Gefährlicher Waldspaziergang Plötzlich im Kugelhagel

Ulrike Pondorf war im Wald bei Jena unterwegs und dann passierte es: "Ich bin mit meinem Sohn joggen gewesen, von der Jenaer Kunitzburg zum Jenzig, und wir fanden uns plötzlich inmitten von Kugelhagel und Hundegebell wieder, worauf wir Reißaus nahmen. Es gab keinerlei Warnhinweisschilder oder Absperrungen, dass hier eine Treibjagd stattfindet. Und deshalb meine Frage, wie kann abgesichert werden, dass man nicht plötzlich in eine solch gefährliche Situation gerät?"

von Frank Ludwig, MDR INFO

Zwischenfälle mit Unbeteiligten sehr selten

Zunächst einmal eine beruhigende Nachricht: Die Wahrscheinlichkeit, als Erholungssuchender im Wald durch Jagd oder Jäger Schaden an Leib oder gar Leben zu nehmen, ist sehr, sehr gering. Statistisch gesehen jedenfalls ist das Wandern im Wald zehn Mal gefährlicher. Todesfälle gab es in den letzten 15, 20 Jahren wohl insgesamt nicht mehr als fünf oder sechs. Genaue Statistiken dazu hat freilich nicht einmal das zuständige Bundesamt. Zudem sind von Jagdunfällen Betroffene höchst selten Unbeteiligte, sondern in aller Regel die Jagdteilnehmer selbst.

Wald größtenteils im Privatbesitz

Wald, zum allergrößten Teil übrigens Privatbesitz, sei nicht nur Erholungsgebiet, erklärt Jörg Feigel von der unteren Forstbehörde der Stadt Jena und zuständig auch für jenes Waldstück, in dem MDR-INFO-Hörerin Pondorf ihre unliebsame Erfahrung machte.  Wald sei eben auch von wirtschaftlicher Bedeutung. Wildbestände müssten das ganze Jahr hindurch kontrolliert, auch bejagt werden, schon um Schäden für Forst- und Landwirtschaft abzuwenden. Etwas zugespitzt also, so Feigel: "Beim Pilze suchen kann es in dem Moment, wo sie sich bücken, passieren, dass unweit von Ihnen ein Schuss kracht, weil ein Jäger irgendetwas bejagt hat."

Nachweis der Jagd-Haftpflicht

Ein wenig anders ist das dann schon bei Drück- oder Treibjagden. An denen nehmen vor allem Hobby-Jäger teil, wie hier am Rande des Hochweitzschener Waldes, auf halber Strecke zwischen Döbeln und Leisnig. Um die 50 Jäger und ebenso viele Treiber stehen im Halbkreis. Der Jagdleiter erläutert die Sicherheitsvorkehrungen für die letzte Drück- oder Treibjagd in Sachsen in dieser Jagdsaison. Diese ausführliche und aktenkundige Belehrung sei ebenso vorgeschrieben, wie die Kontrolle von Waffen- und Jagdscheinen und, auch das Pflicht, die der Jagd-Haftpflichtversicherung, erläutert Andreas Padberg, Leiter des Forstbezirks Leipzig: "Zu einer Gesellschaftsjagd gehört ein umfangreiches Sicherheitskonzept und das beginnt lange vor dem eigentlichen Jagdtag."

Warnhinweise an größeren Waldwegen

Dazu gehören etwa eigens errichtete Hochsitze mit freiem Blickfeld und genau festgelegte Schuss-Sektoren, Warnhinweise an größeren Waldwegen und den Straßen der Umgebung und ein detailliertes Rettungskonzept, einschließlich Hubschrauberlandeplatz. Aber, so Padberg, weder Jäger noch Treiber und schon gar keine unbeteiligten Waldspaziergänger seien in seinem Zuständigkeitsbereich jemals zu Schaden gekommen. Das soll so bleiben. Und deshalb hängt er auch die Latte bei der Auswahl der Freizeit-Jäger sehr hoch. Andreas Padberg erklärt: "Wir im Forstbezirk Leipzig haben sehr erfolgreiche Jagden. Die Jäger kommen gern zu uns. Das heißt, ich kann mir auch leisten, intensiv auszuwählen. Und Jäger, die sich nicht an unsere disziplinarischen Vorgaben halten, sind das letzte Mal zur Jagd gewesen."

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2016, 05:00 Uhr