Rauchen am Arbeitsplatz
250 der über 1.000 chemischen Verbindungen im Zigarettenrauch gelten als hochgiftig. Bildrechte: colourbox

Rauchen Weniger krank durch Nichtraucherschutzgesetze?

Rauchen nur im Freien, Ekelbilder auf Zigarettenpackungen: Vor zehn Jahren führte Deutschland Gesetze zum Schutz von Nichtrauchern ein. MDR-AKTUELL-Hörer Andreas Brodien aus Kreischa möchte wissen, ob Krankheiten, die durch das Rauchen entstehen, dadurch zurückgegangen sind.

von Karsten Möbius, MDR AKTUELL

Rauchen am Arbeitsplatz
250 der über 1.000 chemischen Verbindungen im Zigarettenrauch gelten als hochgiftig. Bildrechte: colourbox

Für Deutschland ist die Datenlage eher begrenzt. Seit die Nichtraucherschutzgesetze am 1. September 2007 eingeführt wurden, haben in Deutschland zwei Studien über den Zusammenhang mit Herz Kreislauf-Erkrankungen speziell zum Herzinfarkt stattgefunden. Eine Studie der Krankenkassen stellt fest, dass mit dieser Regelung vor zehn Jahren die Herzinfarkte in Deutschland um 10 Prozent abgenommen haben. Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg sagt, der 1. September 2007 markiert einen deutlichen Knick in der Kurve. Der Zusammenhang zwischen den Rauchverboten und den Herzinfarkt-Raten sei deutlich gewesen.

Besonders Gastronomiemitarbeiter profitieren

Andere Studien gibt es für Deutschland nicht. Dafür aber beispielsweise aus Irland. Dem Land, das als erstes 2004 flächendeckend Nichtraucherschutzgesetze einführte. Dort gab es Untersuchungen kurz nach dem Start der neuen Gesetze, sagt Mons. Man wisse aus Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien, dass besonders Gastronomiemitarbeiter profitierten. "Symptome wie beispielsweise Kopfschmerzen, Atemwegsirritationen, Husten und Schnupfen gehen deutlich zurück, aber auch langfristig sind insbesondere Atemwegserkrankungen seltener."

250 der über 1.000 chemischen Verbindungen im Zigarettenrauch gelten als hochgiftig, beziehungsweise krebserregend. Die meisten denken dabei als erstes an Lungenkrebs sagt Prof. Stefan Andreas von der Deutschen Pneumologischen Gesellschaft. Aber das ist nur eine von vielen Krankheiten, die durch das Rauchen entstehen können. "Asthma wird durch Rauchen verursacht, auch die Lungenfibrose und sehr viele Karzinome. Nicht nur in der Lunge, sondern auch im Magen, in den Nieren." Außerdem seien Brustkrebs und Bluterkrankungen wie Leukämie mögliche Folgen des Tabakkonsums.

Erfolge noch nicht messbar

Für viele dieser Krankheiten ist in Deutschland ein Effekt der Nichtraucherschutzgesetze noch nicht nachweisbar. Das hat zwei Gründe. Erstens nimmt die Zahl der Raucher in Deutschland kaum ab und liegt seit 2005 bei konstant etwa 30 Prozent. Außerdem sind zehn Jahre für klare Erkenntnisse zu kurz, sagt Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Bei Krebserkrankungen dauere es viele Jahre bis Jahrzehnte bis sich eine Krebserkrankung entwickelt.

Da werden wir also noch längere Zeit warten müssen, bis wir wirklich sehen können, welche Erfolge das hatte.

Ute Mons, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
Zigaretten
Ekelbilder auf Zigarettenpackungen sollen abschrecken. Bildrechte: MDR JUMP

Experten sind sich sicher, dass Krankheiten, die mit dem Rauchen in Zusammenhang stehen, zurückgehen werden. Man könne das fast zuverlässig ausrechnen, sagt Ute Mons, denn man weiß, dass 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle auf das Konto von Zigaretten gehen. Außerdem würden das Studien aus anderen Ländern bestätigen, die durch die Weltgesundheitsorganisation in sogenannten Metastudien zusammengefasst wurden, sagt Prof. Stefan Andreas, Chef der Lungenfachklinik Immenhausen. Vor dreißig Jahren hätten in England noch über 50 Prozent der Bevölkerung geraucht, heute seien es unter 20 Prozent. "Dort sieht man schon sehr deutlich den Rückgang des Lungenkarzinoms, wie auch in Amerika und anderen Ländern."

