attacke".

Kirchen schon länger im Visier von Islamisten

Polizist bei einer Messe
In Frankeich wurde schon länger befürchtet, dass Kirchen zum Ziel von Anschlägen werden könnten. Bildrechte: dpa

In Frankreich wurde schon länger befürchtet, dass auch Kirchen zum Ziel von Islamisten werden könnten. Im April 2015 wurde in Paris ein algerischer Student festgenommen, der einen Anschlag auf eine Kirche geplant und eine junge Frau erschossen haben soll. Eine Frau, die aus der Kirche entkam und die Polizei alarmierte, berichtete von islamistische Parolen der Täter.

Der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, zurzeit beim Weltjugendtag im polnischen Krakau, kündigte seine Rückreise nach Frankreich an. Der Vatikan in Rom verurteilte den "barbarischen Mord" und sprach von "grauenvoller Gewalt". Papst Franziskus teile "Schmerz und Entsetzen" der Betroffenen. Als Konsequenz aus der Tat will Frankreichs Präsident Hollande alles tun, die Kirchen in seinem Land zu schützen. In einem Telefonat mit Papst Franziskus sagt er, wenn ein Priester attackiert werde, sei ganz Frankreich verletzt.

Attentäter trug elektronische Fußfessel

Einer der Attentäter war nach französischen Medienangaben den Sicherheitsbehörden bekannt. Dem Sender "iTele" zufolge wurde der aus Saint-Etienne-du-Rouvray stammende Mann im vergangenen Jahr bei seinem Versuch, nach Syrien zu gelangen, in die Türkei zurückgeschickt. Anschließend habe er in Frankreich eine einjährige Haftstrafe verbüßt. Im März dieses Jahres sei er dann wieder freigelassen worden – mit der Auflage, eine elektronische Fußfessel zu tragen. Den Angaben zufolge habe er dabei die Erlaubnis gehabt, die elterliche Wohnung täglich zwischen 8.30 und 12.30 Uhr zu verlassen.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Fassung dieses Artikels hieß es, der ermordete Priester sei 84 Jahre alt gewesen. Korrekt sind 85 Jahre. [Stand: 27. Juli 2016]

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2016, 22:45 Uhr

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92 Kommentare

28.07.2016 06:26 Betrachter 92

Endlich „Licht“ am Ende des islamistischen Terror-Tunnels. Wie das? Der Deutsch-Iraner David S., Attentäter von München, soll eine „rechtsextreme Weltsicht“ gehabt haben, ja sogar Rassist gewesen sein. Na, prima. Da lässt sich jetzt alles wieder prima relativieren. Und Politaktivisten, die die letzten Wochen erstaunlich in Deckung waren, sonst bei jeder anderen Tat hier dauerpräsent sind, werden sich wieder in Szene setzen, wetten?

27.07.2016 13:46 Linea Vinzenz 91

Was Muslime u dergl.sind weiss ich wenig,was der Islam bewirkt ist eindeutig schlecht u Ruin. Aber:was sind Christen?wie sollten Christen sein? Auf jeden Fall nicht,das was man heute ueberwiegend sieht.Die Bibel,die Anleitung zu Christentum, wird längst nicht ausgelebt,darum sollte jeder sich selbst fragen,ob er wirklich ein Christ sei in seinem Reden,Denken,Reagieren und Aussehen,nicht nur dem Namen nach.
Krieg ist nicht christlich,ebenso wenig Streit u Zank. Leider kann man das was heute christliches Land u Christen nennt,eben nicht mehr so nennen,wenn man aufrichtig genug ist.Es ist komisch zu lesen,hören oder sehen,was sich heute Christ nennt.Ließ die Bibel.

27.07.2016 13:45 Mediator an V2Knut (82) 90

Was Sie alles interessant finden ist schon interessant!
Was wollen Sie uns den bitte mit Ihrem Beitrag sugerieren? Lassen Sie mich raten - sie wollen ein wenig gegen den Islam hetzen. ..... Wenn ich einmal davon ausgehe, dass ein Amokläufer oder Selbstmordattentäter grob vereinfacht als <verrückt> bezeichnet werden kann, dann ist es eigentlich irrelevant, nach welcher kranken Logik er seine Taten rechtfertigt. Der Islam rechtfertigt sicher keine solchen Morde, wie auch das Christentum keinen Prostituiertenmörder rechtfertigt, der glaubt gegen die <Sünde> vorgehen zu müssen. Wissen Sie, wir haben Mörder die haben es auf Obdachlose abgesehen, andere auf kleine Kinder, wieder andere auf Taxifahrer. Bei all diesen Typen reicht uns die Erklärung aus, dass es sich um geistig gestörte handelt, nur bei Leuten die ihre irren Taten mit dem Islam rechtfertigen steigen wir darauf ein und nehmen sie ernst. Woran liegt das wohl? Letztendlich pflegt man hier nur eigene Vorurteile.

