Panda Jiao Qing knabbert an Bambus
Kleiner Snack im neuen Gehege: Jiao Qing ist einer von zwei Pandas, die von China in den Berliner Zoo umgezogen sind. Bildrechte: dpa

"Rent a Panda" in Berlin Leihen sich auch andere Zoos Tiere gegen viel Geld?

Am Mittwochnachmittag haben Angela Merkel und ihr chinesischer Amtskollege Xi im Berliner Zoo offiziell zwei Pandas begrüßt. Sie wurden vor eineinhalb Wochen eigens aus China eingeflogen. Allerdings nicht geschenkt, sondern nur geliehen, für rund 900.000 Euro pro Jahr. "Rent a Panda" könnte man sagen. Aber sind solche Mietmodelle in den Zoos eigentlich üblich?

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Panda Jiao Qing knabbert an Bambus
Kleiner Snack im neuen Gehege: Jiao Qing ist einer von zwei Pandas, die von China in den Berliner Zoo umgezogen sind. Bildrechte: dpa

Dunkle holzvertäfelte Wände und alte Porträts säumen den Weg zu Jutta Heuers Büro. Von hier aus kuratiert sie keine Gemälde, sondern Bewohner für den Bergzoo Halle: "Alles, was an Tieren in den Zoo kommt und was an Tieren rausgeht, hoppelt in irgendeiner Art und Weise über meinen Schreibtisch." Von dem ist das Affengehege nur ein paar Meter entfernt. "Diese hohen Stimmen, die wir hören, das sind die Spring-Tamarine", sagt Heuer.

Tausch geht vor Kauf

Einkaufen muss Jutta Heuer sie nicht. Anders als bei den Pandas in Berlin sollten Zoos ihre Tiere nämlich dem Artenschutz zuliebe tauschen, erklärt Julia Kögler vom Verband der Zoologischen Gärten: "Die Tiere in Zoos gehören nicht mal direkt dem Zoo, sondern sie sind Teil eines Zuchtprogramms, das sogar europaweit oder international gemanagt wird. Und, kommt eine Empfehlung aus Zuchtgründen, ein Tier oder Nachwuchs in einen anderen Zoo zu versenden, geschieht das kostenfrei." Die Leihgabe aus China sei eine Ausnahme.

Die 880.000 Euro pro Jahr sollen zwar in ein Artenschutzprogramm fließen, ein ähnliches Modell verfolgt auch der Wiener Tiergarten. Kleine Zoos wie der in Halle könnten sich solche Großprojekte aber nicht leisten, sagt Biologin Jutta Heuer: "Natürlich verkaufen wir auch mal eine Zwergziege an privat oder ein Rind oder Lama, wenn es eine gute Haltung ist." Es bringe ein bisschen Geld ein, aber das sei lächerlich.

Tiertransport kommt Zoos teuer

Wenn die Tiere etwas kosten würden, dann beim Transport. Über den entscheidet aber nicht der Zoo, sondern der sogenannte Zuchtbuchführer: "Wenn der also sagt, der Elefant soll nach Lissabon, kostet das 10.000 Euro." Die Europäischen Erhaltungsprogramme wollten kein Mietmodell à la "Rent a Panda", beteuert Julia Kögler vom Zooverband.

Tier-Sharing liegt im Trend

Eher ein kostenloses Sharing-Modell: "Das sind Datenbanken im Grunde, in denen jedes Tier inklusive seiner veterinärmedizinischen Vergangenheit, seinem Verwandtschaftsgrad, seinen Eltern und seinem Zustand beschrieben ist. Es ist also eine sehr aufwendige Datenbank. Anhand dieser Datenbank kann der verantwortliche Koordinator Tiere auswählen."

Dem Deutschen Tierschutzbund gehen diese Bemühungen zum Arterhalt nicht weit genug. Die Berliner Riesenpandas brächten dafür nur wenig und seien viel zu teuer. Allein ihr neues Gehege hat zehn Millionen Euro gekostet.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 06.07.2017 | 06:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juli 2017, 10:48 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

07.07.2017 18:24 Claudia Goldner 4

"Anders als bei den Pandas in Berlin sollten Zoos ihre Tiere nämlich dem Artenschutz zuliebe tauschen", erklärt Julia Kögler vom Verband der Zoologischen Gärten.

Nein, Zoos "sollten" nicht tauschen, wie Frau Kögler irreführenderweise sagt, sie müssen. Den Regularien des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) von 1973 zufolge
dürfen Tiere bedrohter Arten über Ländergrenzen hinweg nur gehandelt, gemakelt oder von Zoos untereinander getauscht werden, wenn kein kommerzielles Interesse damit verfolgt wird, sprich: wenn (offiziell zumindest) kein Geld fließt. Sowohl China als auch Deutschland (hier: der Zoo Berlin) haben sich mit der Verpflichtung zur Zahlung von 1 Mio US$ pro Jahr eines Verstoßes gegen die CITES-Bestimmungen schuldig gemacht.

06.07.2017 17:02 Barbara D. 3

Da kann man nur noch mit den Kopf schütteln , normal ist das nicht mehr . Ich hätte die Politiker verklagt, wegen Geldverschwendung. Wie gesagt für unsere Kinder ist kein Geld da und die Rentner warten heute noch auf ihre Anpassung an die Westrente . Diese Politiker kann man wirklich nicht wählen . Ja ja Frau Merkel werden sie schon zu alt für die Politik ---wir machen uns einen guten Namen , aber nicht mit Bärchen .

06.07.2017 15:42 Michael Möller 2

ich würde behaupten das ist ein Skandal sonders gleichen, für unsere Kinder ist kein Geld da angeblich ,für Renter das gleiche und auch für Beschäftigte die noch aufstocken müssen ist angeblich nichts da ,aber für leihgaben haben wir auf einmal Geld. und das auch noch wo Berlin mit Milliarden bei den geldgebern in der Kreide steht. aber das bringen ja auch nur unsere Politiker zustande. wer diese noch wählt ist selber schuld kann ich da nur sagen.

06.07.2017 15:23 B 1

Berlin hat es doch , Millionen schulden, aber sich so etwas leisten, so wie die Sachsen heute arbeiten so leben die Berliner morgen, klasse......... war schon zu DDR- Zeiten so.