Auf der Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie.
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Medizinische Versorgung Mitteldeutschlands zwölf Krebsregister zusammenführen

Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland und die Krebstherapie eine der größten Herausforderungen. Um die medizinische Versorgung zu verbessern, sollen in jedem Bundesland flächendeckend klinische Krebsregister aufgebaut werden. Die Daten sollen mehr Informationen für den Kampf gegen den Krebs bieten. Das beschloss der Bund schon vor drei Jahren und forderte die Länder auf, bis 2017 entsprechende Gesetze zu verabschieden. Doch wie weit ist man in Mitteldeutschland?

von Manuela Lonitz, MDR INFO

Auf der Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie.
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In Mitteldeutschland arbeiten bereits klinische Krebsregister. Allerdings nur auf regionaler Ebene, an den Tumorzentren und Unikliniken: drei in Sachsen-Anhalt, vier in Sachsen und fünf in Thüringen. Sie haben sich noch aus der DDR-Tradition entwickelt, Daten über Krebs zu sammeln. Um die Versorgung der Patienten zu verbessern, beschloss der Bund 2013, dass es solche Register nun flächendeckend in jedem Bundesland geben muss. Dafür müssen die Länder entsprechende Gesetze erlassen, erklärt Dr. Monika Klinkhammer-Schalke vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft deutscher Tumorzentren. "Die ganzen östlichen Länder, also Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und so weiter, auch Bayern wurde damals zum Osten gezählt, sie sind immer die Vorzeigeländer gewesen, auch bei der Entwicklung des Gesetzes."

Der Bund hat aber nur festgelegt, wie finanziert und was dokumentiert wird, damit die Daten bundesweit vergleichbar sind. Die konkrete Struktur ist Ländersache, genau wie der Datenschutz. Und der ist eine große Hürde, sagt Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Vorsitzender der thüringischen Krebsgesellschaft. "Insofern muss der Thüringer Datenschützer auch zustimmen, dass hier Patientendaten zunächst als volle Behandlungsdaten an eine zentrale Vertrauensstelle gesendet werden und dann selbstverständlich anonym ausgewertet werden."

Daten nicht nur zentralisieren, auch lokal sichern

Mittlerweile haben acht Bundesländer ihre Landesgesetze erlassen, darunter auch Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg, die noch gar keine Register hatten. In Mitteldeutschland gibt es dagegen noch keine Gesetze. Einen Grund nennt Prof. Hochhaus: "Ja, das liegt natürlich daran, dass wir die vorhandenen Daten retten wollen, sie auch weiter nutzen wollen. Insofern muss im Unterschied zu einem westlichen Bundesland, welches noch gar nichts hatte, hier zusätzlich zu den neuen Aufgaben gesichert sein, dass das Vorhandene, was extrem wertvoll ist, gesichert wird."

Die regionalen Daten müssen nun zudem in einer Stelle zusammen laufen. Auf die musste man sich erst einigen. In Thüringen werden die fünf bisherigen Träger eine gemeinsame GmbH gründen, die vom Land mit dieser hoheitlichen Aufgabe betraut wird. Ähnliches ist in Sachsen-Anhalt geplant, doch noch ist nichts beschlossen. Die Abstimmungen zwischen den drei bisherigen Registern sind schwierig, sagt Prof. Dr. Johannes Haerting von der Uni Halle. Er war jahrelang Sprecher der drei Register. "Da hab ich mir natürlich manchmal gewünscht, dass das Land eine eher federführende Rolle spielt. Das scheint sich jetzt wieder so zu entwickeln, war aber leider in der Vergangenheit nicht immer so. Jetzt sind wir in die Phase der Landtagswahl und der Neukonstituierung des Parlaments geraten, da ist die Verzögerung einsichtig. Aber vorneweg waren manche Verzögerungen nicht ganz einsichtig."

In Sachsen ist der Gesetzentwurf derzeit in Bearbeitung und soll noch im Laufe des Jahres in Kraft treten. In Thüringen wird sich das Kabinett im zweiten Quartal mit dem Gesetzentwurf befassen. Dann entscheidet der Landtag. Bis Ende des Jahres soll auch hier das Gesetz verabschiedet werden.

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2016, 05:00 Uhr