Eine Frau sitzt mit zwei kleinen Kindern an einem Tisch, daneben ein größeres Mädchen
Bekommen Pflegefamilien im kommenden Jahr mehr Geld? Bildrechte: IMAGO

Thüringen Mehr Geld für Pflegeeltern?

Die Jugendämter in Thüringen suchen händeringend Pflegeeltern. Familien zu finden, die für eine Zeit ein Pflegekind aufnehmen, das ist schwierig. Es könnte auch am Geld liegen. 686 Euro bekommen Pflegefamilien zum Beispiel für die Betreuung eines Fünfjährigen. In allen anderen Bundesländern liegt die Pauschale deutlich höher. Das ergab eine Recherche von MDR AKTUELL im Frühjahr. Nun soll sich endlich etwas tun. Vielleicht können Pflegefamilien schon zum Jahresende aufatmen.

von Anne-Marie Kriegel, MDR THÜRINGEN

Eine Frau sitzt mit zwei kleinen Kindern an einem Tisch, daneben ein größeres Mädchen
Bekommen Pflegefamilien im kommenden Jahr mehr Geld? Bildrechte: IMAGO

"Pflegeltern sein, das ist ein 24-Stunden-Job, 365 Tage im Jahr", sagt Peter Weise. Er ist der Landesgeschäftsführer des Jugendring Thüringen e.V., einer Lobbyorganisation, die die Anliegen der Jugend vertritt. Außerdem ist er Vorsitzender des Landesjugendhilfeausschusses im Landtag, der die Landesregierung berät.

Aus seiner Sicht muss die Pauschale für Pflegeeltern steigen. Peter Weise erklärt: "Ich werde als Vorsitzender das Thema auf die Tagesordnung setzen mit dem Kenntnisstand, der mich erreicht hat. Und wir werden versuchen in diesem Jahr auch mit den kommunalen Spitzenverbänden uns des Themas anzunehmen und ich hoffe, dass wir auch Ende des Jahres eine Erhöhung des Pflegekindergeldes haben."

Diskussion nicht erst seit gestern

Beim Landkreistag winkt man allerdings ab. Dazu müsse erst beraten werden. Zahlen müssten eine Erhöhung die Jugendämter, also die notorisch klammen Thüringer Städte und Gemeinden. Um die Pauschale für Pflegeeltern gibt es schon länger Diskussionen.

In einer Antwort auf eine kleine Anfrage zur Situation der Pflegeeltern in Thüringen erklärt die zuständige Ministerin für Jugend Birgit Klaubert schriftlich: "Im Jahr 2012 wurde zuletzt mit Unterstützung der Vertreter der Landesregierung der Versuch unternommen, mit der Einrichtung einer Arbeitsgruppe Pauschalbeträge für laufende Leistungen in Vollzeitpflege eine entsprechende Beschlussfassung vorzubereiten. Dieser Versuch fand nicht die erforderliche Unterstützung der Mitglieder des Landesjugendhilfeausschusses. Einem neuerlichen Anlauf aus den Reihen des Landesjugendhilfeausschusses stünde die Landesregierung offen gegenüber."

"Es muss an die Arbeit gehen"

Darüber schüttelt Peter Weise den Kopf. Der Jugendhilfeausschuss habe damals auf die Empfehlung des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge gewartet. In diesem Verein sind Fachleute aus sozialer Arbeit, Sozialpolitik und Sozialrecht. Die Empfehlung der Experten sei seit dem vergangenen Jahr da und es sei jetzt klar – in Thüringen liegt die Pauschale 66 Euro darunter. Nun müsse es an die Arbeit gehen.

Ein Mann mit einem roten Eimer in der Hand geht mit einem Kind an der Hand durch einen Garten
In Sachen Geld für Pflegefamilien bildet Thüringen das Schlusslicht. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Andreas Bühl von der CDU ist Abgeordneter im Landtag und sitzt ebenfalls im Jugendhilfeausschuss. Er hatte mit seiner Anfrage auf das Problem aufmerksam gemacht. "Ich wünsche mir von der Landesregierung, dass man dort aktiv wird, dass man sich aktiv einbringt für die Pflegeltern, für die Pflegekinder. Die Kosten werden dort ja mehr oder weniger auf den kommunalen Bereich abgewälzt, aber gerade in diesen Tagen, wo wir in der Zeitung lesen können, das Thüringen steuermäßig so gut dasteht wie noch nie, wäre es, denke ich, auch richtig zu sagen, das Land überlegt sich, ob es hier auch einen Beitrag leistet, um entsprechend dort auch diesen Pflegeeltern etwas zu Gute kommen zu lassen", findet Bühle.

