Eine junge Frau tippt etwas auf ihrem Smartphone.
Schüler sollen den Umgang mit Medien in der Schule lernen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sächsischen Kultusministerium will fördern Smartphone, Zeitung, Fernsehen: Wie Schüler den Umgang mit Medien lernen

Unser Alltag wird von Medien bestimmt, das gilt auch für Kinder und Jugendliche. Aber wie lernen sie den Umgang mit der extrem komplexen Medienlandschaft, mit digitalen Angeboten und sozialen Netzwerken, mit Fake News und einer Flut an Informationen? Schulen bemühen sich, die Medienkompetenz der Schüler zu stärken, doch noch braucht es viel Eigeninitiative der Lehrer.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Eine junge Frau tippt etwas auf ihrem Smartphone.
Schüler sollen den Umgang mit Medien in der Schule lernen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Karsten Höink unterrichtet Informatik und Deutsch am Landau-Gymnasium in Weißwasser. Ob Facebook, WhatsApp oder Zeitung - Medien gehören für ihn in beiden Fächern zum Curriculum. "Im Deutschunterricht versuchen wir Medienkompetenz zu vermitteln, indem wir über Medien insgesamt sprechen", berichtet er. "In Klasse Neun ist das Thema Zeitung zum Beispiel ein großes Thema. Wir lesen 14 Tage eine Zeitung, beschäftigen uns mit einzelnen Artikeln und ungeschriebenen und geschriebenen Gesetzen, was darf ein Journalist und was sollte er lieber sein lassen?"

200 km weiter westlich, an der Oberschule Maxim Gorki in Frohburg, organisieren die jüngeren Lehrer im kommenden Schuljahr mehrere Projekttage über Hass im Netz. So vielfältig wie Medien sind, so vielfältig ist auch die Beschäftigung mit dem Thema, so Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth. In der Sekundarschule 1 und 2 sei das zum Beispiel in Gemeinschaftskunde, Rechtserziehung, Wirtschaft und Deutsch explizit fachlich unterlegt, in Technik/Computer in den fünften und sechsten Klassen, im Informatikunterricht und im Fremdsprachenunterricht.

Eigeninitative der Lehrer ist gefragt

Dazu bieten verschiedene außerschulische Institutionen Workshops, Seminare und Beratungen zum kritischen Umgang mit Medien. Zum Beispiel die Sächsische Landesmedienanstalt. Rund 850 Projekte haben deren Mitarbeiter im vergangenen Jahr an den sächsischen Schulen organisiert. Insgesamt gibt es aber mehr als 1.700 Schulen im Freistaat.

Es hänge sehr von der Eigeninitiative der Lehrer ab, ob diese Angebote auch genutzt werden, erklärt Jutta Hofmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Das Problem sei, dass die Medienbildung noch nicht systematisch in die Curricula eingearbeitet sei. Es gebe kein Fach 'Umgang mit Medien' oder 'Umgang mit der Digitalisierung'. Es sei den Lehrkräften überlassen und dann sei es oft nicht im Fokus, weil es die Themen im Unterricht sehr eng getaktet seien. "Da würde ich mir wünschen, dass es Hilfestellungen gibt, wie sie das in den Unterricht einarbeiten können."

Kultusministerkonferenz will Medienkompetenz stärken

Eine Art Materialkompass sei zum Beispiel sinnvoll, der Lehrmittel für die verschiedenen Klassenstufen empfehle. Außerdem müssten die Schulen dafür sorgen, dass die Lehrer sich weiterbilden könnten. Da sehe sie noch in einigen Bundesländern Defizite, sagt Jutta Hoffmann. Die sächsische Kultusministerin Kurth will genau das fördern. Allerdings: Weil der Freistaat insgesamt zu wenige Lehrer beschäftigt, fällt der Unterricht häufig aus, wenn die Pädagogen auf Fortbildung sind.

„Wichtig ist mir, dass in die Lehrerkollegien eine Motivation hineingetragen wird, damit die Bereitschaft für eine Fortbildung existiert. Und für junge Kolleginnen und Kollegen bauen wir die Medienbildung mit in unser Referendariat ein", sagt die Ministerin.

Die Kultusministerkonferenz hat im Dezember 2016 ein Strategiepapier zur Bildung in der digitalen Welt veröffentlicht. Sachsen arbeitet derzeit an der Umsetzung. Aber: Ohne technische Erneuerung sei jede inhaltliche Strategie sinnlos, meint Kurth. Deshalb sollen alle sächsischen Schulen bis 2020 einen Breitbandanschluss bekommen. Und externe IT-Techniker. Denn darum können und sollten sich die Lehrer nicht kümmern.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 28.07.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2017, 07:12 Uhr

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3 Kommentare

29.07.2017 10:51 HERBERT WALLASCH, Pirna 3

Computer sind erweiterte Arbeitsgeräte, das Grundwissen muß erst einmal vorhanden sein und vermittelt werden. Ferner ist alles eine Frage der Finanzen, es müßten für jeden Schüler die nötigen Geräte angeschafft werden, Richtlinien durchgesetzt werden und kontrolliert werden. Bei Privatschulen kein Problem, doch bei den vielen unterschiedlichen Schulmodellen purer Populismus, ebenso in Weißwasser im Deutschunterricht, denn es gibt darauf Zensuren.

28.07.2017 16:24 Graf von Henneberg 2

Keine Computer und Handys in der Schule anzuwenden ist der erste Schritt der Entwicklung eines Kindes zu einem selbsttätig denkenden Menschen.
Mit den Erkenntnissen aus Internet, Handys, selbst Zeitungen werden die jungen Leute zu fremdbestimmten Robotern ohne eigenem Willen und ohne eigene Gedankenwalt erzogen.

28.07.2017 08:55 Lehrer in Sachsen 1

Das SMK sollte lieber mal sagen, wie es um das Einstellungsverfahren der neuen "Lehrer" steht und wo die Lehrer mit dieser Eigeninitiative herkommen sollen. Auch die CDU in Sachsen hält sich verdächtig zurück.....
Aber es wird sich erst wieder was vor der Landtagswahl tun um die Wähler zu besänftigen!