Hinweisschild " Seelsorge " auf dem Flur eines Krankenhauses.
In Ostdeutschland betreiben die beiden großen Kirchen immer mehr Krankenhäuser. Bildrechte: dpa

Trotz Mitgliederschwund Kirchen engagieren sich verstärkt im Osten

Die Kirchen kämpfen um jedes Mitglied - im Osten Deutschlands ist der Anteil konfessionsloser Menschen besonders hoch. Doch gerade hier, auf dem Gebiet der damaligen DDR, betreiben die Kirchen heute immer mehr Schulen und Krankenhäuser. Zum Teil gibt es heute fünfmal so viele Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft als noch 1994.

Hinweisschild " Seelsorge " auf dem Flur eines Krankenhauses.
In Ostdeutschland betreiben die beiden großen Kirchen immer mehr Krankenhäuser. Bildrechte: dpa

Die Kirchen in Ostdeutschland haben trotz sinkender Mitgliederzahlen ihr Engagement bei Wohlfahrt und Bildung ausgebaut. Das hat eine Auswertung soziodemografischer Daten des MDR im Zuge der ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" ergeben.

Das Projekt Für das datenjournalistische Projekt anlässlich der ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" hat der MDR in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig insgesamt 1.250 Datensätzen ausgewertet.

Weniger öffentliche, mehr kirchliche Schulen

Vor allem die Zahl der Schulen in kirchlicher Trägerschaft ist demnach gewachsen: seit 1994 in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf das Fünffache - von 46 auf 224.

Im selben Zeitraum ist die Zahl der öffentlichen Schulen im Osten deutlich gesunken: von einst fast 8.700 auf nun noch rund 4.000.

Anteil kirchlicher Kliniken steigt

Auch der Anteil ostdeutscher Krankenhäuser mit kirchlicher Trägerschaft ist heute größer als noch vor der Wende. Demnach waren damals 14 Prozent aller Kliniken in kirchlicher Hand; heute sind es 23 Prozent. In absoluten Zahlen ergibt sich folgendes Bild:

Bundesweit sind der Erhebung zufolge 600 Krankenhäuser bei den christlichen Krankenhausverbänden organisiert, das ist jedes Dritte.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Zuge der: ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" | 11. bis 17. Juni 2017 | Online, im Hörfunk und im Fernsehen


Das Datendossier zur ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" setzt sich aus Zahlenmaterial aus verschiedenen Einzelstudien und -erhebungen zusammen und stellt auch punktuell exemplarisch einzelne Datensätze gegenüber.

Um für das ARD-Gebiet eine bundesweite Vergleichbarkeit herzustellen, wurde beispielsweise das Statistische Bundesamt angefragt. Die Art und Weise der Erhebung des Statistischen Bundesamtes ist überall in Deutschland exakt gleich und erlaubt auf dieser Grundlage vergleichbare Schlüsse zwischen geografisch vollkommen unterschiedlichen Regionen. Es arbeitet dabei eng mit den statistischen Ämtern der Länder zusammen. Welche Daten herausgegeben werden, kann sich allerdings unterscheiden. Beim Zensus 2011 wurden in Fragen der Religionszugehörigkeit zwei verschiedene Erhebungen mit unterschiedlichen Methoden umgesetzt.

Aus diesem Grund liegen dem Statistischen Bundesamt und den Statistischen Ämtern der Länder zwei verschiedene Datensätze zu einem Thema vor. Diese werden allerdings nicht einheitlich veröffentlicht. Dadurch kommt es offenbar zu Abweichungen zwischen den Ergebnissen der Regional- und Bundesämter.

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2017, 16:43 Uhr

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10 Kommentare

14.06.2017 06:36 Jürgen 10

"Die Kirchen kämpfen um jedes Mitglied.." - Wer so was von sich gibt, ist meilenweit vom tatsächlichen Ist vor Ort entfernt. Die Amtskirche sonnt sich an einigen "Leuchttürmen", insbesondere zum Thema Flüchtlinge. Ansonsten ist "Land unter".