Die Zeit wird knapp

2012 saß Andreas Bühl zwar noch nicht im Landtag, aber auch das damalige CDU-geführte Regierungsbündnis mit der SPD hatte am Missstand für die Pflegeeltern nichts geändert. Am 25. September sitzen die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses wieder zusammen. Einigen sie sich auf eine höhere Pauschale, liegt der Ball im Feld der Kommunen.

Sie werden aller Voraussicht nach versuchen, die Landesregierung mit ins Boot zu holen. Für eine Unterstützung der Thüringer Städte und Gemeinden müsste im Doppelhaushalt 2018/19 mehr Geld eingeplant werden. Die Zeit drängt, denn die Planungen für den Haushalt laufen schon.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im: Radio | 01.08.2017 | 06:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2017, 08:41 Uhr

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7 Kommentare

02.08.2017 10:27 Atze 7

@6 Baldur...
Sicher, jede Familie, die z.B.mehrere Kinder großzieht
leistet viel für die Gesellschaft in D.
Auch alles Gute, Gruss!

01.08.2017 22:01 Baldur von Ascanien 6

Lieber Atze,
ich bewundere ihr Engagement sehr und ich wollte die Aufopferung nicht klein reden. Leider hört man aber immer wieder von Pflegeltern "des Geldes wegen" Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, wie wenig wertgeschätzt wird, was Eltern, sofern sie noch Arbeit haben leisten müßen. Aber um ehrlich zu sein, gegen die Leistungen die für einen MUFL, fast 5000 Euro/Monat, aufgebracht werden, sind die 690 Euro Peanuts.

01.08.2017 18:57 Atze 5

@Baldur.....2
Vergessen Sie Ihre Argumentation.
Warum melden sich nicht Familien, die ein Pflegekind aufnehmen wollen?
Wer von dieser Aufgabe keine Ahnung hat, ist hier völlig fehl am Platz. Ich spreche aus Erfahrung, weil ich ein schwererziehbares Kind hatte, als Pflegefamilie.
Das ist jetzt 20 Jahre her, als wir einen 10 Jährigen aufnahmen. Wer das wegen Geld machen würde, ist zum Scheitern verurteilt. Jeder Euro ist wichtig.Das was
die Gesellschaft abgrundtief vernachlässig hat, muss in mühevoller Erziehungsarbeit korrigiert werden.Oft geht es dabei, Lebensfähigkeit des Kindes im späteren Leben zu erreichen.
Wir haben es geschafft, aber es war ein Knochen" job".
Das Wertvollste, was wir geschafft haben....Der " Preis" hängt sehr hoch und man muss einen langen Atem haben. Also, Respekt vor allen, die ein Kind auf den Weg bringen.

01.08.2017 15:48 Das sind aber auch Goldstücke 4

Das wird wohl mit unterschiedlichen Maß gemessen

01.08.2017 13:28 Daniel 3

Das Schicksal mancher Kinder ist wirklich Schlimm und man möchte eigentlich kein Kind in dieser Situation wissen.
Dennoch finde ich "Baldur von Ascanien" Kommentar NR. 2 hat völlig recht!!!
Wir als "normale" Eltern haben mit knapp 200€ für ein Kind eigentlich das Nachsehen. Sicher ist dies ein Stück was anderes ein eigenes Kind zu haben aber ungerecht finde ich es allemal!

01.08.2017 10:57 Baldur von Ascanien 2

""Pflegeltern sein, das ist ein 24-Stunden-Job, 365 Tage im Jahr", sagt Peter Weise. "

Und was ist das dann für die "normalen" Eltern? Die gehen meist so nebenbei auch noch arbeiten. Für diese sind beide "Rechnungen" (Pflegekind/Asylanten) ein Hohn.

01.08.2017 08:15 ralf meier 1

Da lese ich: 686 Euro bekommen Pflegefamilien zum Beispiel für die Betreuung eines Fünfjährigen.

-> 5000 Euro im Monat erhält die Asylindustrie für die Betreuung eines laut Eigenauskunft minderjährigen Asylanten.

Da gibt es ganz offensichtlich eine eindeutige Priorität.