Ein Dönerimbiss im Stadtteil Connewitz in Leipzig ist verwüstet
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Rechte Krawalle in Connewitz Neue Erkenntnisse zu den Tätern

Ziemliche genau einen Monat sind die rechten Krawalle im Süden von Leipzig her. Am 11. Januar, dem ersten Jahrestag von Legida, zog ein Horde Neonazis durch das linksalternative Viertel Connewitz. Mit Baseballschlägern und Pflastersteinen haben die Neonazis eine ganze Straße entglast. Die Bilder eines völlig zerstörten Dönerladens gingen durch das ganze Land. Nun gibt es neue Erkenntnisse zu den Tätern.

von Ludwig Bundscherer, MDR INFO

Ein Dönerimbiss im Stadtteil Connewitz in Leipzig ist verwüstet
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Genau einen Monat nach den Ausschreitungen im Leipziger Süden leuchtet eine frische rote Schmiererei auf einer Schaufensterscheibe: "Wir werden wieder kommen und die Scheiben brechen." Außerdem ist eine 18 zu sehen, der Zahlencode für Adolf Hitler. Die Linken-Abgeordnete Kerstin Köditz findet das besorgniserregend: "Ich habe Angst. Das gebe ich offen und ehrlich zu. Ich wünsche allen viel Kraft. Ich hoffe, es lässt sich niemand einschüchtern."

"Nur" 70 Hooligans unter den Tätern

Kerstin Köditz wollte mehr zu den Täterkreisen wissen und hat eine kleine Anfrage gestellt. Immerhin hatte die Polizei in der Krawallnacht im Januar über 200 Tatverdächtige festsetzen können, angeblich rechte Fußballfans. Köditz: "Wenn man sich überlegt, dass wir hier von 215 Tatverdächtigen reden und gleichzeitig die Staatsregierung mir mitteilt, dass 70 Personen davon verschiedenen Fanszenen zuzurechnen sind, dann ist das natürlich ein ganz anderes Verhältnis, als wenn ich es von vorneherein in die Hooliganszene schiebe. Das ist ja gerade mal ein Drittel."

Laden eines Sponsors wurde zertrümmert

Die bereits polizeibekannten Hooligans gehören überwiegend den Fangruppen "Faust des Ostens" und "Scenario Lok" an. Sie können den Vereinen Dynamo Dresden und LOK Leipzig zugeordnet werden. Beide Gruppen sind offiziell längst Geschichte und Lok-Präsident Jens Kesseler geht auf Distanz: "Ich habe extra mal nachgeschaut. Fünf Prozent unserer Mitglieder stammen aus Connewitz. Man muss auch wissen, dass selbst ein Laden von einem Lok-Leipzig-Sponsor zertrümmert wurde."

Waren die Behörden nicht gewarnt?

Der Mob von Connewitz war eine Allianz aus Neonazis und Hooligans. Ein entscheidender Punkt, so Linken-Abgeordnete Köditz: "Wenn man sich überlegt, dass die Teilnehmenden aus Leipzig, aus dem Umfeld von Leipzig aber auch aus Bayern, Berlin, Sachsen-Anhalt und Rheinlandpfalz kamen, muss man wirklich von einer organisierten Geschichte ausgehen. Mich erschreckt ganz einfach, dass die sächsischen Sicherheitsbehörden dies im Vorfeld überhaupt nicht erkannt hatten."

Konzentration auf Connewitz war nicht vorhersehbar

Auf Nachfrage von MDR INFO will das sächsische Innenministerium diesen Vorwurf nicht stehen lassen. Sprecher Andreas Kunze-Gubsch: "Dass in dem Umfeld von Legida an diesem Tag rechte Gruppen anreisen würden, auch aus anderen Bundesländern, das war schon bekannt. Auch die Zusammensetzung war jetzt nicht so sehr überraschend. Das einzige was jetzt nicht voraussehbar war, dass sich das so konzentriert im Stadtteil Connewitz abspielen wird." Die Polizei konnte den Überfall auf Connewitz zwar nicht verhindern, aber die Täter schnell einkesseln. Nur darum gibt es jetzt 215 Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs. Ein Einsatzerfolg, der nach den schweren linken Krawallen im Dezember 2015 nicht gelungen war.

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2016, 16:34 Uhr