Grabstein mit Zierrose aus Kupfer.
Über das Internet bieten polnische Steinmetze günstigere Grabsteine an. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Letzter Gruß aus Polen Steinmetze ärgern sich über Konkurrenz aus Osteuropa

Bestattungen sind eine teure Sache. Für eine Beisetzung können einige tausend Euro zusammenkommen. Da viele Menschen nur wenig vererben, suchen Angehörige oft nach günstigeren Lösungen. Und die gibt es auch für Grabsteine. Im Internet werben mehrere Firmen für Grabsteine aus Polen. Die Kosten: Angeblich nur halb so hoch wie in Deutschland. Doch darf man die einfach so auf deutsche Friedhöfe stellen? Und was sagen Steinmetze dazu?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Grabstein mit Zierrose aus Kupfer.
Über das Internet bieten polnische Steinmetze günstigere Grabsteine an. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine prägnante Internetadresse ist ja manchmal die beste Werbung. Grabmale-billig.de führt zur polnischen Firma Ramzes. Sie fertigt Grabsteine für Deutsche. Die gewünschte Beschriftung schickt man über das Internet, der fertige Stein kommt per Transporter zum Friedhof. Auch andere polnische Firmen bieten diesen Service an.

Zweifel am Schnäppchen

Die deutschen Steinmetze ärgert das. Frank Schuster, Landesinnungsmeister in Sachsen-Anhalt, bezweifelt, dass die polnischen Steine wirklich günstiger sind: "Sie bekommen weder eine fachliche Beratung noch haben Sie die Aufstellungsgebühren auf dem Friedhof mit im Hinterkopf. Und Sie haben natürlich das Problem, wenn sie mal so einen Stein nachbeschriften wollen, werden Sie bestimmt Schwierigkeiten bekommen, jemanden zu finden, der Ihnen den Stein mit einem zweiten Namen versieht."

Geschäft der Steinmetze in Gefahr

Ob das so ist, lässt sich schwer sagen. Denn von fünf angefragten polnischen Firmenchefs wollte keiner vor unser Mikrofon. Einer schrieb, er habe genug Aufträge. Ein anderer äußerte die Sorge, er werde verklagt. Tatsächlich hat der Bundesverband Deutscher Steinmetze an die Konkurrenz Abmahnungen wegen unlauterer Werbung verschicken lassen.

Andreas Hellbach vom Verbraucherverband Aeternitas überrascht das nicht: "Die Steinmetzbranche ist seit vielen Jahren massiv in Aufruhr, einfach durch den Trend zur Feuerbestattung, durch den Trend zu kleineren Gräbern, zu Gräbern, die keine Grabmale mehr benötigen. Dadurch ist natürlich das Geschäft in Gefahr. Und da kann ich mir auch vorstellen, dass es Vorbehalte gegen osteuropäische Steinmetze gibt."

Friedhöfe entscheiden selbst

Friedhof Görlitz
Nur wenige Grabsteine aus Polen stehen momentan auf deutschen Friedhöfen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Noch sind Grabsteine aus Polen auf deutschen Friedhöfen aber selten. Ob man sie aufstellen darf, regelt jeder Friedhof selbst. In Leipzig ist es zumindest möglich, sagt Volker Mewes, Chef der Friedhofsverwaltung: "Da macht die Friedhofssatzung Leipzig keine Vorgaben, dass es aus einem bestimmten Land kommen darf oder nicht kommen darf. Einzig die Aufstellung und die Materialien, die verwendet werden dürfen, also neben dem Stein auch Holz, Keramik, Metall und auch die Größe der Grabmale ist festgeschrieben."

Verankerung durch Fachpersonal

Die Aufstellung könnte für Internetkäufer allerdings zum Problem werden. Kleine sogenannte Kissensteine kann man mit Genehmigung meist einfach ablegen. Klassische Grabtafeln müssen dagegen fachmännisch im Boden verankert werden, sagt Torsten Barthel, Anwalt für Bestattungsrecht: "Es gibt die technische Anleitung über die Standsicherheit von Grabmalanlagen. Und dort ist eine jährliche Standsicherheitsüberprüfung nach Ablauf der Frostperiode, sprich im April, Mai, Juni vorgesehen. So dass auf fast allen deutschen Friedhöfen die Friedhofsverwalter Grabsteine prüfen und zwar sämtliche Grabsteine."

Wenn der polnische Grabstein wackelt, muss Hilfe her. Diese kann jeder Steinmetz leisten. Wie der regionale Fachbetrieb aber reagiert, wenn man ihn bittet, das polnische Internetschnäppchen zu richten, ist unklar. Womöglich beißt man mit der Anfrage dann sprichwörtlich auf Granit.  

Über dieses Thema berichtet MDR auch im: Radio | 18.09.2017 | 08:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2017, 11:47 Uhr