13.06.2017 20:12 Kritischer Bürger 9


Mehr Schulen in kirchlicher Trägerschaft stell sich die Frage: WIESO? Wer bezahlt die Kosten für die Schule in entsprechender Trägerschaft? Die Eltern! Was heißt das? Wenn Eltern kosten für einen Schulbesuch der Kinder bezahlen fühlen diese Eltern sich als etwas besonderes? Vielleicht sollte man dieser geschichtlich untermalbaren Darstellung mal nachgehen. Wer konnte früher in der Geschichte allein von Deutschland wohl seine Kinder in eine Schule bringen und diese Schulzeit bezahlen. Soll dies heute wieder kommen?

13.06.2017 19:54 Wismutalex 8

Woran glaube du???
Einseitige Berichterstattung mit Werbung für die etablierten Kirchen.
Wo bleiben, vor allem in unserem Sendegebiet, Berichterstattung ueber Humanisten und deren Verband. Hier wird einer Mehrheit hauptsaechlich Beitraege ueber christlichen Glauben aufgezwungen.

13.06.2017 19:51 OHNEWORTE 7

In den letzten Tagen habe ich schon gedacht,wie wird man bei den vielen Kommentaren bezueglich Kirche reagieren.Wie erwartet startet man eine Information,was die Kirche alles so macht.
Ersteinmal wird der Staat,der in der Pflicht ist fuer Bildung zu sorgen in ein dummes Licht gerueckt,wenn die Kirche in der Bildung einsteigt.Und,gab es nichteinmal das Ansinnen Trennung der Kirche aus dem Schulbereich ? Ich wuerde mein Kind,niemals in eine kirchliche Einrichtung geben,wo der Hintergrund Beifuegung der Religion ist.Die Kirche hat seine Raeumlichkeiten,wo sie praktizieren kann und meinetwegen auch willige Menschen beschulen und seelsorgen. Die Kirche macht das nicht aus freien Stuecken,sondern um daran zu verdienen. Krankenhaeuser in der Hand der Kirche,auch ein heikles Thema. Der Staat waelzt alles ab,was Geld kostet ,aber Behandlungspreise steigen.Noch besser die katholische Kirche ,wo alles zu barer Muenze gemacht wird.Das verschoenen nicht Auflaerungsstatistiken ueber die Kirche.

13.06.2017 18:48 So ist das 6

Da unendlich viel Geld da ist, kann man auch marode Immobilien zu Schulen, Kindergärten etc. umbauen und auch nutzen. Wer will diese Immoblien sonst? Und es macht sich gut, sich sozial zu engagieren. Das Ansehen steigt und Fördergelder gibt es obendrein. Also alles logisch.

13.06.2017 18:42 Uralt-HFC-Chemie 5

Warum wird die einzige Religion nicht erwähnt, die in Deutschland wirklich gelebt wird- die Fußballreligion?

13.06.2017 15:43 Fragender Rentner 4

Zitat von Oben: Trotz Mitgliederschwund Kirchen engagieren sich verstärkt im Osten

Im Westen bekommen sie bestimmt nicht mehr so viele in die Kirche, da schon ein anderer Glaube da ist.

13.06.2017 15:08 Markus 3

Die Kirche will zwar die Menschen lehren, wirkt selbst aber oft unwürdig. Typisch sind Hungerlöhne. Als Beispiel: in Mecklenburg bekommt ein Musiker oft nur 15 bis 25 € Honorar für Gottesdienst. Das ist eine Ausbeutung. Denn zusammen mit Vorbereitungszeit wird das weniger als gesetzliche Mindestlohn, und das ist für diplomierte Spezialisten! Die Kirche in Mecklenburg macht nicht, was sie selbst predigt.

13.06.2017 12:35 kalle 2

Die Kirchen kämpfen um jedes Mitglied - seh ich überhaupt nicht. Ist irgendwer nach dem Austreten mal von einen Pastor (oder ähnliches) befragt wurden nachdem Warum?
In meinen Bekanntenkreis ist das niemanden passiert ...

13.06.2017 10:36 Atze 1

Der gestrige Film" Kreuzweg" im ONE (1) hat eindrucksvoll gezeigt, wie verheerend der katholische Glauben auf ein Mädchen gewirkt hat, die sich den
Tod wünschte. Ich möchte niemals, dass meine Enkel von Pfaffen indoktriniert werden!