Rauch über dem Spielfeld bei der Begegnung Hansa Rostock gegen den 1. FC Magdeburg
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rassismus im Fußballstadion Warum müssen Vereine für Fehlverhalten der Fans Strafe zahlen?

Unter den zigtausend Fußballfans, die deutschlandweit jedes Wochenende für Stimmung sorgen, sind auch immer wieder einige Chaoten, die Böller werfen, rassistische Lieder anstimmen oder im schlimmsten Fall sogar gewalttätig werden. Das DFB-Sportgericht verhängt daraufhin Strafen gegen die Vereine. In der vergangenen Saison kamen 1,4 Millionen Euro zusammen. Das hat unseren Hörer Torsten Marx aus Dresden zu folgender Frage veranlasst: "Warum müssen Fußballvereine Strafe an den DFB bezahlen, wenn die eigenen Fans rassistische Gesänge anstimmen oder Affenlaute von sich geben, obwohl der Verein dafür nichts kann?". Wir haben uns auf die Suche nach einer Antwort gemacht.

von Peer Vorderwülbecke, MDR INFO

Rauch über dem Spielfeld bei der Begegnung Hansa Rostock gegen den 1. FC Magdeburg
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Zuallererst muss man klarstellen, dass es sich bei den Strafen gegen die Fußballvereine nicht um Straf- oder Zivilrecht handelt, sondern um Sportrecht. Dieser Sportgerichtsbarkeit haben sich alle Profivereine freiwillig unterworfen, sonst dürften sie im deutschen Profifußball gar nicht mitspielen. Stefan Oberholz ist oberster Sportrichter im Nordostdeutschen Fußballverband und im Hauptberuf Richter am Landgericht Leipzig. Mit der Rechtslage ist er bestens vertraut: "Die Verbände sind durch das Grundgesetz geschützt. Sie haben eine gewisse Selbstregulierungsbefugnis, sie können sich auch ihr eigenes Recht setzen. Das dürfen sie, solange rechtsstaatliche Grundsätze nicht dadurch verletzt werden."

Das Sportrecht kennt die "Verschuldensunabhängige Haftung", die im Paragraph 9a der Rechts-und Verfahrensordnung des DFB geregelt ist. Demnach sind Vereine nicht nur für das Verhalten ihrer Spieler und Mitarbeiter verantwortlich, sondern auch für das Verhalten der Zuschauer. Der Verein haftet vor, während und nach dem Spiel für Zwischenfälle jeglicher Art.

Mehr Sanktion als Strafe

Das ist die sportrechtliche Grundlage für die Strafen gegen Vereine, wenn die Fans sich daneben benehmen. Für Sportrichter Oberholz sind das aber keine Strafen, sondern Sanktionen, das bedeutet: Sie sollen zukünftige Vergehen verhindern. "Die Sanktionen, die wir in solchen Fällen gegen die Vereine verhängen, sind eine Zurechnung an den Verein, weil wir die einzelnen Fans nicht kennen, nicht an sie herankommen und diese letztendlich nicht sanktionieren können mit unseren Möglichkeiten als Verband."

Das Stadion als rechtsfreier Raum?

Schützt die Masse der Fans also den Täter vor seiner Bestrafung? Wird der Einfachheit halber der Verein belangt, selbst wenn die Fans rassistische Lieder anstimmen? Ein Vergehen, das kein Verein durch Kontrollen verhindern kann. Ist das Stadion also ein rechtsfreier Raum? "Natürlich ist das Stadion kein rechtsfreier Raum, allerdings sind Fanbereiche mittlerweile so autonom geworden, dass es durchaus schwierig ist, Einzelne dort herauszuholen. Das ist sehr gefährlich und deswegen wird es häufig nicht gemacht. Umso wichtiger ist die Täterermittlung im Nachgang", erklärt Oberholz. Dass tatsächlich aber Fußball-Straftäter ermittelt werden und diese dann auch noch die DFB-Strafe aufgebrummt bekommen – das sei eher selten.

Änderungen möglich - aber bitte im Konsens!

Ein Sportgerichtsurteil ist in der Bundesligageschichte übrigens noch nie von einem ordentlichen Gericht überprüft worden. Dynamo Dresden war mal kurz davor, ist dann aber doch zurückgeschreckt. Der neue Geschäftsführer Robert Schäfer akzeptiert das geltende Sportrecht: "Wenn wir daran Änderungen herbeiführen wollen, dann müssen wir das gemeinsam mit dem Fußball tun, zusammen mit der Fußballfamilie. Das geht aber nur im Konsens, weil diese eigene Welt, dieses eigene Fußball-Familienleben muss man durch Konsens lösen und nicht durch Klagen."

