Oliver Zille
Oliver Zille will die Cosplayer nicht von der Buchmesse verbannen. Bildrechte: MDR/Bernd Cramer

Nach Kritik Leipziger Buchmesse hält zu Cosplayern

Die Leipziger Buchmesse ist gerade ein paar Tage vorbei, das Fazit erneut ausgesprochen positiv. Und dennoch gibt es im Nachklapp einen Beigeschmack. Literaturredakteur Carsten Otte vom SWR kritisierte die Cosplayer, denn es könne nicht sein, dass beispielsweise eine türkische Autorin zur ernsten Lage in ihrem Land interviewt werde und dazu "halbnackte Hasen und düstere Ritter mit Riesenschwertern" durchs Bild liefen. Diese Einschätzung löste eine lebhafte Debatte in den sozialen Netzwerken aus.

Oliver Zille
Oliver Zille will die Cosplayer nicht von der Buchmesse verbannen. Bildrechte: MDR/Bernd Cramer

Der Chef der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, hat die Kritik des SWR-Literaturredakteurs Carsten Otte zurückgewiesen, der Massenauftritt von Cosplayern werde zum Hohn auf den Rest der Messe. Zille sagte MDR AKTUELL, die Messe bilde den Buchmarkt ab: "Manga und Comic gehören dazu und bunt Kostümierte dann eben auch." Im Gegensatz zu Herrn Otte glaube er nicht, dass jetzt ein Drehmoment erreicht sei, an dem etwas kippe.

Man darf auch den kostümierten Menschen unterstellen, dass sie politisch interessiert sind. Das sieht man daran, dass sie in verschiedenen Veranstaltungsformaten auftauchen. Das ist zu kurz gesprungen!

Buchmessechef Oliver Zille

Keine Vorurteile pflegen

Man habe natürlich im Blick, eine Arithmetik in der Messe zu erhalten. "Aber in welchem Bewusstseinszustand Menschen auf die Messe kommen, ob sie fröhlich oder traurig sind, ob sie sich politisch interessieren oder nicht, das haben wir nicht zu beurteilen."

Diese Messe sei in einem Punkt auch ein Abbild unserer Gesellschaft, in der viele Dinge parallel liefen. Es widerspreche sich nicht, dass man ernsthafte Themen auf der Messe auch ernsthaft behandeln könne und auf der anderen Seite Leute kostümiert an der Buchmesse teilnähmen, die sich durchaus fürs Lesen und politische Themen interessierten. 

Wer interessiert ist, ist willkommen

Der Autor und Journalist Carsten Otte
Cosplay-Kritiker Carsten Otte vom SWR Bildrechte: dpa

Zille verbat sich Ottes Behauptung, andere Journalisten, Besucher und Aussteller seien ebenfalls von den Cosplayern genervt, getrauten sich aber nicht, das zu sagen: "Das ist schlichtweg nicht wahr, dass sich niemand traut, irgendetwas zu sagen. Es ist ja nicht so, dass wir es laufen lassen. Wir sind natürlich mit unseren Ausstellern am allerengsten in Kontakt, mit den Medien, mit Besuchern."

Wer die Messe aufmerksam verfolgt habe, wisse, dass es in der Glashalle eine Ballung gebe, in den anderen Messehallen aber keineswegs in irgendeiner Weise zu Konflikten komme. "Ich habe noch keinen Aussteller getroffen, der zu mir gesagt hat: 'Die gehen mir auf den Geist, ich möchte die nicht sehen!' Ich kenne keinen, ganz ehrlich. Selbst die literarischsten der literarischen Verleger sagen 'Wenn's ein interessierter Besucher ist, dann ist der für mich genauso relevant wie ein Unkostümierter.'"

Buchmesse und Manga-Comic-Con bleiben zusammen

Zille wies den Vorschlag zurück, Buchmesse und Manga-Comic-Con zu trennen. Man denke jedes Jahr über die Messe nach und nehme Veränderungen vor. Was man aber auf gar keinen Fall wolle, sei, bestimmte Kreise, die sich für Literatur interessierten, aus der Buchmesse auszuschließen. "Dafür gibt es einfach Null Grund!" Der Buchmarkt differenziere sich sehr aus. Es gebe immer neue Interessenkreise, neue Genres, die dann auch ihre Communities in der Messe entwickelten. Bisher hätten diese Gemeinden auf der Messe aber sehr, sehr gut miteinander gelebt. Es bedürfe aber von allen Seiten Toleranz, bestimmte Dinge, bestimmtes anderes Denken auch auszuhalten. "Dafür haben wir auch als Messe zu sorgen."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 29.03.2017 | 16:16 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2017, 19:34 Uhr