Mit einer Spezialpipette entnimmt eine Gentechnik-Expertin eine winzige Menge Flüssigkeit aus einem Probenbehälter
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Besuch im DNA-Labor Wie funktioniert ein Vaterschaftstest?

Aufatmen in Spanien! Salvador Dalí hat doch keine Tochter. Der Leichnam des weltberühmten Surrealismus-Künstlers wurde vor kurzem exhumiert, weil eine 62 Jährige Wahrsagerin behauptete, seine leibliche Tochter zu sein. Doch der Vaterschaftstest fiel negativ aus. Aber wie funktioniert so ein Test überhaupt? Und was muss man beachten, wenn man prüfen will, ob man der Vater seines Kindes ist?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Mit einer Spezialpipette entnimmt eine Gentechnik-Expertin eine winzige Menge Flüssigkeit aus einem Probenbehälter
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Uta-Dorothee Immel kennt Vaterschaftstests in und auswendig. Sie ist die Leiterin des DNA-Labors der Universität Halle und arbeitet als Gutachterin bei Gericht. Und ja: Auch sie hat schon Tests an Toten vorgenommen. Nur waren das keine weltbekannten Surrealisten.

Tests können nicht zu Hause durchgeführt werden

Alle Lebenden, die überprüfen wollen, ob sie der leibliche Vater ihres Kindes sind, sollten laut Immel darauf achten, "dass die Labore akkreditiert sein müssen. Also, dass man gewisse Verfahren, gerade bei der Probeneinnahme, ganz korrekt durchführt. Die Personen, die in diese Untersuchungen einbezogen sind, können ihre Proben nicht selber entnehmen, sondern müssen zu uns ins Institut kommen oder zu einem Hausarzt oder zum Gesundheitsamt gehen. Dann kann man die Tests nicht manipulieren." Und das sichergestellt sei, dass die Probe nicht heimlich - ohne die Einwilligung von Mutter oder Kind – entnommen wurde.

Neue Gesetzeslage

Doch das war nicht immer so leicht. Fiel früher der Test vor Gericht negativ aus, verlor der Mann auch automatisch die rechtliche Vaterschaft. Ein großes Risiko, das dazu führte, dass viele Vaterschaftstests heimlich durchgeführt wurden. 2010 änderte sich das dann mit dem Gendiagnostikgesetz. Nun war es möglich, gerichtlich erst einmal die Vaterschaft feststellen zu lassen, ohne vorerst rechtliche Konsequenzen.

Auswertung dauert nur wenige Tage

Seitdem kann man laut Immel annehmen, dass die Dunkelziffer der heimlichen Tests stark gesunken ist. Und auch die Tests an sich haben sich verbessert. Man untersucht jetzt nicht mehr die Blutgruppen, sondern die DNA anhand von Speichelproben.

Das spare Zeit und Geld: "Man kann innerhalb von 12 bis 24 Stunden ein DNA-Profil erstellen. Dann kommen natürlich noch die anschließenden Bewertungen dazu. Man muss biostatistische Berechnungen durchführen, sodass man aber schon sagen kann, dass man mit Erstellung eines Gutachtens in zwei bis drei Tagen alles abschließt."

Weniger Anfechtungen von Vaterschaften

Ob es seit dem Gendiagnostikgesetz mehr Untersuchungen gibt, lasse sich nicht eindeutig sagen, so Immel. Auch die Zahlen der Amtsgerichte Dresden und Chemnitz schwanken leicht. Meist gibt es aber mehr Anträge auf Feststellung einer Vaterschaft, als Anfechtungen. In Dresden sind es sogar doppelt sie viele, nämlich 76 Feststellungen gegen 38 Anfechtungen im vorigen Jahr.

Übrigens: Das Schwierigste bei der Analyse eines Vaterschaftstest ist laut Uta-Dorothee Immel gar nicht die Untersuchung selbst, sondern die Entnahme der Proben. Denn da laufe nicht immer alles korrekt, wie sie erleben musste.

Vater schickt Freund zu Test

So sei ein Vaterschaftstest zuerst negativ ausgefallen, obwohl die Mutter schwor, er sei der Erzeuger. Ein zweiter Test bestätigte dann die Mutter. "Was war passiert? Bei der Entnahme in dem anderen Institut hatte der Vater einen Freund geschickt, der sehr ähnlich ausgesehen hat. Er hatte ihm auch die Dokumente mitgegeben", berichtet Immel. Da wollte sich also wirklich jemand aus der Affäre ziehen. Doch dafür sind die Vaterschaftstests heutzutage viel zu sicher. Und ansonsten gilt natürlich weiterhin: Augen auf bei der Partnerwahl.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Radio: MDR | 12.09.2017 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 04:40 Uhr

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