Eine Tigermücke
Die in Südamerika weit verbreitete Tigermücke Aedes aegypti überträgt den Zika-Virus. Bildrechte: dpa

Gefährlicher Virus Weiterer Zika-Fall in Deutschland bestätigt

Auch in Deutschland geht immer mehr die Angst vor einer Zika-Infektion um. Mittlerweile wurde in Düsseldorf ein neuer Fall bestätigt. Der Mann hatte sich in Venezuela angesteckt. Experten warnen dennoch vor Panikmache. Eine Verbreitung sei hierzulande sehr unwahrscheinlich. Unterdessen gibt es Befürchtungen, dass das Zika-Virus möglicherweise auch beim Sex übertragen werden kann. Im US-Staat Texas wurde ein entsprechender Fall bestätigt.

Eine Tigermücke
Die in Südamerika weit verbreitete Tigermücke Aedes aegypti überträgt den Zika-Virus. Bildrechte: dpa

In Deutschland ist eine weitere Zika-Infektion bekannt geworden. Wie die Uniklinik Düsseldorf am Mittwoch mitteilte, wird derzeit ein Patient mit den typischen Symptomen Fieber, Ausschlag und eine Bindehautentzündung in der tropenmedizinischen Ambulanz behandelt. Er hatte sich bei einem Aufenthalt in Venezuela mit dem von Stechmücken übertragenen Virus angesteckt. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg bestätigte den Verdachtsfall. Bis dahin waren deutschlandweit bereits zehn Fälle bekannt, bei denen sich Reisende mit dem Zika-Virus angesteckt hatten. Allein fünf davon gehen auf den aktuellen Ausbruch in Südamerika zurück.

Experten warnen vor Panikmache

Experten warnten erneut vor Panikmache. Bernhard Ruf von der Leipziger Klinik für Tropenmedizin am Klinikum St. Georg vertritt etwa die Meinung, dass das Zika-Virus in Deutschland keine Chance hätte: "Dass sich so eine Krankheit ausbreitet, das bedarf vieler Bedingungen, die hier nicht existieren." Dazu gehörten neben dem Virus auch ein entsprechendes Klima und eine Überträgermücke. Das Robert-Koch-Institut für Tropenmedizin (RKI) in Berlin schließt zwar nicht aus, dass Mücken in Deutschland den Virus übertragen könnten, allerdings sei dies nicht wahrscheinlich. Ob die in Süddeutschland vorkommende Tigermücke den Zika-Erreger verbreiten könnte, sei noch nicht bekannt, sagte eine Sprecherin. Es müssten dann allerdings sehr viele Faktoren zusammenkommen.

Das Europabüro der Weltgesundheitsorganisation WHO hingegen warnt vor einer weltweiten Ausbreitung des Virus. "In jedem europäischen Land, in dem die Stechmückengattung Aedes vorkomme, gebe es ein Risiko für die Ausbreitung des Virus", sagte Regionaldirektorin Zsuzsanna Jakab am Mittwoch. Mit Beginn des Frühlings steige das Risiko, es sei Zeit für die Länder, sich vorzubereiten. Als Maßnahmen schlug Jakab unter anderem die Beseitigung von Mückenbrutplätzen und den Einsatz von Insektengiften vor.

Zika-Virus auch durch Sex übertragbar?

Inzwischen gibt es auch Befürchtungen, dass das Zika-Virus möglicherweise auch durch Sexualkontakte übertragen werden könnte. Im US-Bundesstaat Texas wurde erstmals ein Fall bekannt, bei dem sich ein Patient durch ungeschützten Sex angesteckt haben soll. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden im nordtexanischen Dallas erfolgte die Übertragung durch eine kranke Person, die aus einem Land mit weiter Verbreitung von Zika zurückgekommen war. Die US-Seuchenschutzbehörde CDC geht auch zwei weiteren Zika-Fällen nach, die mit Sexualkontakten zu tun haben könnten. In einem Fall wurde das Virus laut der Zeitung "New York Times" von einem US-Forscher, der sich in Afrika aufgehalten hatte, auf seine Frau übertragen. In einem anderen Fall wurde das Virus im Sperma eines Mannes nachgewiesen, während es im Rest des Körpers nicht nachweisbar war.

