Ein Kreuz hängt im Klassenzimmer einer Grundschule
Unter Mitteldeutschlands Schülern wird der Religionsunterricht immer beliebter. Bildrechte: dpa

Schulen in Mitteldeutschland Religionsunterricht wird beliebter

Jugend ohne Gott? Nicht in Ostdeutschland: Der Anteil der jungen Menschen ohne Konfession ist seit 1990 gesunken – im gleichen Zeitraum ist er im Westen gestiegen. Außerdem wählen heute wieder mehr Schüler Religions- statt Ethikunterricht. Nur eine Institution merkt davon nichts.

Ein Kreuz hängt im Klassenzimmer einer Grundschule
Unter Mitteldeutschlands Schülern wird der Religionsunterricht immer beliebter. Bildrechte: dpa

Immer mehr Schüler in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nehmen am Religionsunterricht teil. Das geht aus einer MDR-Umfrage bei den Kultusministerien der Länder hervor. Schüler haben die Möglichkeit, zwischen Religions- und Ethikunterricht zu entscheiden.

Steigende Zahlen in Sachsen und Sachsen-Anhalt

In Sachsen wählen demnach deutlich mehr Schüler Religionsunterricht als in den 1990er Jahren. Dem Kultusministerium in Dresden zufolge waren es 1993 gut sieben Prozent der Schüler, 2015 mehr als 27 Prozent. Auch die absoluten Zahlen sind gestiegen – in den vergangenen zehn Jahren um gut 9.000 Schüler auf insgesamt etwa 96.000.

In Sachsen-Anhalt haben im Schuljahr 2001/02 acht Prozent der Schüler evangelischen Religionsunterricht besucht. Im Schuljahr 2015/2016 waren es knapp 15 Prozent. Auch absolut entschieden sich mehr Schüler in dem Land für Religionsunterricht, zuletzt rund 32.400.

Sinkende Schülerzahl in Thüringen

Nur in Thüringen ist die Zahl der Schüler im Religionsunterricht zuletzt zusammen mit der Schülerzahl insgesamt zurückgegangen. Der Anteil derjenigen, die Religionsunterricht wählen, ist dennoch leicht gestiegen: seit dem Schuljahr 2001/2002 um zwei Prozentpunkte auf knapp 32 Prozent im laufenden Schuljahr.

Anteil nicht gläubiger Jugendlicher sinkt im Osten

Auch insgesamt sinkt der Anteil der jungen Menschen, die in Ostdeutschland keiner Konfession angehören. Interessant ist die gegenläufige Entwicklung im Westen des Landes:

Kirchen profitieren nicht von dem Trend

Die Kirchen in Mitteldeutschland profitieren nach eigenen Angaben aber nicht von der steigenden Beliebtheit des Religionsunterrichts. "Die Leute rennen uns nicht die Kirchen ein", sagte Christian Liebchen vom Kinder- und Jugendpfarramt der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands dem MDR. Die rege Teilnahme am Religionsunterricht führe nicht automatisch dazu, dass sich mehr Menschen taufen lassen.

Auch der relative Anstieg der Religionszugehörigen unter den Jugendlichen scheint in der Praxis nicht zu spüren zu sein - das teilte zum Beispiel das Bistum Dresden-Meißen auf MDR-Anfrage mit. Dagegen sei es möglich, dass zu den Zahlen auch ein Wegzug kirchlich ungebundener Familien aus dem Osten beigetragen haben könnte.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Zuge der: ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" | 11. bis 17. Juni 2017 | Online, im Hörfunk und im Fernsehen


Das Datendossier zur ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" setzt sich aus Zahlenmaterial aus verschiedenen Einzelstudien und -erhebungen zusammen und stellt auch punktuell exemplarisch einzelne Datensätze gegenüber.

Um für das ARD-Gebiet eine bundesweite Vergleichbarkeit herzustellen, wurde beispielsweise das Statistische Bundesamt angefragt. Die Art und Weise der Erhebung des Statistischen Bundesamtes ist überall in Deutschland exakt gleich und erlaubt auf dieser Grundlage vergleichbare Schlüsse zwischen geografisch vollkommen unterschiedlichen Regionen. Es arbeitet dabei eng mit den statistischen Ämtern der Länder zusammen. Welche Daten herausgegeben werden, kann sich allerdings unterscheiden. Beim Zensus 2011 wurden in Fragen der Religionszugehörigkeit zwei verschiedene Erhebungen mit unterschiedlichen Methoden umgesetzt.

Aus diesem Grund liegen dem Statistischen Bundesamt und den Statistischen Ämtern der Länder zwei verschiedene Datensätze zu einem Thema vor. Diese werden allerdings nicht einheitlich veröffentlicht. Dadurch kommt es offenbar zu Abweichungen zwischen den Ergebnissen der Regional- und Bundesämter.

