Eine Frau wird von einem Augenarzt untersucht
Prävention ist das A und O, notfalls dann aber auch ärztliche Hilfe gefragt. Bildrechte: colourbox

Mutti hatte doch Recht Lesen bei schlechtem Licht fördert Kurzsichtigkeit

Wer Entferntes unscharf sieht, ist kurzsichtig. Viele Erwachsene sind betroffen, aber auch immer mehr Kinder und Jugendliche brauchen eine Brille, weil sie kurzsichtig sind. Dabei wäre es eigentlich recht einfach, vorzubeugen, sagen Augenärzte.

von André Seifert, MDR INFO

Eine Frau wird von einem Augenarzt untersucht
Prävention ist das A und O, notfalls dann aber auch ärztliche Hilfe gefragt. Bildrechte: colourbox

Ein Drittel aller Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren ist zumindest leicht kurzsichtig, sagt Dr. Ilya Kotomin. Er ist Arzt am Augen- und Laserzentrum "Smile Eyes" in Leipzig: "Wir haben viel zu tun mit kurzsichtigen Patienten. Das sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Kurzsichtigkeit nimmt ganz oft im Schulalter deutlich zu."

Zivilisationskrankheit Kurzsichtigkeit

Kleines Mädchen liest im Bett mit einer Taschenlampe
Lesen mit der Taschenlampe - besser nicht allzu oft. Bildrechte: IMAGO

Bei Kurzsichtigen ist der Abstand zwischen Hornhaut und Linse nur wenige Millimeter zu groß und das Gehirn kann nicht mehr scharf stellen. Offenbar ist das ein Problem der Moderne. Nationen, in denen viel in Büchern, Smartphones, Computern oder Pads gelesen wird, sind stärker betroffen als andere. Ebenso Schüler, die viel Unterricht und viele Hausaufgaben zu erledigen haben. In manchen asiatischen Ländern sind bis zu 90 Prozent der Jugendlichen kurzsichtig. Dafür gibt es mehrere Ursachen, sagt Dr. Ilya Kotomin: "Die Hauptrisiken für die Kurzsichtigkeit sind fehlsichtige Eltern. Und der zweite Risikofaktor ist das Lesen und besonders das Lesen im Dunkeln."  

In der Tat zeigten in den vergangenen 20 Jahren viele Studien auf, dass Licht ein entscheidender Faktor ist, erklärt Dr. Wolf Lagrèze, Professor für Augenheilkunde am Universitätsklinikum in Freiburg. Kinder, die nicht oft genug ans Tageslicht kommen, haben ein erhöhtes Risiko, kurzsichtig zu werden: "Es gibt sehr interessante tierexperimentelle Ansätze, wo man einiges aus dem Stoffwechsel der Netzhaut gelernt hat. Zum Beispiel die Hypothese, dass viel Licht, viel Tageslicht den Dopaminspiegel in der Netzhaut hochhält, was wiederum einer Kurzsichtigkeitsentwicklung vorbeugt. Aber die meisten Schlüsse können wir aufgrund klinischer Studien ziehen. Und da ist die Studienlage sehr solide und spricht eine ganz eindeutige Sprache; nämlich, dass Tageslicht sehr wichtig ist. Wenn jemand nicht rausgeht, hat er im Vergleich zu jemandem, der mehr als zwei Stunden am Tag draußen ist, ein 60%-ig höheres Risiko kurzsichtig zu werden." 

Eltern und Kinder können vorbeugen

Eltern können dem entgegenwirken: Augenexperten raten, Kinder am Tag für ein zwei Stunden rauszuschicken. Das Lesen abends mit der Taschenlampe unter der Bettdecke muss aber nicht verboten werden, sagt Augenarzt Ilya Kotomin: "Mit Sicherheit nicht. Unter der Decke hält das Kind nicht lange aus. Das ist alles Spaß. Wir reden über größere Zeitabstände, also von Wochen, von Monaten und Jahren. Und innerhalb dieser Jahre entsteht auch die Kurzsichtigkeit."

Dr. Wolf Lagrèze schätzt, dass Kurzsichtigkeit eine Volkswirtschaft jährlich Milliarden kostet. Weil Patienten untersucht werden sowie Brillen und Kontaktlinsen hergestellt werden müssen. Aber auch, weil das Auge durch Kurzsichtigkeit anfälliger für andere Krankheiten wird, die dann wiederum behandelt werden müssen.

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2016, 06:00 Uhr