Pegida-Teilnehmer beim MDR
Pegida-Teilnehmer beim MDR Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Zwei Demonstranten beim MDR Pegida zu Besuch bei der "Lügenpresse"

Auf den Pegida-Demonstrationen wird häufig über die "Lügenpresse" geschimpft. Und diese Lügenpresse fragt sich genauso häufig: Woher kommt diese unumstößliche Meinung, die Massenmedien seien fremdgesteuert und würden die Wahrheit verdrehen? Da hilft nur: miteinander reden. Genau das hat das MDR-Fernsehen versucht und Pegida-Demonstranten zu sich eingeladen. Zwei Menschen sind der Einladung gefolgt und konnten sich nun selbst ein Bild von der Arbeit bei der "Lügenpresse" machen.

von Stephan Zimmermann, MDR INFO

Pegida-Teilnehmer beim MDR
Pegida-Teilnehmer beim MDR Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Ein Tag beim MDR

Zwei Herren, beide aus Dresden, beide schon Rentner. Der eine stellt sich vor: "Joachim Aitner." Der andere behält seinen Namen für sich: "Den will ich mal lieber nicht sagen." MDR-Reporter Danko Handrick führt die Gäste durchs Haus. Er bringt sie in Redaktionssitzungen und erklärt ihnen, wie Journalisten sich informieren - zum Beispiel über Presseagenturen.

Befehle von oben?

Handrick schaut gemeinsam mit seinen Gästen ein Video von der letzten Pegida-Kundgebung mit Tatjana Festerling, die darin propagiert: "Die ehemals vierte Gewalt im Staat, die Medien, haben sich längst zum willfährigen Merkel-Hofberichterstattungs-Ministerium verwandelt." Das ist eine gute Gelegenheit für den Gastgeber, deutlich zu machen, dass Journalisten keineswegs irgendwelche Ansagen aus dem Kanzleramt bekommen: "Natürlich nicht! Die Vorstellung, die es bei manchen Menschen gibt, dass wir ein Faxgerät oder ein Telefon haben, das ins Bundeskanzleramt führt, die ist natürlich totaler Quatsch. Uns ruft aus Berlin keiner an und sagt, wie wir zu berichten haben."

Reporter sind subjektiv

Und, kommt die Botschaft an? Die Gäste glauben dem Reporter: "Ich bin auch überzeugt davon, dass viele Reporter von Ihnen nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten. Aber es gibt sicherlich keine absolute Objektivität - sondern jeder Reporter ist auch subjektiv." Aber warum rufen sie dann Lügenpresse? Ein Vorwurf: Es werde eben nicht die ganze Wahrheit berichtet - zum Beispiel über Angriffe auf Pegida-Anhänger: "Es hat zum Beispiel kaum Berichte gegeben, dass nach einem Jahr Pegida dort Autos angezündet worden sind."

Jeder ist subjektiv

Und was ist, wenn Pegida-Demonstranten andere angreifen? Journalisten zum Beispiel? Nun, da seien die Opfer irgendwie selbst schuld: "Auch eine Kollegin vom MDR, die jetzt vor 14 Tagen oder drei Wochen mal belästigt worden ist. Da hat sie dann gesagt: Ich habe mit meinem Handy versucht, noch ein paar Leute aufzunehmen von da. Die wurde angegriffen, bestimmt nachdem jemand gesagt hat: Lass das, ich will nicht." Die Kollegin von MDR INFO hat das anders berichtet: Sie habe Pegida-Chef Lutz Bachmann fotografieren wollen und der hätte nichts eingewendet. Aber auch Pegida-Demonstranten sind eben subjektiv.

Wem soll man glauben?

Gibt es überhaupt ein Medium, das ihre Wahrheit darstellt? "Im Internet lese ich den 'Tagesanzeiger', Schweiz. Ich lese 'FAZ' weniger, aber ab und zu. Dann bin ich unterwegs bei der 'Sächsischen Zeitung' online, bei 'Junge Freiheit', bei 'RT russisch', 'Sputnik', und, und, und." Joachim Aitner studiert jeden Tag offenbar stundenlang die Lügenpresse. Aber am Ende glaubt er nur sich selbst: "Ich gleiche das, was ich an Nachrichten reinnehme, mit meiner Denke, mit meinem inneren Gefühl und Wissen ab. Und zuweilen muss ich mich korrigieren. Das tue ich auch."

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Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Reporter Danko Handrick hat zwei Pegida-Teilnehmer zum MDR eingeladen. In der Nachrichtenredaktion konnten sie den Journalisten über die Schulter schauen und ihnen Fragen stellen.

Mo 25.01.2016 08:33Uhr 05:04 min

http://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/video323718.html

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Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2016, 05:00 Uhr