Eine junge Frau denkt nach.
Pubertierende leiden unter teilweise heftigen Gefühlsschwankungen. Bisher war der Grund dafür ein Mysterium. Niederländische Hirnforscher sind dem Phänomen nun auf die Schliche gekommen. Bildrechte: dpa

Umzug im Gehirn Forscher haben Erklärung für Gefühlsschwankungen in der Pubertät

Mit zehn bis zwölf Jahren werden selbst die einfachsten Kinder irgendwie kompliziert. Das weiß jeder, der selbst Kinder hat oder der sich noch einigermaßen an seine eigene Pubertät erinnern kann. Plötzlich sind die Kinder mürrisch, streitlustig, rebellisch, zurückgezogen oder sensibel. Für dieses emotionale Auf und Ab gibt es viele Gründe. Eine für die Forschung wegweisende Erklärung kommt jetzt aus den Niederlanden.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Eine junge Frau denkt nach.
Pubertierende leiden unter teilweise heftigen Gefühlsschwankungen. Bisher war der Grund dafür ein Mysterium. Niederländische Hirnforscher sind dem Phänomen nun auf die Schliche gekommen. Bildrechte: dpa

Die Erwachsenen sind doof, die Schule nervt, das Leben ist so anstrengend und irgendwie fühlt man sich selbst auch ganz seltsam: Das ist die Pubertät. Fast jeder kann sich lebendig an diese Zeit erinnern, wie eine kleine Unfrage zeigt.

Das war nicht so einfach mit dem Konflikt in der Familie. Das, was die Mama gesagt hat, war immer falsch. Man wusste es selbst immer besser.

Es ist, glaube ich, eine Zeit, wo man auch an den Ketten zerrt, wo man etwas ausprobieren möchte und einen auch immer mal das Gewissen plagt: Darf man das? Darf man das nicht? Aber man versucht schon immer mal den Rahmen zu sprengen.

Ich war immer traurig, und alle waren ungerecht. Aber zum Glück hatte ich wenig Pickel.

MRT verrät Gehirnaktivitäten

Hirnforscher haben schon vor einigen Jahren festgestellt, dass die Sprunghaftigkeit in der Gefühlswelt der Pubertierenden von einem gewaltigen Umbau im Gehirn herrührt. Nun ist es Wissenschaftlern der niederländischen Radboud University Nijmegen gelungen, diesen Umbau nachzuweisen. Sie untersuchten dafür 14-jährige Jugendliche unter einem Magnetresonanztomografen (MRT); ein Gerät, das anzeigt, welche Gehirnareale wann aktiv sind. Die Jugendlichen bekamen eine Aufgabe, sahen auf einem Computer abwechselnd fröhliche und wütende Gesichter und sollten darauf reagieren.

Eine Übung, bei der man seine Gefühle sehr gut unter Kontrolle haben muss. Die Forscher wollten erkennen, wo die emotionalen Impulse bei den Pubertierenden herkommen. Andries Korebrits, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Leipziger Park-Klinikum, erklärt, was sie herausgefunden haben: "In dieser Studie konnte man zeigen, dass, je älter die Kinder oder je gereifter, diese Steuerung von tief im Hirn nach vorne verschoben wurde."

Umzug des Impulszentrums nicht reibungslos

Die Forscher vermuten, dass bei diesem Prozess nicht alles sofort glatt läuft. Das ist wie bei einem Umzug von einer Wohnung in eine andere. Da fällt mal ein Karton herunter, da gehen Dinge verloren oder der Schrank steht nicht sofort am richtigen Platz. Genauso brauchen die Pubertierenden eine Weile, bis sie ihre Gefühle wieder geordnet haben. Andries Korebrits: "Das würde bedeuten, dass in dieser vulnerablen Phase der Pubertät diese Veränderung dafür sorgt, dass die Kinder emotionaler, aggressiver, ungehemmter reagieren können."

Die biochemischen Vorgänge im Gehirn erklären allerdings nicht alles, was in der Pubertät mit einem passiert. "Es gibt einfach sehr viele verschiedene Prozesse, die gleichzeitig ablaufen. Das sind Reifungsprozesse im Hirn, aber das sind auch Erfahrungsprozesse. Jugendliche erleben viel, kommen aufs Gymnasium und haben andere Sozialkontakte als früher", sagt Korebrits. Der Befund der niederländischen Forscher soll nicht nur Eltern helfen, ihre Kinder besser zu verstehen, sondern ist auch wichtig für die Psychiatrie. Denn viele psychische Erkrankungen beginnen bereits in der Pubertät.

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2016, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

06.09.2016 22:24 Heublein 2

Das könnte so manches Verhalten meines Enkel jetzt erklären. (11 Jahre) Und bei meiner Enkelin war es ebenfalls anstrengend. Aber mit den 15. Lebensjahr ordnete es sich bei ihr alles wieder.

05.09.2016 08:17 Klingstedt 1

Ist eine gute Betrachtung

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