Ekelbilder zur Abschreckung

Seit etwa einem Jahr gibt es auf den Zigarettenpackungen die sogenannten Ekelbilder. Während man sich über den Effekt streitet, ist zumindest eins nachweisbar: Die Nummer der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung, die seitdem auf den Packungen steht, erfährt seitdem einen wahren Boom, weiß Ute Mons. Vor der Einführung der Warnhinweise habe es etwa 1.000 Anrufe monatlich gegeben, danach etwa 10.000. "Das Interesse an Angeboten zur Raucherentwöhnung hat sich immens erhöht."

Diesen Beitrag sendet MDR AKTUELL auch im: Radio | 10.04.2017 | ab 05:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2017, 05:00 Uhr

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7 Kommentare

10.04.2017 22:31 Part 7

Leider jein, denn vor jedem Eingang von Konsumtempeln, Verwaltungsgebäuden oder anderen Einrichtungen stehen Sie, die Paffer, gelangweilt oder nicht und beglücken jeden Ein-oder Austretenden mit ihren Gifstoffen in der nahen Umgebungsluft.

10.04.2017 17:03 HERBERT WALLASCH, Pirna 6

Natürlich sind die Gastronomiemitarbeiter die Hauptnutznießer, aber das liegt nicht an der nötigen Einsicht der Raucher, sondern an konkrete Gesetze und deren Kontrolle. Alles was auf freiwilliger Basis angeregt wird fruchtet nicht, es hilft nur Druck und schnelle Strafen.
Schon der Besitz von Zigaretten bei Minderjährigen müßte strafbar sein und nicht die Verantwortung irgendeinem Verkäufer aufdrücken.
Noch eine härtere Gangart müßte bei Schwangeren, die Rauchen, durchgeführt werden, auch mit Meldepflicht ans Gesundheitsamt und Sanktionen. Aber man will ja der Gute sein und somit wird der mahnend erhobene Zeigefinger die einzige Reaktion des Staates sein. Aber man hat was gemacht, wie üblich nur Halbheiten.

10.04.2017 15:25 Stefan T 5

10.04.2017 08:41 Prinz Eisenherz 1: "Lustig ist und bleibt aber, dass diese ganzen Gesundheitsgurus auch sterben. Also nichts für ungut!" - Klar. Terroropfer würden ohne Terror aber auch sterben...

10.04.2017 14:48 sputnik 4

Habe 2005 im Dezember aufgehört.Ein für alle mal...von bis zu 70 Zigaretten am Tag(doch,das geht)auf 0.......und dabei bleibts.

10.04.2017 12:43 Hasso Teerlunge 3

Liegt es nicht eher an den enormen Preisen?

10.04.2017 12:08 Alexander 2

"Erstens nimmt die Zahl der Raucher in Deutschland kaum ab"

Ende März hat die Association of European Cancer Leagues die Tobacco Control Scale 2016 veröffentlicht (siehe tobaccocontrolscale.org). Bewertet wurden die Verhältnisse in 35 europäischen Staaten. Deutschland liegt mit 37 von 100 möglichen Punkten auf dem *vorletzten* Platz!

In der Ärztezeitung vom 29.05.2015 war in einem Artikel unter dem Titel "Deutscher Kampf gegen Tabakkonsum zu lax" zu lesen:

'Die Bundesrepublik zähle zu den EU-Staaten, "die nicht den politischen Willen haben, um die Situation zu ändern", sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaits in Brüssel.'

Den politisch Verantwortlichen sind die finanziellen Interessen der Tabaklobby offensichtlich wichtiger als Menschenleben! Laut Lobbycontrol hat übrigens der Tabakkonzern Philip Morris von 2010 bis 2015 544.000 Euro in Form von "Sponsoring-Geldern" an Union, SPD und FDP verteilt ...

10.04.2017 08:41 Prinz Eisenherz 1

Lustig ist und bleibt aber, dass diese ganzen Gesundheitsgurus auch sterben. Also nichts für ungut!

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