27.07.2016 12:50 O-Perler 89

Weil hier dieser oder jener gern herumrelativierte: Ich finde es trotzdem bemerkenswert, daß der Rentner in Berlin-Steglitz es nicht so mit dem Schächten hatte... oder anders: Es handelte sich offensichtlich um eine Beziehungstat, nämlich der besonderen Art (Patient unzufrieden mit seinem Arzt, oder Ähnliches)! Inwieweit es Beziehungen in dem Örtchen bei Rouen gab, erschließt sich natürlich meinen Erkenntnissen. Und um noch ein Bullshit-Wort des Political Correctness aufzunehmen: Die Steglitzer Tat kann man durchaus auch als "erweiterten Selbstmord" interpretieren, nach allem, was bekannt ist. Das französische Gemetzel gibt sich selbst ja wohl als Kampfeinsatz aus.

27.07.2016 09:29 Neuer 88

@81: "Also was sollen wir mit Muslimen und dem Islam tun?" Meine Antwort ganz persönlich an Sie: NICHTS! Da geht es wenigstens nicht in die falsche Richtung.

27.07.2016 08:08 sächsin 87

@73 u 72.Es brodelt hier wo Einer immer klüger sein will als der Andere!.Und das Christentum ist in den letzten Jahrhunderten nicht viel friedlicher gewesen,als der Islam heut aggressiv hingestellt wird.Hier wird sovieles verdreht...man merkt ausser vorm Computer hocken und Sachen verdrehen.....kommt hier nicht raus.Und Besserwisser.....das kann kein Land der Welt gebrauchen.Wir auch nicht!!!

27.07.2016 07:21 Mediator 86

Eine schreckliche und barbarische Tat, die in letzter Konsequenz den Sinn hat, Hass zwischen Christen und Muslimen zu generieren und somit durch ngerechtfertigte Diskriminierung den Grundstein für weitere solcher Taten zu legen. Emotionen sind hier kein guter Ratgeber, verstellen Sie doch den Blick auf das Problem und rationale Lösungsansätze. Diese Tat wurde von einem Franzossen begangen, auch wenn nun wieder Populisten behaupten, dass es sich nur um jemanden einen sog. Passfranzosen gehandelt hat. Schnell rufen auch die üblichen Verdächtigen, dass man Flüchtlinge nicht aufnehmen oder gar generell abschieben müsse. Wer ehrlich ist, der weiß, dass diese Forderungen seit Jahrzenten von dieser Gruppe erhoben werden und solche Gewalttaten lediglich instrumentalisieren. Würde unser Land sicherer dadurch in einer Zeit, in der auch deutsche Jugendliche sich so radikalisieren lassen, dass sie nach Syrien ausreisen? Es braucht gesellschaftliche Geschlossenheit, mit den Muslimen gemeinsam!

27.07.2016 07:19 Martin Holgert 85

Prokalres. 31 ""In Berlin-Steglitz ist vor wenigen Stunden ein Arzt erschosen worden. Mitten im Krankenhaus. Der Täter ist Deutscher. Ein 72-jähriger Rentner. Kein Islamist. Und nun?? Alle deutschen Rentner unter Generalverdacht stellen?"" Gehe doch einfach die Meldungen über Mord Totschlag und Gewalttaten durch,zähle die bei denen die Täter,deren Herkunft und Motive bekannt sind zusammen,lass (auch wenn es vielen Gutmenschen nicht passen wird) die Taten bei denen die "Tätergruppen" mal einfach so vermutet werden,oder noch nicht bewiesen sind,weg.....und?Generalverdacht,oder einfach nur 1+1? Wenn wöchentlich Meldungen über schießwütige,nicht Muslimische Rentner in den Nachrichten auftauchen,dann könnte die Rechnung,der Vergleich aufgehen.

27.07.2016 07:01 Martin Holgert 84

Georg 74 Deine Absicht in Ehren,aber ist das besetzte Palästina mit Europa,mit Deutschland vergleichbar?Es ist schon irgend wie "Inbesitznahme"was religiöse Fanatiker und deren Begünstiger hier wollen,aber dennoch völlig verschieden zu dem was dort in Palästina vor sich geht.Nichtsdestotrotz stimme ich der Forderung nach Hilfe im Kampf gegen den,im Großen und Ganzen,importierten Terrorismus zu,denn was z.B. unsere Regierung in der Angelegenheit vollbringt ist wohl eher...........

27.07.2016 02:21 Hubert 83

@49 Wahrheit 26.07.2016 19:12 - "Jetzt durch unkontrollierte Grenzen,..." Möchtest du wieder eine kontrollierte Grenze? So mit SM70, Grenzsoldaten usw.? Ich habe gut mit dieser Grenze leben können, denn ich war auf der richtigen Seite. Jetzt gibt es nur noch in Korea ein kontrollierte Grenze, sonst nirgends auf der Welt. Es gibt Grenzkontrollstellen, aber keine kontrollierte Grenzen. Saudi-Arabien schickt sich an, eine kontrollierte Grenze zu bauen. Interessant was Ossis so denken und was sie gerne wieder haben wollen. Den DDR-Grenzzaun kannst du wieder bauen. Mache aber vorher wenigsten bei den Ossis eine Volksbefragung...