Sachsen Überholverbote sollen Lkw-Unfälle auf der A4 verhindern

Lkw-Unfälle legen regelmäßig den Verkehr auf der A4 in Sachsen lahm. Seit die Autobahn bis zur Ukraine durchgängig befahrbar ist, hat das Problem zugenommen. Der Bund lehnt einen Ausbau der A4 ab. Die Landesregierung prüft aber Tempolimits und Überholverbote.

von Franziska Hentsch, MDR AKTUELL

Fast wöchentlich meldet der Verkehrsdienst schwere Unfälle auf der Autobahn 4 in Sachsen. Probleme gibt es vor allem an Baustellen. Immer häufiger sind auch Lkw involviert, sei es durch zu wenig Sicherheitsabstand, Müdigkeit oder riskante Überholmanöver. Erst in der vergangenen Woche starb ein 28-jähriger Autofahrer bei Burkau, als ein Lkw von der rechten auf die linke Fahrspur wechselte.

Bund will Ausbau der A4 nicht finanzieren

CDU-Landtagsabgeordneter Marko Schiemann
Der CDU-Landtagsabgeordneter Marko Schiemann fordert einen Ausbau der A4. Bildrechte: Franziska Hentsch

Seit vergangenem Sommer ist die A4 bis zur Ukraine durchgängig befahrbar und damit zu einer der wichtigsten Verkehrsadern zwischen Ost- und Westeuropa geworden. Auffällig ist, dass fast jeder zweite Lkw ein ausländisches Kennzeichen hat.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Marko Schiemann fährt die Strecke regelmäßig: "Die Kolonnensituation ist brutaler geworden und ich glaube schon, dass Fahrzeuge aus Ukraine, Baltikum und Polen die A4 nutzen, um ihre Produkte nach Westeuropa zu bringen. Deshalb darf die A4 in Zukunft nicht zum Nadelöhr werden. Sie muss ausgebaut werden."

Besonders betroffen ist unter anderem der Abschnitt zwischen Dreieck Nossen und Dresden-Nord. Mit etwa 100.000 Fahrzeugen täglich ist die Autobahn eine der am stärksten belasteten Strecken im Osten. Geplant war hier ein achtspuriger Ausbau. Doch der Bund lehnte die Gelder ab.

Trotzdem bleibe die Strecke ein Unfallschwerpunkt, weiß Thomas Geithner von der Polizeidirektion Dresden: "Auffahrunfälle, an denen meist Lkw beteiligt sind, haben mitunter dramatische Folgen für andere Verkehrsteilnehmer. Durch die Bergung oder wenn Ladung verloren wird, muss die ursprünglich dreispurige Fahrbahn eingeengt werden. Bis hin zur Vollsperrung."

Verkehrsministerium prüft Überholverbote

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr sieht nach eigenen Angaben noch keine Überlastung der A4. Der Verkehrswissenschaftler Jürgen Krimmling von der TU Dresden macht jedoch auf eine Tendenz aufmerksam. So habe der Verkehr insgesamt zugenommen, besonders der Lkw-Verkehr in Richtung Polen. So wurden vergangenes Jahr am Grenzübergang Ludwigdorf durchschnittlich siebeneinhalbtausend Lkw am Tag gezählt. Das ist ein Anstieg von 75 Prozent in nur vier Jahren.

An einem normalen Tag ist das kein Problem. Zu Stoßzeiten und bei Unfällen kann sich die Situation aber schnell zuspitzen. Derzeit prüft das Verkehrsministerium kurzfristige Maßnahmen wie Tempolimits und Überholverbote.

Das ist für den Abgeordneten Marko Schiemann aber keine dauerhafte Lösung: "Wenn es eine Entwicklung in diesem wirtschaftlichen Tempo bei unseren östlichen Nachbarn gibt, wird sich der Verkehr weiter potenzieren. Wir müssen jetzt die Chance nutzen und für die nächsten Jahre Entlastungen mit Ergänzungsbauten bei der Autobahn einfordern."

