Rechtsradikale werden im Stadtteil Connewitz in Leipzig von der Polizei festgehalten.
Die meisten der Randalierer vom 11. Januar 2016 konnten von der Polizei festgesetzt werden. Bildrechte: dpa

Sportvereine zu Connewitz-Randalen "Das war für uns ein Schock"

Am 11. Januar 2016 zogen mehr als 200 Rechtsradikale und Hooligans randalierend durch den Leipziger Stadtteil Connewitz. Sie warfen Schaufensterscheiben ein, attackierten Kneipen und Cafés. Gut ein Jahr später tauchte im Netz eine geleakte Liste auf - wahrscheinlich aus Polizeiakten, veröffentlicht von Antifa-Aktivisten. Darin: Namen, Fotos und weitere persönliche Details der Tatverdächtigen. Oft tauchen auch Sportvereine auf. Wie gehen die damit um?

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Rechtsradikale werden im Stadtteil Connewitz in Leipzig von der Polizei festgehalten.
Die meisten der Randalierer vom 11. Januar 2016 konnten von der Polizei festgesetzt werden. Bildrechte: dpa

Das Vereinshaus des SG Rotation Leipzig ist wieder komplett geweißt. Bis vor drei Wochen prangte an der Fassade noch ein Graffiti: "Ihr habt einen Nazi-Hooligan im Verein!" Der Vorsitzende Stephan Schmidt war aufgebracht: "Wir als Verein haben mit den Vorfällen in Connewitz rein gar nichts zu tun und werden als Unbeteiligte von den Absendern abgestraft. Das finde ich verächtlich." Dabei hätten Vorstand und Trainer gleich das Gespräch gesucht, als sie den Namen ihres Spielers in der Liste der mutmaßlichen Randalierer entdeckten.

SG Rotation Leipzig: Es gilt die Unschuldsvermutung

Eigentlich sei er ein netter, junger Mann, der Arbeiten auf dem Vereinsgelände oft mit angepackt habe, erzählt Schmidt. Die Reaktion des Spielers auf den Vorwurf: "Er machte mir einen sehr betroffenen Eindruck. Ob er das heute noch mal machen würde, weiß ich nicht. Aber wir versuchen, auf ihn einzuwirken: Such dir einen anderen Umkreis, halt dich von den Jungs fern, geh vernünftig deinen Weg."

Stephan Schmidt steht mehr als 400 Vereinsmitgliedern aus über 15 Nationen vor. Den Überfall auf Connewitz verurteile er. Aber solange das Ermittlungsverfahren laufe, müsse auch für den Tatverdächtigen aus der eigenen Mannschaft die Unschuldsvermutung gelten.

Bornaer SV: Wir hassen Gewalt

Etwa 50 Kilometer südlich trainieren die Fußballer des Bornaer SV. Drei Spieler der ersten Männermannschaft sollen am 11. Januar 2016 mit durch Connewitz gezogen sein. Der Vereinsvorsitzende Ingo Dießner spricht von einem Schock:

Wir konnten uns nicht im Traum vorstellen, dass es Mitglieder unseres Vereins sind. Das war für uns ein schwerer Moment, weil wir für Toleranz und Freundschaft stehen. Wir hassen Gewalt.

Ingo Dießner, Vorsitzender des Bornaer Sportvereins

Bei einem Spieler habe der Vorstand vermutet, dass er eher in rechten Kreisen verkehren würde. Aber auf dem Platz habe sich kein Teammitglied etwas zuschulden kommen lassen. Schriftführer Dries Mäder ergänzt: Ein Fußballclub sei letztlich auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Unterstützung für Vereine vom Landessportbund

Trotzdem will der Bornaer SV seine Mitglieder jetzt zum Thema Neonazismus schulen. Damit erhofft man sich auch, Kritikern etwas entgegensetzen zu können. Denn in den vergangenen Wochen seien mehrere Drohmails eingegangen, sagt Vereinsvorsitzender Dießner: "Die Angst vor Aktionen ist natürlich da, damit müssen wir umgehen. Aber ich hoffe auch, dass die Arbeit, die wir zusätzlich zur normalen Vereinsarbeit investieren, von diesen Gruppierungen gesehen wird. Dass die sehen: Wir setzen uns mit der Thematik auseinander."

Dabei lassen sie sich vom Landessportbund unterstützen. Mit dem Projekt "Im Sport verein(t) für Demokratie" will der Verbund das Wissen um Diskriminierung und Extremismus in den Vereinen fördern. Seitdem die Liste zu den Connewitz-Krawallen veröffentlicht wurde, klingelt bei Projektleiter Robert Großpietsch häufig das Telefon: "Die Sensibilität gegenüber Extremismus und Neonazismus ist höher geworden. Die Leute haben heute ein grundsätzlich größeres Wissen darum, worüber geredet wird. Trotzdem ist es ein Thema, das mit Vorsicht behandelt wird."

Auf Anfrage des MDR meldeten sich nur drei Vereine zurück. Einer wollte anonym bleiben, weil man Angst vor Racheaktionen habe. Regionalligist Lok Leipzig, bei dem die Namen von Fans in der Liste auffallend häufig auftauchen, reagierte gar nicht.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 13. März 2017 | ab 5:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2017, 10:57 Uhr

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57 Kommentare

14.03.2017 17:32 Franz 57

Rechte gegen Linke Dumpfbacken oder andersherum. Wem gefällt dies wohl?
Den unsichtbaren Zentren der Macht, bestimmten Eliten, die so von sich ablenken um ihre Macht und die Eigentumsordnung abzusichern.

