Schriftzug aus Legebuchstaben Testament
Sachsen ist Schlusslicht beim Thema Erbe. Hier hinterlassen die Menschen ihren Angehörigen fast 100.000 Euro weniger als im Rest der Republik. Bildrechte: colourbox.com

Erbenrepublik Deutschland Sachsen erben am wenigsten

Im Mittel werden in Sachsen 75.000 Euro vererbt. Damit ist es Schlusslicht, auch im Osten. Das liegt nicht nur an den niedrigeren Einkommen und Vermögen, sondern auch an den fehlenden Immobilien. Der Sachse lebt eher in der Stadt als auf dem Land. Ein Staatsfond könnte die großen Unterschiede, gerade zu reichen westdeutschen Bundesländern, ausgleichen.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Schriftzug aus Legebuchstaben Testament
Sachsen ist Schlusslicht beim Thema Erbe. Hier hinterlassen die Menschen ihren Angehörigen fast 100.000 Euro weniger als im Rest der Republik. Bildrechte: colourbox.com

"Mir hamm ja nüschd", lamentiert mancher Sachse. Und das ist nach neuen Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Yougov gar nicht so falsch. Stirbt ein Deutscher hinterlässt er im Mittel 175.000 Euro. Stirbt ein Sachse sind es nur 75.000.

Und fragt man lebende Sachsen, ob sie in den nächsten zehn Jahren ein Erbe erwarten, sind die Antworten recht zurückhaltend, sagt Forschungsleiter Holger Geißler: "In keinem anderen Bundesland als Sachsen liegt der Anteil so niedrig. In Sachsen sind es gerade einmal 23 Prozent der Menschen, die eine Erbschaft erwarten. Verglichen zum Beispiel mit Baden-Württemberg – da sind es 34 Prozent oder im Saarland 37 Prozent. Da sieht man einfach, dass das Thema Erbe doch etwas vergleichsweise Seltenes ist in Sachsen."

Sachsen fehlen Immobilien

Eine Spielzeugfigur sitzt, im Rollstuhl, im Vorgarten eines Spielzeughauses, dass auf Geldscheinen steht.
Den Sachsen fehlt das Eigenheim. Das macht einen Großteil der Erbmasse in den anderen Bundesländenr aus. Bildrechte: IMAGO

Ein Grund: Wo Einkommen gering sind, wird weniger gespart, folglich auch weniger vererbt. Entscheidend ist aber auch: Hohe Erbschaften entstehen vor allem durch Immobilienbesitz. Und nur wenige Sachsen haben es geschafft, sich ein Häuschen oder eine Wohnung zuzulegen. Das gilt auch im ostdeutschen Vergleich, sagt der Wirtschaftsforscher Reiner Braun.

Die Wohneigentumsquote bei den heute 40- bis 49-Jährigen liege im bundesweiten Durchschnitt bei 51 Prozent. Thüringen liege da genau auf dem bundesweiten Durchschnitt. Aber Sachsen liege mit 37 Prozent immer noch deutlich hintendran. Andere ostdeutsche Länder wie Brandenburg haben zum Beispiel schon 48 Prozent oder Sachsen-Anhalt 50 Prozent.

Woran der sächsische Rückstand liegt, kann Braun nur vermuten: Der Sachse lebe häufig in Städten. Dort sei die Eigentumsquote traditionell niedriger als auf dem Land. Fest steht: Sollen die Erbschaften steigen, müssen die Vermögen rauf.

Und hier fordert Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ein Umdenken in der Politik. "Es ist so, dass der Staat zum Beispiel die Riesterrente fördert, die bekanntermaßen aber sehr geringe Renditen erzielt. Und es wäre besser, zielgerichtet eine Vermögensbildungspolitik zu betreiben, die vor allem die breite Masse der Bevölkerung in die Lage versetzt, Vermögen effektiv und auch effizient aufzubauen."

Staatsfonds als Ausgleich?

Grabka findet einen Staatsfonds eine gute Idee, der breit investiert und an dem sich Bürger beteiligen können. In Norwegen erziele ein solcher Fonds trotz Niedrigzinsen fünf Prozent Rendite. Doch zu viel Vermögen ist am Ende vielleicht auch nicht gut.