Neue Fabriken und noch mehr Verkehr

Für Schiemann ist auch der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Dresden und Breslau längst überfällig. Egal wie, es braucht bald eine Verbesserung, denn gleich mehrere Unternehmen haben den Bau neuer Werke in der Region angekündigt. Das verspricht weiteren Schwerlastverkehr.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im Radio: MDR | 17.07.2017 | 05:46 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2017, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

20 Kommentare

18.07.2017 11:09 Luftikus 20

Die Beseitigung des Chaos auf deutschen Straßen, ist für mich sehr komplex. Voraussetzung ist vor allem der Wille der Politik, die Schwierigkeiten wirklich beseitigen zu wollen. Dazu bedarf es auch der Fähigkeit, Probleme zu erkennen und Lösungsschritte umzusetzen. Wie brauchen keinen primitiven Aktionismus, weil gerade Wahlen anstehen. Im Hintergrund arbeiten zu viele Lobbyisten, die ihre Interessen durchsetzen wollen. Nicht erst seit dem Wirrwarr um dem Flughafen Berlin Brandenburg, habe ich Zweifel, daß unsere selbsternannten Eliten zu Problemlösungen in der Lage sind. Der Investitionsstau, z.B. bei Brückensanierungen, ist das eine. Die Politik hat zugelassen, dass es auch unter Mehdorn einen Investionsstau im Schienenverkehr gab, weil dieser die DB an die Börse bringen wollte. Warum wird auf allen Autobahnbaustellen nicht auch am WE gearbeitet oder Neubauten von BAB nicht gleich mindestens dreispurig angelegt? Am Geld kann es nicht liegen, wenn Schäuble die halbe Welt retten kann.

18.07.2017 07:07 Bürger 19

Der LKW wird benötigt um Stückgut und Container zum Endkunden zu transportieren... ABER... nicht um als rollendes Lager zu fungieren! Zudem gehört Gefahrgut konsequent auf die Schiene mit Ausnahme der Bedienung von Tankstellen und des häuslichen Gastank.
Ein Überholverbot für LKW löst nicht das Problem, es verschärft im Gegenteil noch die Situation, da leere oder leichte Fahrzeuge hinter langsameren (z.B. Gefahrgut 80km/h) auflaufen und zu schweren Unfällen, wie immer wieder am Altstädter Berg, führen.
Es wird in naher Zukunft noch voller und zähflüssiger werden, Kollisionen und Staulängen werden zum Ärger der Anwohner an Umleitungsstrecken zunehmen...WENN ..kein Verkehr verlagert wird.

18.07.2017 06:49 Sr.Raul 18

Das @10 (LKW-Fahrer), an der Fortsetzung seiner Tätigkeit Interesse hat, ist doch logisch. Genau so, wie größere Ortschaften Gleisanschlüsse, Sprich Bahnhöfe haben. Dort Umschlagplätze eingerichtet und die Güter können per Straßenfracht von Diesen regional verteilt werden bzw. die Lastzüge werden per Bahn zu einem solchen Umschlagplatz befördert und starten von dort zu ihren Endpunkten. Schließe mich da auch gern @15 und 16 weitgehend an. Vor allem wenn man sieht welch, im Verhältnis zur Streckenlänge, minimale Frachtmenge häufig durch halb Europa gekarrt wird.

17.07.2017 00:54 AufmerksamerBeobachter 17

Die pol. Rahmenbedingungen sollten (ueber scharfe Mauterhöhung, gesetzl. Zwang) auf die Schiene orientieren - europaweit! Es gab hoffnungsvolle Ansätze. Der beeindruckendste: Der Cargosprinter. Es ist völlig unverständlich, wie dieser Ansatz scheitern konnte. Die BAB sind überhaupt nicht für die derzeitige Überlastung mit Schwerlastverkehr konzipiert worden (Unterhalt bzw Durchsatz und Fluss). Hingegen hat die Schiene das Potential, diese Gütertransportlast zu tragen (D4 ist europaweiter Laststandard der Schienenwege). Natürlich müsste in Güterverkehrszentren und Rangierbahnhöfe investiert werden - besser als in weitere AB. Im Osten (DDR 1986: 86%) waren >80% Güter auf der Schiene, heute ist es umgekehrt - da muss man wieder hin!!

