Ein Paar küsst sich vor der untergehenden Sonne
Wie die Liebe so die poltische Einstellung? Eine Umfrage legt das nahe. Bildrechte: dpa

Studie von Dating-Portal Wie man wählt, so liebt man?

Sind Wähler der Grünen in Beziehungsfragen offener als die der CDU? Eine Umfrage des Dating-Portals Elitepartner legt das nahe - und stellt noch ganz andere Thesen auf. Parteienforscher halten die Aussagen dagegen für nicht besonders belastbar.

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Ein Paar küsst sich vor der untergehenden Sonne
Wie die Liebe so die poltische Einstellung? Eine Umfrage legt das nahe. Bildrechte: dpa

Jeder vierte FDP-Wähler geht fremd, Linke-Wähler stehen auf Handwerker und für SPD-Wähler ist Freundschaft wichtiger als Sex. Diese Thesen legt eine Studie von Elitepartner nahe. Aber wie hilfreich sind diese Erkenntnisse für die Kunden?

Anna Kuchenbecker, Sprecherin von Elitepartner, beteuert: "Die politische Einstellung eines Menschen hat natürlich total viel mit seinen Werten und seiner allgemeinen Lebenshaltung zu tun." Die Wertehaltung, die jeder Mensch habe, spiele in allen Lebensbereichen eine Rolle. "Natürlich auch bei dem zentralen Lebensthema Liebe und Partnerschaft", sagt Kuchenbecker.

Zusammenhang zwischen Politik und Beziehung fraglich

Die Untersuchung basiert auf Dutzenden Fragen, die Elitepartner in einer Online-Umfrage an 6.500 Menschen gestellt hat: Ob sie heiraten und Kinder wollen, wo sie überall schon Sex hatten oder ob sie zu einer Paartherapie gehen würden - und: Was ihre Lieblingspartei ist.

Aber sind diese Fragestellungen und Schlussfolgerungen überhaupt sinnvoll? Hendrik Träger, Politikwissenschaftler an der Uni Leipzig, ist extrem kritisch:

Da werden zwei Sachen - Politik und Beziehungsleben - in einen Topf geworfen. Dann wird einmal kräftig umgerührt und so getan, als ob das beides zusammenpasst.

Hendrik Träger, Politikwissenschaftler
Dr. Carla Thiele
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Sexualtherapeutin und "MDR um 4"-Liebes-Expertin Dr. Carla Thiele hat für uns häufige Sex-Mythen bewertet.

Do 16.02.2017 12:32Uhr 00:24 min

http://www.mdr.de/riverboat/video-83438.html

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Was hat Sex mit Parteien zu tun?

Aus der Umfrage ergebe sich kein kausaler Zusammenhang zwischen Politik und Beziehungsleben, meint Hendrik Träger. Aus wissenschaftlicher Sicht sei das ein Problem: "Beispielsweise wird die Frage, ob man schon mal ein sexuelles Erlebnis im Auto oder im Flugzeug hatte mit der jeweiligen Lieblingspartei zusammengebracht." Das klinge, als ob man von der Partei, die jemand wählen würde, auf dessen Beziehungs- oder Sexualleben Rückschlüsse ziehen könne. "Das geht aus meiner Sicht nicht", sagt Träger.

Grüne sind zur Paartherpie bereit, AfD-Wähler eher nicht

Das sieht Anna Kuchenbecker von Elitepartner ganz anders. Sie ist überzeugt, dass sich die jeweiligen Grundwerte der Parteien im Liebesleben widerspiegeln - wie sehr, das habe sie hinterher selbst überrascht.

CDU-Anhänger lieben tatsächlich eher konservativ, die Grünen sind dagegen liberaler und recht offen.

Anna Kuchenbecker, Sprecherin von Elitepartner

Das äußere sich in ganz konkreten Dingen, wie der Bereitschaft zu einer Paartherapie: "Grüne signalisieren da eine Offenheit. Dagegen lehnen das viele AfD-Wähler total ab."