In der Fußballfamilie klagt man also nicht – auch wenn es dafür durchaus Ansatzpunkte gibt. Professor Wolf-Dietrich Walker ist Professor an der juristischen Fakultät der Universität Gießen und befasst sich schon lange mit der Sportgerichtsbarkeit. Sanktionen wie Geisterspiele oder Ausschluss aus einem Wettbewerb hält er für gerechtfertigt, weil da tatsächlich die Fans getroffen werden und von einer abschreckenden Wirkung ausgegangen werden kann. Bei reinen Geldstrafen sieht er das nicht, "weil mit Geldstrafen nur ein bisheriges Verhalten sanktioniert wird, obwohl damit für die Zukunft gar kein Einfluss auf das Funktionieren des Wettbewerbs genommen werden kann. Das zeigen alle Strafen, die in der Vergangenheit verhängt wurden. Und das ist genau der Punkt, warum ich diese verschuldensunabhängigen Geldstrafen als rechtlich problematisch ansehe."

Randale für den guten Zweck

Die Grundsätze des Rechtstaates sind eben auch die Grenzen des Sportrechts. Es gäbe also Ansatzpunkte, um die verschuldensunabhängige Strafe vor einem ordentlichen Gericht überprüfen zu lassen, so Walker. Ein Verein, der das wirklich durchzieht, ist allerdings nicht in Sicht. So bleibt auf jeden Fall ein positiver Effekt der Geldstrafen: Die Strafzahlungen von über einer Million Euro verteilt der DFB zum Jahresende immer an gemeinnützige Stiftungen.

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2016, 10:45 Uhr

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14 Kommentare

19.01.2016 02:50 wolle1 14

@13 Genau das hab ich auch gedacht. Freiwillig einem Zwang unterwerfen. Die alten Knacker vom DFB sind doch gegen die Wand gelaufen. Weiterhin macht es keinen Unterschie ob ein Verein sanktioniert oder bestraft wird. Anwaltliches Geschwafel , mehr nicht. Und der DFB macht es sich auch hier ganz einfach und das in einer Zeit wo Videoueberwachung Alltag ist. Aber den Verein abzocken ist ja so einfach. DFB ist auch einfach, einfach billig

18.01.2016 21:26 der Pate 13

" Zuallererst muss man klarstellen, dass es sich bei den Strafen gegen die Fußballvereine nicht um Straf- oder Zivilrecht handelt, sondern um Sportrecht. Dieser Sportgerichtsbarkeit haben sich alle Profivereine freiwillig unterworfen, sonst dürften sie im deutschen Profifußball gar nicht mitspielen. " Das alleine ist der Sumpf, der trocken gelegt werden muss!!! Sonst wird sich nie was ändern.

18.01.2016 17:06 Gero 12

Warum da wohl einer aus Dresden fragt. Reiner Zufall, bestimmt....

18.01.2016 16:42 Honk 11

Fußballmafia DFB Braucht ja viel Geld, Um sich die Taschen voll zu machen, Chaoten gibt es in jedem Verein,

18.01.2016 16:13 tom 10

@Stefan T: für einen geistreichen und inhaltlichen Beitrag wär dir die Community sicher dankbar. Ansonsten einfach wieder hinlegen.

18.01.2016 16:12 Mike 9

In halle gingen heimkarten an magdeburger. Immer wieder kaufen sich heimfans karten für den gästebereich und andersherum, weil man so eher an karten kommt. Kann doch genauso gut einer von denen gerwesen sein. Also ein gehnerischer fan.

18.01.2016 14:17 Stefan T 8

@7. Alex: Propagandabeiträge wie dieser von Ihnen sind sehr lachhaft.

18.01.2016 13:32 Alex 7

hihi "rassistische Gesänge" - diejenigen die festlegen was "rassistisch" ist, folgen zumeist einem kruden Weltbild nach dem alle Völker und Identitäten zu einer braunen und gleichgeschalteten Einheitsmasse verschmelzen sollen. Propagandabeiträge wie dieser sind sehr lachhaft.

18.01.2016 13:13 wally 6

Und...was für eine Strafe haben die Männer in das Bild bekommen? deswegen hört es nicht auf

18.01.2016 13:11 RW 5

Lieber Torsten, Wechsel doch bitte wieder zu einem höherklassigen Verein, dann bist Du mit Training ausgelastet und kommst nicht auf solche Fragen ;-) Nichts gegen Gelb Weiß Görlitz, ganz im Gegenteil, aber warum spielst Du mit deinem Potential nicht in der Regionalliga??! Grüße

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