Das umgeknickte 95 Meter hohe Windrad im Windpark Sitten bei Bockelwitz (Sachsen)
Umstürzende Windräder sind nicht nur schlecht für das Image der Windenergie, sondern auch gefährlich. Bildrechte: dpa

Windkraft Umgestürzte Windräder geben Rätsel auf

Umgekippte Windkrafträder, abgebrochene Rotorblätter - so etwas hat es zuletzt vermehrt in Norddeutschland gegeben. Aber auch in Thüringen und Sachsen gab es ähnliche Fälle. Der TÜV sieht die Betreiber in der Pflicht. Die sprechen allerdings von Ausnahmen.

von Ben Hänchen, MDR AKTUELL

Das umgeknickte 95 Meter hohe Windrad im Windpark Sitten bei Bockelwitz (Sachsen)
Umstürzende Windräder sind nicht nur schlecht für das Image der Windenergie, sondern auch gefährlich. Bildrechte: dpa

Die Ingenieure von 8.2 Consulting bearbeiten die zurückliegenden Fälle der umgestürzten Windräder. Allein der Sachschaden beträgt jedes Mal rund eine halbe Million Euro. Die letzten Vorkommnisse seien zu viele in zu kurzer Zeit gewesen, sagt Firmensprecher Philipp Stukenbrock.

Laut dem Experten sind vor allem Ermüdungserscheinungen des Materials, wie Brüche und Korrosion an Verbindungsstücken, problematisch. Zu alt seien die Windräder nicht, glaubt Stukenbrock. Sie müssten nur regelmäßig von unabhängigen Experten und Fachpersonal begutachtet werden. Dann gebe es normalerweise keine Probleme. "Wir sind dabei, das Risiko abzuschätzen und herausfinden, inwieweit das auch für andere Anlagen gilt."

TÜV sieht Betreiber in der Pflicht

Das umgeknickte 95 Meter hohe Windrad im Windpark Sitten bei Bockelwitz (Sachsen)
Auch in Bockelwitz (Sachsen) stürzten Windräder um. Bildrechte: dpa

Darauf achtet auch der TÜV. Bereits vor dem Bau prüft er einerseits die Anlagen und andererseits auch den Standort, also die dortigen Windgeschwindigkeiten, das Bodenfundament oder Umwelteinflüsse. Auch wenn ein Windrad bereits steht, gibt es regelmäßige Kontrollen - anfangs alle vier Jahre, später immer öfter.

Jedes Mal werde dabei auch die Standfestigkeit überprüft, sagt Jen Kulenkampff, Windenergie-Experte vom TÜV Rheinland. Nach den letzten Vorfällen dürfte das besonders eine Rolle spielen. Eine erhöhte Schadenshäufigkeit gebe immer Anlass, genauer hinzuschauen. "Nicht jeder Betreiber kommt seinen Pflichten immer hundertprozentig nach." Wenn ein Betreiber seine Anlage auf Verschleiß fahre, erhöhe er damit die Havariewahrscheinlichkeit. Trotzdem sei man in Deutschland bei der Genehmigung und den Anforderungen an den Betrieb gut organisiert, sagt Kulenkampff.

Ausnahmen statt Regel

Die Betreiber selbst haben ein Interesse daran, dass die aktuellen Vorfälle aufgeklärt werden, schon allein wegen der hohen Kosten. Wolfram Axthelm vom Bundesverband WindEnergie hängt die Fälle der vergangenen Wochen allerdings nicht zu hoch. "Es gibt 26.560 Anlagen in Deutschland. Davon brechen oder kippen vielleicht zwei oder drei im Jahr."