17.07.2017 20:57 Entspannen Sie sich 16

^^^^^^^ LKW-Fahrer ^^^^^^

Immer locker bleiben und den Schaum vom Mund wischen.

Wenn Politiker von der Verlagerung auf die Schiene schwätzen, dann schwätzen
die halt nur. Mehr nicht!!
Machen tun sie etwas ganz
anderes. Und das ist das
staendige Verbreitern der
Autobahn mit gleichzeitigem
Neubau einer vierspurigen
Landstraße in Parallellage.

Uns noch etwas:
Natürlich hat ALDI keinen Gleisanschluss, aber das heißt
noch lange nicht, dass es
vernünftig ist, einen einzelnen
20 Fuß-Container auf der
Straße von Padbotg nach
Palermo zu karren.

17.07.2017 20:10 Paulchen 15

@10 im Fernverkehr aus der Ukraine nach Rotterdam oder von Polen nach Italien würde Schienenverkehr und vermutlich sogsr LKW-Verladung schon Sinn machen, allein was man da an Personalkosten aber auch Energie sparen könnte?! Das heißt nicht, dass Straßentransport auf kurze und mittlere Entfernungen trotzdem gut ist, man benötigt natürlich eine entsprechende Infrastruktur, die aufgrund der hohen Investitionen keiner bezahlen will. Nichtsdestotrotz sollten die Lager wieder zurück in Hallen und die Löhne und die Maut auf der Straße für einen echten Wettbewerb auf das Niveau der Schiene steigen. Wirtschaft und Handel müssen für die Menschen da sein, nicht die Verkehrstoten und Billiglöhner für Wirtschaft und Handel!

17.07.2017 19:03 GEWY38 14

@10, Sie haben das Problem wirklich erkannt. Hilfe!!!

17.07.2017 16:22 Fragender Rentner 13

Was keine oder weniger Elefantenrennen auf der Autobahn?

Arme LKW-Fahrer, sollen die da mit ca.100 Km/h hinter einem anderen so langsam hinterher tuckern?

17.07.2017 16:02 Wutbürger 12

Die A4 gibt auf den 2spurigen Abschnitten besonders zwischen DD und Polen eben nicht mehr her! Der LKW-Verkehr in den letzten Monaten extrem gewachsen, es ist ein Wahnsinn! Ruhige Tage gibt es praktisch nicht mehr! Ein durchgehendes Überholverbot für LKW ist ein zwingendes MUß!!! Hier tagelang vollgestopfte Rastplätze samt deren Ein-/Ausfahrspuren-scheinbar viel Zeit, da das Ausscheren meist polnischer LKW-Fahrer ad hoc und ohne Ankündigung-wegen ein paar Sekunden Zeiteinsparung. Gleichzeitig wäre aber auch eine Begrenzung der linken Spur auf 130 km/h unerlässlich, damit das Stopp-and-Go wegen der extrem unterschiedlichen Höchstgeschwindigkeiten zugunsten eines flüssigeren Verkehres ein Ende hat. Die A4 in sachsen ist nur noch eines: Nervig! Übrigens: Die Brennerautobahn in ITA ist auch fast nur 2spurig und das LKW-Überholverbot da gar kein Problem! Ich fürchte aber, unsere Demokartei braucht wieder Jahre für eine Entscheidung! Die poln. Regierung wird natürlich auch beim EuGh klagen.

17.07.2017 15:22 Oberlausitzer 11

Überholverbote sind der Weg des geringsten Widerstandes. Ein schnell gefasster und umgesetzter Beschluss innerhalb einer Legislaturperiode mit dem man den Stimmpöbel beeindrucken kann. Allerdings ändert das nichts an der Tatsache das die A4 schon brechend voll ist, und in Zukunft immer noch brechend voller wird. Dann ist die rechte Spur komplett zu und links ist gefährliches Kolonnenfahren angesagt.
Man hätte ein Steuerungselement, nämlich die Mauthöhe, aber das traut man sich nicht weil man Angst vor der Industrie-Lobby hat. Alles andere, ob Schiene oder Verbreiterung, dauert ewig.