Ein Feuerwehrmann sägt Äste eines Baumes, der auf ein Fahrzeug gestürzt ist, mit einer Motorsäge ab.
In Hamburg wurden zahlreiche Fahrzeuge durch umstürzende Bäume und abknickende Äste zerstört oder beschädigt. Bildrechte: dpa

Sturmtief "Xavier" Mindestens sieben Tote - Weiter Behinderungen im Bahnverkehr

Sturmtief "Xavier" hat bislang mindestens sieben Todesopfer gefordert. Sie kamen in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg ums Leben. Die Bahn stellte am Donnerstag den Zugverkehr in ganz Norddeutschland und weiten Teilen Ost- und Mitteldeutschlands ein. In Wilhelmshaven kippte ein 1.000 Tonnen schwerer Hafenkran um. Auch in Mitteldeutschland gab es Unfälle und Sturmschäden. Die Unwetterwarnungen vor orkanartigen Böen und Orkanböen wurden bis zum Donnerstagabend aufgehoben.

Ein Feuerwehrmann sägt Äste eines Baumes, der auf ein Fahrzeug gestürzt ist, mit einer Motorsäge ab.
In Hamburg wurden zahlreiche Fahrzeuge durch umstürzende Bäume und abknickende Äste zerstört oder beschädigt. Bildrechte: dpa

Mit Orkanböen von bis zu 130 Kilometern pro Stunde im Flachland ist Sturmtief "Xavier" am Donnerstag über Deutschland hinweggezogen und hat für zahlreiche Schäden gesorgt. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben. Zahlreiche weitere wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Tödliche Unfälle mit Bäumen und Ästen

Allein im Land Brandenburg starben nach Angaben der Polizei in Potsdam vier Menschen. In zwei Fällen fielen Bäume auf Autos, in einem dritten schlug ein Ast in eine Windschutzscheibe ein. An der Bundesstraße 1 zwischen Müncheberg und Hoppegarten im Landkreis Märkisch-Oderland wurde ein 72-jähriger Mann von einem Baum erschlagen, als er Äste von der Straße entfernen wollte.

In Berlin-Tegel wurde eine Frau getötet, als ein Baum auf ihr Auto stürzte. Auch in Hamburg fiel ein Baum auf das Auto einer Frau. Sie starb, eine weitere Insassin kam verletzt in ein Krankenhaus. An der Bundesstraße 191 in Neu-Karstädt in Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Lastwagenfahrer in seinem Führerhaus von einem umstürzenden Baum erschlagen.

Bahn- und Flugverkehr lahmgelegt

Auf zahlreichen Bahnstrecken stürzten Bäume und Äste auf Schienen und Oberleitungen. Die Deutsche Bahn stellte in ganz Norddeutschland und weiten Teilen Ostdeutschlands den Zugverkehr ein. In Mitteldeutschland waren vor allem Sachsen-Anhalt und der Norden Sachsens von den Zugausfällen betroffen. Auch der Zugverkehr auf den wichtigen Fernverkehrsstrecken Berlin-Hannover und Berlin-Hamburg kam zum Erliegen. Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn in der Nacht mitteilte, mussten Reisende auch am Freitagmorgen weiter mit Zugausfällen und Beeinträchtigungen rechnen. Besonders im Norden und Nordosten werde es größtenteils noch keine Züge im Fernverkehr geben. Auch in anderen Teilen Deutschlands könne es dadurch Beeinträchtigungen geben.

Bahnreisende warten im Hauptbahnhof in Berlin auf Informationen.
Tausende Reisende blieben wegen "Xavier" am Berliner Hauptbahnhof liegen. Bildrechte: dpa

Am Donnerstag hatten wegen der Behinderungen im Bahnverkehr tausende Reisende an den Bahnhöfen festgesessen. Die Bahn stellte leere Züge als Unterkünfte bereit. In den Metropolen Berlin und Hamburg wurde auch der S-Bahn-Verkehr eingestellt.

An den Berliner Flughafen Schönefeld und Tegel konnten gelandete Passagiere aus Sicherheitsgründen zeitweise ihre Maschinen nicht verlassen. Zum Abflug bereite Maschinen konnten nicht beladen werden. Am Flughafen Dresden musste eine Maschine den Landeanflug aus Sicherheitsgründen abbrechen. Sie startete durch und flog nach Angaben des Airports zurück nach Stuttgart.