Hendrik Träger kritisiert solche Schlüsse: Würde die Umfrage bis zur Bundestagswahl regelmäßig wiederholt, könnte man zum Beispiel jedes Mal eine neue Partei angeben. "An meinen Einstellungen zum Beziehungsleben oder zu sexuellen Präferenzen ändert sich in den Monaten aber nicht so sonderlich viel", sagt Träger. Er hält die Studie für nicht besonders belastbar.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 25. Februar 2017 | 5:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2017, 11:03 Uhr

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11 Kommentare

25.02.2017 00:02 Querdenker 11

An Schwachsinn und Bevölkerungsverblödung ist das ein Höhepunkt. Na ja Werbung halt von einem „Dating-Portal“. So was ist wahrscheinlich billiger als Werbung kostenpflichtig zu schalten. Diese Studie von dem „Dating-Portal“ ist vielleicht eher was für „Fachidioten“ mit einem Mangel an Allgemeinbildung?

25.02.2017 19:00 007 10

Wie man wählt, so liebt man????

Nö so wie ich meine Schuhe putze oder meine Haare kämme so liebe ich. Hahahaha nicht zu fassen soviel ausgemachter Blödsinn ...

25.02.2017 18:46 Zitzo 9

Statistische Zusammenhänge zwischen Sexualverhalten und Parteienpräferenz sind vermutlich genauso diskriminierend wie die zwischen Nationalität und Kriminalität. Oder etwa nicht?

25.02.2017 17:28 Phrasenhasser 8

Schlimmer geht es halt immer - jetzt wird sogar noch nach sexueller Orientierung Wahlforschung betrieben... Darf hier der normale User "seinen Senf dazu geben"? Da werde ich mal meine "primitive", also studienfreie, Sicht der Dinge darlegen: Die Soliden der Gesellschaft, natürlich meine ich die mit langjährigen Bindungen und Zwangsgeschiedenen, wählen AfD, CSU und CDU, wie etwas SPD. Die mit offenen Beziehungen und gern Geschiedenen kreuzen SPD, Grüne und Linke an. Die ganz Ausgeflippten und Dauersingles wählen natürlich nur die Grünen. Ein großer Teil aller Genannten wählt aber wieder mal gar nicht...

25.02.2017 17:10 Historiker 7

Ich sehe um mich herum viele Menschen, die ihr Wahlverhalten ändern wollen. Hat sich aber nun auch das Liebesleben völlig gewandelt oder ist der Beitrag nur eine Füllung des medialen Winterlochs?

25.02.2017 14:57 Timo 6

An Absurdität sind Artikel wie diese kaum zu überbieten, eine Beleidigung mittlerer Intelligenz. Allein der Gedanke sich als sog. "Forscher" für Parteien einen Pseudo-Expertenstatus anzuheften erregt meinen Ekel.

25.02.2017 14:26 goffman 5

@ Ingo Flam 3: Die Studie hat keine Kausalitäten, sondern Korrelationen entdeckt. Und wenn in einer Statistik von Wahrscheinlichkeiten die Rede ist, dann gibt es immer auch Ausnahmen. Solche Zusammenhänge mögen für den 0815 Bürger schwer zu verstehen und vielleicht auch unwichtig sein, für Partnervermittlungen sind solche Studien aber bares Geld wert.

25.02.2017 14:12 Anne Moppen 4

Mhmm.... wenn ich lese "Jeder vierte FDP-Wähler geht fremd,... " muß ich dann zwangsläufig von der Vorstellung ausgehen, das bei der neoliberalen Politik der letzten Jahrzehnte irgendwie jede mit jedem im deutschen Bundestag schon Umgang pflegte?
Vielleicht erklärt dies ja dann auch die politische 'Einheitssoße'?

PS: Unter diesem Gesichtspunkt muß ich ehrlich zugeben: Soviel kann ich gar nicht trinken, um Politikern 'Liebreiz' abzugewinnen. :-(

25.02.2017 10:48 Ingo Flam 3

Wenn sich die Präferenz für eine Partei ändert, ändert sich dann auch das Partnerschafts- und Sexualverhalten? Oder umgekehrt, lernt ein CDU Wähler eine Paartheurapeutin kennen, wählt er dann zukünftig Grün? Aber eins ist klar, um politisch erfolgreich zu sein, muss man die Gefühle der Menschen aufgreifen und ansprechen, Fakten gewinnen selten Wahlen. Schulz hat das begriffen, Trump auch,.

25.02.2017 10:48 Bingo 2

Frage mich bei der Studie was Merkel wählt und liebt? CDU-Wähler konservativ(ich glaube das war eimal).