14.03.2017 14:43 Antwortender 56

Ach Horst, ist das so? Sie haben Ihren Beitrag (37) noch nicht erklärt. Was sollte Ihre Frage, ob ich schon mal in Connewitz war, nachdem ich kritisierte, dass ein anderer Forist den "rotrotgrünen" die Schuld für den randalierenden Nazi-Mob in Connewitz gab?

Was wollten Sie denn damit sagen??? Drücken Sie sich doch mal klar und deutlich aus!

14.03.2017 14:03 emil 55

eure links oder rechts auffassungen sind fürn arsch. der staat, das gewaltmonopol, bleibt sich gleich. und es liegt ausschliesslich am gewaltmonopol, wenn ihr anfangt zwischen rechts und/oder links zu unterscheiden.
ob euch das bewusst ist oder nicht, das bleibt sich nicht gleich ...

14.03.2017 11:37 Horst 54

an Antwortender: Es ist eine Frechheit zu behaupten, dass ich Gewalt gut-heiße! Ich bin erstaunt, dass solche Hetzreden überhaupt veröffentlicht werden. Sie sind so von sich und Ihrer Meinung überzeugt, das es zur Manie und Krankheit führen kann!

14.03.2017 09:42 Spielerin 53

Ich finde es nach wie vor wunderbar wie sich bekennende "Nicht-Rechte" dann so sehr brüskiert fühlen, wenn rechte Gewalt verunglimpft wird. Da passt für mich der Spruch "betroffene Hunde bellen". Ich verachte rechts-denkende Menschen und bin froh, wenn sie denunziert werden. Deswegen hab ich auch KEIN Verlangen danach, rechte Aktionen in Schutz zu nehmen oder linke Gewalt aufzurechnen. Das ist ein ganz anderes Thema um das es bei den Anschlägen aber nun mal nicht geht. Sondern es waren rechte Täter, die wiederum in Fußballvereinen spielen und gern auch als Hooligans agieren. Fußballvereine könnten hier Farbe bekennen und ein Zeichen gegen rechte Gesinnung setzen. Ich bezweifle, dass da Aufklärung und reden hilft.
Leider habe ich als Spielerin bereits die Erfahrung gemacht, wie man im Fußball dann eben doch ohnmächtig ist, wenn man eine Spielerin als rechts gesinnt entlarvt. Weil sowohl Verein wie auch Mannschaft sich nicht positionieren wollten. Ich spiele nicht mit Rechten zusammen!

14.03.2017 08:27 Antwortender 52

Ekkehard Kohfeld, wenn Sie bei Artikeln über rechtsextreme Gewalt ganz unbedingt erwähnen müssen, dass es auch linke Gewalt gibt - was niemand abgestritten hat - wirkt das nun mal so, als wollten Sie Gewalt von Rechtsextremisten relativieren. Zumal Sie diese offenkundig an keiner Stelle kritisieren bzw. anprangern.

Und da fragt man sich schon warum Sie unbedingt rechtsextreme Gewalt verharmlosen wollen. Weil Sie die für legitim halten?

Und bevor Sie hier jetzt behaupten, Sie wären da gar nicht einseitig: zitieren Sie mal bitte einen Ihrer Kommentare zu einem Artikel über Linksextremismus, in dem Sie darauf hinweisen, dass es ja auch Rechtsextremismus gibt und der mindestens genau so schlimm ist...

14.03.2017 07:39 Ekkehard Kohfeld 51

@ Normalo 30 Also ich wiederhole: Es wird über Rechte und Neonazis berichtet. Da wartet man nicht auf Berichte über Linke. Meine Güte.##Ach so und deshalb darf natürlich niemand darauf hinweisen das es auch eine Menge linke Gewalt gibt was für eine Logik.So etwas nennt man dann einseitige Berichterstattung.Oder weil Linksextremismus gute Gewalt ist dazu rate ich ihnen:" Die Legende von der guten Gewalt | ZEIT ONLINE"

13.03.2017 21:23 Antwortender 50

Nachtrag zu Torsten: Dafür, dass Sie Gewalt ja so verabscheuen, scheinen Sie mir rechtsextreme Provokationen und Gewalt gutzuheißen. Sind Sie "@Antwortender"???

P.S.: Definieren Sie erst mal Faschismus, bevor Sie hier schon die Macht an sich reißen und bestimmen, was denn Faschismus ist.

13.03.2017 21:09 Antwortender 49

@Torsten: Gut, dass Sie Gewalt nicht gutheißen. Tue ich auch nicht. Was soll ich mir dann aber jetzt zu Herzen nehmen und warum sprechen Sie mich an, wenn andere wie Horst oder "@Antwortender" hier Gewalt gutheißen und "rechtfertigen"???

13.03.2017 20:40 Torsten 48

@Peter ( Nachtrag )
Und gerade diese Demo DARF nicht verboten werden. Denn würde das passieren hätten TATSÄCHLICHE Faschisten gewonnen und ihre faschistische Ideologie gestärkt.