Hafenkran in Wilhelmshaven umgekippt

Orkantief Xavier wirft Hafenkran in Wilhelmshaven um
In Wilhelmshaven stürzte ein 1.000 Tonnen schwerer Hafenkran ins Wasser. Bildrechte: dpa

In Wilhelmshaven an der Nordsee wurde ein rund 1.000 Tonnen schwerer Hafenkran aus den Angeln gehoben und in das Fahrwasser der Jade gekippt. Wie die Wasserschutzpolizei mitteilte, hatten Orkanböen der Stärke 12 den auf Schienen laufenden Kran angehoben, gedreht und umgekippt. Verletzt wurde niemand. Der Kran wurde völlig zerstört. Der Gesamtschaden wird auf mehr als eine Million Euro geschätzt.

Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz

Ein Feuerwehrmann geht an umgestürzten Bäumen vorbei
Von Sturmtief "Xavier" im Hamburger Stadtteil Niendorf umgeworfene Bäume. Bildrechte: dpa

Die Schäden in ganz Deutschland dürften in die Millionenhöhe gehen. Polizei und Feuerwehr rückten in Nord-, Ost- und Mitteldeutschland zu hunderten Einsätzen aus. Allein die Hamburger Feuerwehr berichtete von mehr als 1.100 Unwettereinsätzen. Die Berliner Polizei meldete bis Mitternacht rund 1.500, die Polizei in Brandenburg bis zum Abend rund 750 Einsätze wegen des Orkantiefs. Die Rettungskräfte forderten die Menschen auf, sicherheitshalber zu Hause zu bleiben.

Unfälle in Mitteldeutschland

Auch auf den Straßen und Autobahnen in Mitteldeutschland wütete "Xavier" heftig. Auf der Autobahn 13 im Landkreis Meißen in Sachsen geriet ein Lkw-Anhänger in Schräglage. Auf der Bundesstraße 4 im Landkreis Sömmerda in Thüringen wurde ein Transporter zwischen Elxleben und Walschleben umgeworfen. Der Fahrer wurde leicht verletzt. In Weimar wurde eine Ampelanlage am Sophienstiftplatz vor dem Nationaltheater durch einen Ast zerstört.

"Xavier" über Mitteldeutschland

Harz-Attraktionen stellen Betrieb ein

Wegen des Sturmes stellten zahlreiche Sehenswürdigkeiten im Harz den Betrieb ein. So fuhr die Kabinenseilbahn zwischen Thale und dem Hexentanzplatz nicht mehr. Auch die Hängebrücke über die Rappbode-Talsperre wurde gesperrt.

Im sächsischen Oberwiesenthal wurde der Mannschafts-Wettbewerb bei den deutschen Skisprung-Meisterschaften abgesagt. Bei Leipzig wurde der Belantis-Freizeitpark wegen des Unwetters geschlossen. In Erfurt wurde das egapark-Gelände aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres geschlossen.

180 Stundenkilometer auf dem Brocken

Besonders heftig wehte der Wind im Oberharz und auf dem Brocken. MDR-Meteorologe Thomas Globig sprach von Spitzengeschwindigkeiten von knapp 180 Kilometern pro Stunde auf dem Brocken. Auch über flacheren Regionen brauste "Xavier" mit Windgeschwindigkeiten von weit über 100 Stundenkilometern hinweg.

Die Unwetterwarnungen des Deutschem Wetterdienst vor orkanartigen Böen und extremen Orkanböen wurden bis zum Abend allerdings wieder aufgehoben.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 05.10.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2017, 04:12 Uhr

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8 Kommentare

06.10.2017 05:03 Querdenker 8

(Auch) ein wichtiger Grund, warum Stadt-Bäume am Straßenrand ggf. umstürzen ist, dass diese zubetoniert sind. Wenn von oben (in der Fläche) kaum Wasser kommt, breiten sich die Wurzeln deutlich weniger aus. Das hat (je nach Baumart) deutliche Auswirkungen auf die Standfestigkeit. Bei mir sind Bäume teilweise auch mit Rasengittersteinen etwas weiter umgeben, wodurch Wasser durchdringen kann. Darauf sollte viel mehr geachtet werden. Siehe „NABU Berlin Baumschutz Baumscheiben“ Zitat: „Der Baum reagiert auf Versiegelungen mit reduziertem Wurzelwachstum und kann sich mangels Wurzelmasse keine ausreichenden Wasser- und Nährstoffressourcen mehr erschließen.“

Ansonsten ist zu sagen, dass derartige Herbststürme für Deutschland normal sind. Selbst mit noch höheren Windgeschwindigkeiten.

