Passanten gehen durch die Fußgängerzone in Leipzig (Sachsen).
Tausende haben sich in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Noroviren infiziert. Bildrechte: dpa

Mitteldeutschland Noroviren breiten sich aus

Rund 3.300 Infizierte in Sachsen-Anhalt, fast 4.000 in Thüringen, mehr als 1.800 Fälle in Sachsen und eine hohe Dunkelziffer. Im November und Dezember hat das Norovirus mehr Menschen erwischt als üblich. Die Fachleute prüfen jetzt, ob es an einer neuen Virus-Variante liegt.

Passanten gehen durch die Fußgängerzone in Leipzig (Sachsen).
Tausende haben sich in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Noroviren infiziert. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen haben sich Noroviren und die damit verbundenen Brechdurchfall-Erkrankungen in den vergangenen sieben Wochen rasant ausgebreitet. Nach einer Umfrage vom MDR AKTUELL wurden in allen drei Bundesländern mehr Fälle registriert als sonst zu diesem Zeitpunkt üblich.

Sachsen-Anhalt: Dreimal so viele Häufungen wie 2015

In Sachsen-Anhalt wurden nach Angaben des Landesamtes für Verbraucherschutz in den vergangenen sieben Wochen 3.277 Norovirenfälle registriert - darunter sowohl im Labor nachgewiesene als auch diagnostizierte Fälle. Seit der 45. Kalenderwoche verzeichnete die Behörde dreimal so viele Ausbrüche als im Vorjahr. 29 Ausbrüche wurden aus Kindergärten, Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern gemeldet, eine Woche später waren es 39 Ausbrüche, die Woche darauf 32 – mit jeweils hunderten Erkrankten. Besonders betroffen sind derzeit die Landkreise Jerichower Land, Mansfeld-Südharz, Anhalt-Bitterfeld, Bördekreis und Stendal sowie der Stadtkreis Dessau-Roßlau.

Mehr als 5.800 Infektionen in Sachsen und Thüringen

In Thüringen gab es nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums fast 4.000 Norovirusfälle in den vergangenen sieben Wochen. 1.095 davon im Labor nachgewiesen, weitere 2.847 Erkrankungen wurden ohne Labornachweis diagnostiziert. Sie wiesen nach Angaben des Ministeriums aber einen epidemiologischen Zusammenhang zu einem im Labor bestätigten Fall auf.

In Sachsen erkrankten in den vergangenen sechs Wochen 1.841 Menschen an Brechdurchfall infolge eines Norovirus. Nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums kommen weitere 656 Erkrankte ohne Nachweis im Labor hinzu. Derzeit werden dem Ministerium zufolge in Sachsen 80 Prozent aller Brechdurchfall-Erkrankungen auf das Virus zurückgeführt, wobei eine Sprecherin außerdem auf eine hohe Dunkelziffer verwies.

Ämter erwarten starke Noroviren-Saison

Die aktuelle Noroviren-Saison hat eher begonnen und könnte heftiger ausfallen als die 2015/16. "Sowohl der diesjährige frühe Beginn des Erkrankungsanstiegs als auch die im Vergleich zu den letzten Jahren höhere Anzahl übermittelter Fälle deuten auf eine starke bevorstehende Norovirus-Saison hin", sagte eine Sprecherin des Landesamtes für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt.

RKI prüft, ob neues Virus kursiert

Infektionsmediziner unterscheiden bei Ansteckungskrankheiten unter anderem in die Fallzahl pro Jahr und die pro Saison. Die Noroviren-Saison ist der Herbst und Winter. "Allerdings wechseln sich Saisons mit hoher mit solchen mit niedrigerer Virusaktivität ab. Das liegt an der genetischen Variabilität des Virus und dem Auftreten neuer Driftvarianten der Genotypen", erläutert eine Sprecherin des sächsischen Gesundheitsministeriums, aber auch an der Abwehrsituation der Bevölkerung.

Wie krankmachend das aktuelle Virus ist, das untersucht derzeit das Robert Koch Institut in Berlin. Es prüft nun, ob es sich um eine neue Variante des Virus handelt. Inzwischen werden wieder weniger Infektionen in Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeldet.

Zuletzt aktualisiert: 08. Dezember 2016, 07:55 Uhr

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2 Kommentare

07.12.2016 18:33 Thomas G 2

"Agnostiker": Das was Sie schreiben ist ja schon fast volksverhetztend. Als ob Noroviren von Zuwanderern übertragen werden. Die machen weder an Hautfarben, Sprachen oder andern Äußerlichkeiten halt. Und dass Sie indirekt unterstellen, dass sich deutschsprachige Kinder auch die Hände besser waschen, ist nicht nur fragwürdig, sondern noch dazu schwachsinnig. Selbst mit guter Händehygiene lässt sich eine Infektion nicht automatisch verhindern. IMMER wenn viele Menschen auf engem Raum sind, das kann auch im Job oder bei Konzerten, öffentlichen Toiletten sein, ist das Risiko erhöht. Das sollten Sie bitte nicht außer Acht lassen. Ich wünsche das ja niemandem, aber falls Sie sich dieses Jahr bei einer einschlägigen Demo auf dem ToiToi anstecken sollten, dann ist dies der positive Beweis, dass Sie auch nur ein Mensch sind.

07.12.2016 17:44 Agnostiker 1

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