Verschiedene Zeitungen, darunter die "Junge Freiheit" und die "Jüdische Allgemeine" und die "Jüdische Zeitung" liegen am Samstag (03.09.2011) in Berlin in einer Auslage eines Zeitungsladens in Mitte.
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Ausladen oder akzeptieren? Umstrittene Verlage auf der Leipziger Buchmesse

Übermorgen beginnt die Leipziger Buchmesse. Rund 2.200 Aussteller sind dabei, darunter auch zwei umstrittene: die rechtskonservative Wochenzeitung "Junge Freiheit" und das rechtspopulistische Magazin "Compact". Was ist von den beiden Ausstellern zu erwarten? Wie soll man mit ihnen umgehen?

von André Seifert, MDR INFO

Verschiedene Zeitungen, darunter die "Junge Freiheit" und die "Jüdische Allgemeine" und die "Jüdische Zeitung" liegen am Samstag (03.09.2011) in Berlin in einer Auslage eines Zeitungsladens in Mitte.
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Halle 5, Stand E208. Hier wird das Magazin "Compact" am Donnerstag seinen Stand eröffnen. Wegen seiner rechten und verschwörungstheoretischen Positionen ist "Compact" umstritten, weiß der Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille. Er ruft dennoch dazu auf, den Aussteller zu tolerieren: "Wir sind ein demokratisch verfasster Staat, es gilt Meinungs- und Pressefreiheit. Gemeinsam mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels wird die Messe sich immer für die Freiheit des Wortes einsetzen. Dazu gehört auch, Meinungen auszuhalten, die man persönlich nicht teilt."

Veranstalter guckt genau hin

"Compact" plant auf der Leipziger Buchmesse unter anderem einen Vortrag zum Thema "Asylchaos - Deutschland auf dem Weg zum Bürgerkrieg?". Ihn wird Chefredakteur Jürgen Elsässer halten. Er trat schon mehrfach bei Legida auf. Die Messe, so erklärt Oliver Zille, hat sich auf Krawalle vorbereitet: "Wir haben mit den Sicherheitsbehörden gemeinsam ein Sicherheitskonzept entwickelt und das wird dann auch greifen. Ansonsten gilt auch unser Hausrecht. Das heißt: Wenn in Veranstaltungen verfassungsfeindliche Parolen gerufen werden oder wenn Meinungen geäußert werden, die gegen die Menschenwürde gehen oder rassistisch sind, können die Veranstaltungen auch abgebrochen werden und es wird gegen die Personen, die diese Äußerungen tun, auch rechtlich vorgegangen."

"Junge Freiheit" stand unter Beobachtung des Verfassungsschutzes

Zuwanderung und Integration bilden ein Schwerpunktthema der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Der Stand des "Compact"-Magazins erhält damit eine zusätzliche Brisanz. Ebenso der des Verlags der "Jungen Freiheit", der sich in der Nachbarhalle 3, Stand H302, präsentieren wird. Die "Junge Freiheit" ist eine wöchentlich erscheinende Zeitung, die der Verfassungsschutz einst wegen ihrer antidemokratischen und fremdenfeindlichen Konzepte beobachtete. Bastian Behrens, der Presseverantwortliche der Zeitung, erklärt MDR INFO: "In diesem Jahr feiern wir aber 30 Jahre 'Junge Freiheit', da wollen wir auch in Leipzig sein. Wir präsentieren unsere Wochenzeitung, Bücher aus unserem Verlag und es werden sicherlich Gespräche mit Freunden, Autoren und Lesern unserer Zeitung stattfinden."

Messechef: keine rechtliche Grundlage für Ausladung

Im Vorfeld der Buchmesse hatte die Teilnahme der beiden Verlage für Diskussionen gesorgt. Politiker und Organisationen wie NoLegida oder Schwulenverbände sprachen sich in einem Offenen Brief dafür aus, das "Compact"-Magazin von der Buchmesse auszuladen. Es verbreite eine "völkisch-nationalistische, verschwörungsideologische und homophobe Hetze", heißt es darin. Messechef Oliver Zille sah für eine Ausladung aber keine rechtliche Grundlage. Kritik an Ausstellern auf der Buchmesse war auch in den vergangenen Jahren immer wieder laut geworden. Unter anderem gab es auch Proteste gegen eine Teilnahme von Scientology. 

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2016, 17:22 Uhr