05.10.2017 23:05 NRW-Wessi 7

Man braucht keine besonderen Fähigkeiten um zu erkennen, dass sich in letzten Jahren bezüglich der Wetterentwicklung sehr viel verändert hat. Nach vielen Jahren Urlaub an der Nordsee habe ich keine Lust mehr dazu, weil die wirklich schönen Tage mittlerweile Seltenheitswert haben und Regen und Sturm dort an Tagesordnung sind.
Mein regelmäßiger Blick an den Himmel lässt mich Böses erahnen:
Die Tage fangen oft mit blauem Himmel an, im Vormittagsverlauf zieht es sich dann (Kondens)streifenförmig zu und gegen Abend ist der Himmel weiß-silbrig bedeckt. Hinzu kommen unnatürliche Wolkenformationen. Kein Wunder, dass wir fast nur noch mit einem wolkenverhangenen Himmel leben, aus dem es regnet und stürmt. Ob es sich dabei um eine gezielte Wetterbeeinflussung handeln könnte, oder um eine Nebenwirkung des rasant zunehmenden Flugverkehrs, lasse ich mal dahingestellt.
Für möglich halte ich aber beides.

05.10.2017 22:06 Jthom 6


Aber NIEMAND kann etwas dafür! Null Info von der Bahn ist natürlich nicht ok, würde mich auch sauer machen! Aber, Plan B gibt es für Unwetter nicht wirklich. Wo sollen sie Ersatzbusse oder sonstiges so schnell "herzaubern"? Mir haben heut die Fahrgäste mit kleinen Kindern und allein reisende ältere Menschen Leid getan. Aber KEIN "Transportunternehmen" kann tausende von Menschen innerhalb von kürzester Zeit in solchen Fällen trotzdem sicher und zeitnah zum Zielort befördern. Man soll nie vom Schlechtesten ausgehen, aber.... in anderen Ländern, mit schwereren Unwettern, würde man sicher nicht mal mehr eine Bahnhofshalle als "Unterschlupf" haben. Ich habe ein gewisses Fremdschämen für Fahrgäste, die das Bahnpersonal verbal angreifen, weil "genau ihr Zug nicht genau in der Minute abfährt, wie der Fahrplan es vorgesehen hatte!"
Es ist für alle Beteiligten nicht angenehm, aber aktuell starben heute 7 Menschen auf Grund des Unwetters auf den STRASSEN!!!!

05.10.2017 21:28 Paulchen 5

@2 einige der Diesel-PKW sahen heute aber auch nicht gut aus. Ich glaube nicht, dass die als Cabrio zugelassen waren ;-) dann lieber Zug oder Ersatzbus fahren bzw. im Bahnhofscafé warten oder gleich zu Hause bleiben, besser als eingeklemmt im eigenen Autowrack :-(

05.10.2017 21:17 Rainer Ullrich 4

Lange nicht so einen Unsinn gelesen, Markus!

05.10.2017 21:15 Desy 3

Danke an die Freiwillige Feuerwehr,die für uns die B96
beräumt hat.
Die Mitarbeiter der Straßenmeisterei habe ich leider nicht gesehen,auch ohne große Technik hätten alle helfen können.

05.10.2017 18:03 Markus 2

Bahn ist zu unsicher. Ein bißchen Schnee oder Wind, und alles still... Ohne Diesel-PKW kommt man in heutigem Deutschland nicht weit.

05.10.2017 17:57 Johnson Sindy 1


Wir haben eine Baustelle vor dem Haus; alle Balkone werden seit Juni saniert; jetzt ist die Angst gross wegen Gerüstbau.

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