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2017, 16:49 Uhr

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25 Kommentare

15.06.2017 11:35 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 25

Zitat #13:

**Zitat Günter Kromme: "...Die moderne Wissenschaft ist sich schon längst einig das Götter die Erfindung von Menschen für nicht erklärbar Phänomene sind,..." Eine Wissenschaft, die ein absolutes Ergebnis feststellt und für alle Zeit hinnimmt, ist keine Wissenschaft mehr. Sie ist seelisch tot.**

Die Religionen stellen Aussagen als 'absolute und gegebene Fakten' dar, die dann die Grundlage für den Glauben bilden.
Sind Religonen daher auch 'seelisch tot'? Sozusagen schon in ihr Paradies eingegangen?
Gerade die 'praktische Theologie' (die Religionen) hat 'drastische Sanktionen' für Leute, die allein Teile der 'Glaubenslehre' in Frage stellen: Exkommunikation etc.

Der 'wissenschaftliche Beweis' für die Existenz Gottes steht noch aus. Dieser kann bisher nur durch den Glaubensakt erbracht werden.
Das ist nichts für mich Atheisten.

15.06.2017 11:14 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 24

In einer Zeit, in der z.B. Terror mal wieder 'dazu gehört', macht sich der eine oder andere vllt. eher Gedanken um das 'Göttliche'. Das mag sich auch in den Teilnehmerzahlen von Religionsunterricht niederschlagen.

Offensichtlich ist die Institution 'Kirche' durchaus abtrennbar für genügend Menschen von der Religiösität, sonst würde sich die höhere Zahl Religionsunterrichtsteilnehmer auch bis zu den Kirchen durchschlagen.

Große Institutionen haben nun mal auch einen Organisationsbedarf, der auch Geld kostet. Daß in großen Institutionen auch Kräfte mit unterschiedlichen Zielen aufeinandertreffen, sah man auch an der Affäre der Vatikan-Bank.

Traf sich Jesus nicht mit seinen Jüngern auf freien Flächen und sagte er nicht, 'die Kirche ist IN Dir!'?

Davon scheint nicht mehr viel übrig geblieben zu sein.
Die Kirchen betreiben auch Fürsorge - und das kostet auch Geld. Da machen Mio-teure Bischofssitze kein gutes Bild.

15.06.2017 04:19 Sabrina 23

@ Peter 18
Zitat:
"@10: Lieber Albrecht, die Nazis waren kirchenfeindlich, die Kommunisten waren kirchenfeindlich. Lesen Sie die Berichte zum AfD-Wahlparteitag. Dann wissen Sie, wer heute kirchenfeindlich ist.
Ich sag Ihnen auch warum: Der Einsatz der Kirchen für Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen passt den Rechtsaußen überhaupt nicht."

Der Nationalsozialismus war nichts anderes als Religion. Der Kommunismus ist nichts anderes als Religion. Der Neoliberalismus ist ebenfalls nichts anderes als Religion.

Religion hat immer nur in das Verderben geführt, egal welches Etikett drauf stand.

Religion will Herrschaft und Herrschaft ausdehnen, deswegen ist sie so unmenschlich und entmenschlichend.

15.06.2017 04:13 Sabrina 22

@ Volkmar 12

Sie schreiben von Kirchen und ihren Lehren.

Richtig muss es heißen: ihren Irr-Lehren.

15.06.2017 04:11 Sabrina 21

@ Albrecht Steinhäuser 10

Nicht den gewünschten Ihrigen religiösen Ansichten zu folgen ist also "einfach erbärmlich".

So entblößen sich Leute, die mittels Religion andere Menschen kontrollieren wollen, selbst.

15.06.2017 04:00 Sabrina 20

@ Mensch 4

"Wann kommt Harry Potter als Unterrichtsfach? Einfach nur krank, wie im Mittelalter..."

Es ist nicht wie im Mittelalter.

Es IST Mittelalter !

14.06.2017 00:50 Paul 19

Bauerfeind, eine super Recherche!
Aber Käsmann schämt sich nicht! Wasser predigen und Wein saufen!
Immer noch den umweltschädigenden BMW gefahren zu werden???
Fazit: Religion ist doch Opium für das Volk und gehört nicht in die Schulen!!

14.06.2017 20:35 Peter 18

@10: Lieber Albrecht, die Nazis waren kirchenfeindlich, die Kommunisten waren kirchenfeindlich. Lesen Sie die Berichte zum AfD-Wahlparteitag. Dann wissen Sie, wer heute kirchenfeindlich ist.
Ich sag Ihnen auch warum: Der Einsatz der Kirchen für Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen passt den Rechtsaußen überhaupt nicht.

14.06.2017 20:09 Morchelchen 17

Atze, was glauben Sie, warum diese Aktion gestartet wurde? Da ist ein tieferer Sinn dahinter, denn man sich mit etwas Überlegung auch zusammenreimen könnte. Vor 20 Jahren hatte sicherlich noch kein Journalist dafür Interesse bekunden wollen, welche Rolle Religionen in unserem Land spielen...

14.06.2017 18:42 Kurzkommentator 16

Wie schon erwähnt: "Religion ist Opium für das Volk."
(Marx) - Die Frage lautet: Cui bono? Heine formuliert es etwas blumiger:
"... Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel ..."
Cui bono?

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