Axthelm zufolge kann man nicht von einer Regel sprechen. Auch seien keine bestimmten Anlagentypen betroffen, noch sei das Alter ausschlaggebend. Axthelm vermutet stattdessen individuelle Ursachen. Die Versicherungspolicen für solche Schäden seien überschaubar gering. "Daran sieht man auch, dass das Risiko sehr gering ist." Trotzdem läuft die Fehleranalyse auch bei den Betreibern auf Hochtouren. Denn einstürzende Windräder sind auch schlecht für das Image der Windenergie.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 05.01.2017 | 05:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Januar 2017, 15:46 Uhr

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13 Kommentare

06.01.2017 17:30 Wieland der Schmied [2285:412] 13

@ 11 Waldfee > Absolut treffend. Wie widersinnig die Wind- und Solarstromerzeugung ist, erkennt man, wenn man weiß, dass Erzeugungsspitzen des Stroms in lastschwachen Zeiten gnadenlos in die Nachbarländer gedrückt werden, und damit diese nicht aufmucken, bezahlt man ihnen die Abnahme. Also verkehrte Welt. Für das neue Jahr verlangt man von mir gegenüber dem alten Kilowattstundenpreis 16,7% mehr, weil man gewerbliche Verbraucher von der Preissteigerung berfreit hat, weil sie mit Produktionsverlagerung gedroht haben. Hier läuft alles schief!

06.01.2017 17:02 ProNatur 12

Wer lieber ein AKW oder ein schönes Braunkohlekraftwerk in seiner Nähe hätte, kann sich nun gern melden. Schonmal überlegt, was bei einer Panne im Kraftwerk mit den Vögelchen und Menschen passieren würde?

06.01.2017 16:24 Waldfee 11

Solange das Volk wie in "des Kaisers neue Kleider" diese Windmühlen gedankenlos umjubelt, und gar nicht merkt, dass sie keinen Beitrag für die Klimarettung bringen, hunterttausende Vögel und Fledermäuse vernichten, Landschaften und Wälder zerstören, wird es nicht bemerken,
dass der Kaiser "nackt" ist.

06.01.2017 11:36 Wieland der Schmied [2285:412] 10

Mein Wohnort ist von Windrädern umzingelt. Da ich einen starken Rückgang von Zugvögeln wie Mauerseglern , Bachstelzen und Rotschwänzchen , sowie von Fledermäusen beobachte und die Baumläufer ganz ausgerottet sind, habe ich den NABU befragt. Sie bejahten meine Beobachtungen, wollen aber mit Projekten diesem Rückgang entgegenwirken, sagten sie und baten um eine Spende. Ich ging wortlos und desillusioniert!

05.01.2017 21:08 Brennabor 9

Vielleicht sollte man sich mal an alten Windmühlen
etwas abschauen ?!?

05.01.2017 20:38 Purzel 8

Die Windräder die in Flammen standen und abgebrannt sind sollte man nicht vergessen!

05.01.2017 18:32 Klaus 7

Das Problem der heutigen Zeit: es muss alles kosteneffizient sein. Immer noch ein Stück mehr rausholen, immer billiger, immer dünner. Nicht dass man etwas nimmt, was hält, nimmt man etwas, was gerade hält. Irgendwann fällt hier alles um, weil: immer schneller, immer länger, immer dünner, immer preiswerter, immer mehr Gewinne usw.

05.01.2017 16:24 Eulenspiegel 6

"Es gibt 26.560 Anlagen in Deutschland. Davon brechen oder kippen vielleicht zwei oder drei im Jahr." Ich denke das ist nicht viel und mit ein paar zusätzlichen Stabilisatoren lässt sich das noch deutlich verringern. Da ist ganz eindeutig der TÜV in der Pflicht denn das müsste genauer analysiert werden. Die tatsächlichen Gefahren sind da aber wohl eher gering. Schließlich ist so ein Windrad kein AKW.

05.01.2017 12:28 Rotormann 5

Jeder Segelflieger weiß, daß Tragflächen aus GFK regelmäßig sorgfältig gewachst und poliert werden müssen. Dadurch kann verhindert werden, daß durch Mikrorisse Feuchtigkeit eindringt. Diese verursacht im Endeffekt eine Schwächung der Struktur. Bricht ein Rorblatt ab, sind die Folgen klar. Erst vor kurzem habe ich während eines Spaziergangs unter Windrädern gedacht: Stumpfe Oberfläche, keine Pflege, wie lange geht das noch?

05.01.2017 12:18 Cornelia 4

Mir stellt sich die Frage nach der Qualität der Überprüfung durch Sachverständige. Die Anlage bei Leisnig, war laut Berichterstattung im Sommer 2016 überprüft worden. O . B. Gekippt ist sie trotzdem.