Wo viel vererbt wird, gibt es viel Ärger, sagt Holger Geißler: "Wir haben auch gefragt, ob man denn Fälle kennt, wo ums persönliche Erbe gestritten wird. Im Saarland sind es 62 Prozent, in Bayern 58 Prozent. Und in Sachsen sind es gerade einmal 46 Prozent." Denn der Sachse, der hadd ja nüscht. Dafür bleibt er meist friedlich.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.06.2017 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 15:55 Uhr

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8 Kommentare

19.06.2017 18:54 jackblack 8

Ich war schon in 50 Ländern, habe aber kein Wohneigentum, liege aber auch keinem auf der Tasche, jeder kann doch mit seinem Geld machen was er will, übrigens kann man nach dem Tod nicht mehr verreisen, als genieße ich JETZT

19.06.2017 16:24 Fragender Rentner 7

Jeder DDR-Bürger sollte mindestens 4.000,- Mark erhalten wenn die DDR abgewickelt werden sollte.

Es war von höheren Summe die Rede.

Wäre ein schönes Erbe.

Nach der Wahl im März 1990 war das Thema sehr schnell vom Tisch.

Dann kam die Treuhand und was hat die uns vererbt?

19.06.2017 16:13 ausLinden 6

Ich,Westdeutscher aus Niedersachsen wird auch nichts erben,wer ist so gut und vererbt mir auch eine Kleingkeit?

19.06.2017 12:57 Gaihadres 5

Der Beitrag ist zu undifferenziert. Wie Nr. 2 korrekt anmerkt leben in Sachsen viele ehemals Vertriebene bzw. deren Nachfahren. Diese haben zu DDR Zeiten bei sehr niedrigen Mieten und fehlenden Wohnraum eher weniger Eigentum zugelegt. Was auch an der schwierigen Versorgung mit Baustoffen lag und dem kollektivistischen Gedanken widersprach. Nach der Wende bezogen viele Sachsen hohe Renten bei moderaten Mieten und in den 90igern gingen viele junge Menschen gen Westen. Sind in der Studie diese Faktoren berücksichtigt @MDR? @Nr. 1: ich nehme an, dass ihre Bekannten etc. erst nach 2005 Rentenbezieher wurden? Urlaub ist eher kein guter Indikator für eine wirkliche Beurteilung. Ich hab selbst gern auf Urlaub verzichtet, um mir von der Ersparnis Wohneigentum zu kaufen. Reisen kann ich später auch noch. Es ist besser nur die wiederkehrenden Fixkosten mit dem regelmäßigen Einkommen zu vergleichen, um eine Sparquote zu ermitteln. Urlaube sind da - genau wie größere Anschaffungen - eher Ausreißer.

19.06.2017 12:08 dmehl 4

Das Problem ist: viele Menschen sind hierzulande nicht arm, sie haben aber eben auch nichts / nichts mehr (kein nenneswertes Vermögen, nicht einmal die "eigenen vier Wände" sind die eigenen vier Wände). Deshalb gibt es auch nichts zu vererben. Hinzu kommt, das sie in Entscheidungen nicht einbezogen werden (Stichwort: Volksabstimmungen auf Bundesebene) oder einfach übergangen werden (Stichwort: Bewältigung der Flüchtlingskatastrophe).
Zusammengefasst: Ich habe hier nichts zu sagen und mir gehört hier auch nichts.
Und das hat dann eben auch Folgen:
Warum sollte ich dann z.B. an Wahlen teilnehmen oder mich ehrenamtlich engagieren ?
Und nein, das hat nichts mit den "JammerOssis" zu tun, die obige Beschreibung trifft auch auf viele Menschen in den westlichen Bundesländern zu.

19.06.2017 12:01 Pattel 3

Alles richtig,dafür hab ich ein sozialistisches Erbe.
Nein im Ernst es ist so, aber ich gönne jedem das Erbe egal wie und was.
Ich kenne keinen Neid etc.lebe somit ruhig und zufrieden ......

19.06.2017 09:56 Burkhard 2

In Sachsen leben viele Vertriebene bzw. Nachfahren von Vertriebenen. Was enteignet wurde, kann nicht vererbt werden.

19.06.2017 09:24 Jale 1

Ich bin Sachse und mir fallen aus meinem Bekannten-, Freundes- und Familienkreis fast nur Menschen ein, die eine niedrige Rente beziehen und sehr sparsam leben müssen, oder Menschen, die noch arbeiten gehen und eine Rente zu erwarten haben, die sie dann zum Sozialamt zwingt. Familien können sich kaum Urlaube leisten, leben im Prinzip "von der Hand in den Mund". Etwas zu vererben haben hier scheinbar nur Menschen, die keine Kinder haben! Das ist mein (trauriger) Eindruck.