Ostersegen des Papstes Was bedeutet "Urbi et Orbi"?

Der Segen "Urbi et Orbi" ist eines der bekanntesten und auch bedeutsamsten Rituale der römisch-katholischen Kirche. Den Gläubigen werden die Strafen für all ihre Sünden erlassen. Doch welche Bedeutung hat die lateinische Segensformel?

von Manuela Lonitz, MDR INFO

Tausende Gläubige versammeln sich jedes Jahr zum Ostersonntag auf dem Petersplatz in Rom. Von der Loggia des Petersdomes verkündet der Papst seine Osterbotschaft - verbunden mit dem Segen "Urbi et Orbi". Das ist soweit klar, schließlich sieht man diese Bilder alljährlich im Fernsehen. Doch wenn man in Halle, im Kernland der Reformation, auf der Straße danach fragt, was es eigentlich bedeutet, erntet man viel Schulterzucken: "Das war doch irgendein Segen. Oder?" - Um nur ein Beispiel zu nennen. Tatsächlich weiß niemand von denen, die wir fragen, was "Urbi et Orbi" nun wirklich bedeutet. Nur einer hat noch ein paar Latein-Kenntnisse aus der Schule parat: "Urbs ist doch die Stadt. Den Städten und dem Erdenkreis oder so ähnlich."

Stadt und Erdkreis?

Aus dem Lateinischen übersetzt heißt "Urbi et Orbi": der Stadt und dem Erdkreis. Mit der Stadt ist Rom gemeint, denn der Papst ist zunächst einmal Bischof von Rom und richtet sein erstes Wort an seine Gemeinde dort, erklärt die katholische Theologin Regina Radlbeck-Ossmann von der Uni Halle - und erst dann komme seine zweite Aufgabe: "Der Papst dient der Einheit der Kirche. Und da die Kirche weltweit gespannt ist, muss er sich auch um die Einheit der Kirche als Ganzes sorgen. Deshalb spricht er dieses Wort auch an alle Menschen - ob sie nun Kirchenmitglied sind oder nicht."

Woher kommt "Urbi et Orbi"?

Die Formel findet sich schon früh im Sprachgebrauch der Kirche - so in den Papsturkunden des Mittelalters: "Das päpstliche Kanzleiwesen wurde im 13. Jahrhundert ausgebaut. Und da war die Formel 'Urbi et Orbi' einfach nur der Hinweis darauf, dass dieses Dokument nicht nur für Rom, sondern auch darüber hinaus Geltung besitzt." Später entwickelte sich das Ritual des Päpstlichen Segens. Nur zu drei Gelegenheiten ist "Urbi et Orbi" zu hören: direkt nach der Papstwahl und jährlich zu den christlichen Hochfesten - zu Weihnachten und zu Jesus Auferstehung an Ostern.

Und worum geht es jetzt eigentlich?

Die katholische Theologin Regina Radlbeck-Ossmann erklärt, worum es in der Osterbotschaft geht: "Jesus Christus hat allen Menschen das Heil gebracht - und zwar auch denen, die nicht getauft sind oder die unter Umständen von Religion und Christentum gar nichts wissen. Liebe, die sich verströmen will, fragt nicht: Bist du überhaupt würdig? Liebe, die sich verströmen will, sagt: Ich will dir Gutes tun."

Und es werde noch eine weitere Botschaft transportiert, sagt Regina Radlbeck-Ossmann. So ist im Segen zu hören: "Der allmächtige und barmherzige Herr gewähre euch Nachlass, Vergebung und Verzeihung all eurer Sünden." Damit werde nach katholischer Lehre den Gläubigen, die den Segen hören oder sehen, auch ein Ablass ihrer Sünden gewährt: "Die meisten Theologen und Christen können damit nicht unbedingt viel anfangen. Aber in anderen Gegenden der Welt mit einem anderen Schuldverständnis kann das ein fruchtbares Mittel sein. Deshalb wird es weiter transportiert. Aber: Nie gibt es eine Vergebung von Schuld ohne Reue." Und Vergebung gebe es auch nicht ohne den Vorsatz, es wieder gut zu machen - und das auch tatsächlich zu tun, betont die Theologin. In den drei kleinen Worten "Urbi et Orbi" stecken eine ganze Menge Botschaften - nicht nur für die Gläubigen.

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2016, 11:14 Uhr