1,5 Millionen Zika-Infektionen allein in Brasilien

Das Zika-Virus unter dem Mikroskop.
Das Zika-Virus unter dem Mikroskop Bildrechte: dpa

Das von Stechmücken übertragene Zika-Virus grassiert derzeit vor allem in Süd- und Mittelamerika. Brasilien ist besonders schwer von der Epidemie betroffen: Die Zahl der Zika-Infektionen wird dort auf 1,5 Millionen geschätzt. Der Virus wird dafür verantwortlich gemacht, bei Babys im Mutterleib für Schädelfehlbildungen, der sogenannten Mikrozephalie, verantwortlich zu sein. Der Kopf der Kinder ist viel zu klein und die Gefahr groß, dass sie geistig behindert bleiben oder unter neurologischen Schäden leiden werden. Nach Angaben der brasilianischen Behörden sind seit Oktober knapp 4.000 Babys mit Verdacht auf Mikrozephalie auf die Welt gekommen. Wegen der Gefahr der Ansteckung mit dem Zika-Virus hatte die brasilianische Regierung schwangeren Frauen vom Besuch der Olympischen Spiele in Rio abgeraten.

Virus kann auch Nervenkrankheit auslösen

Bis vor wenigen Monaten galt das Zika-Virus noch als weitgehend harmlos. Viele Infizierte merken gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen, nur bei 20 Prozent führt es zu grippeähnlichen Symptomen oder Hautausschlag. Inzwischen weisen Mediziner aber darauf hin, dass das Zika-Virus auch das Guillain-Barré-Syndrom - eine Nervenkrankheit - auslösen kann. Vor allem Kolumbien, das mehr als 20.000 Zika-Fälle gemeldet hat, scheint davon betroffen zu sein.

Zuletzt aktualisiert: 03. Februar 2016, 13:54 Uhr

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5 Kommentare

05.02.2016 08:30 aus Sachsen und denkt 5

@ 4: Haben Sie den Artikel nicht gelesen?! Der Infizierte kam von einer Reise aus dem Infektionsgebiet zurück! Bitte sich erst zu informieren, und dann ggf Obrigkeitsbashing

03.02.2016 23:04 Gehts noch 4

Gestern hieß es noch, in Deutschland ist so etwas eher unwahrscheinlich! Und heute! Naja, da haben wieder mal paar "Fachleute" erstmal eine Beruhigungspille verabreicht und jetzt das!

03.02.2016 20:21 Kritischer Bürger 3

Ich hingegen kann mir gut vorstellen das es in der wärmeren Jahreszeit durchaus zu Übertragungen kommen kann. Es bedarf nur einen Fall an dem eine Mücke "saugt" und danach sich ein anderes "Opfer" einen anderen "Blutspender" sucht. Einzig die KLEINSTE HOFFNUNG wäre das ein subtropisches Klima hier NOCH NICHT vorhanden ist. Was nicht ist kann aber noch werden!

03.02.2016 17:16 aus Sachsen und denkt 2

Mensch, Leute, verliert mal nicht die Maßstäbe! Alkohol, Nikotin, Bewegungsmangel und Zähne nicht putzen ist viel gefährlicher! Wahrscheinlich kann Deutschland ohne ein Mindestlevel an Bammel und Hysterie nicht mehr glücklich sein.

03.02.2016 09:55 Mensch 1

Der Zusammenhang zwischen Zika und Mikrozephalie ist NICHT nachgewiesen. Man könnte genauso gut sagen Schnupfen ist verantwortlich, falls sowas in Deutschland auftreten sollte. Mücken kann man einfach die Schuld zuschieben. Wer weiß denn schon, wieviel GlaxoSmithKline zahlt, damit bloß kein Zusammenhang mit dem seit Oktober 2014 in Brasilien an Schwangere verabreichten Boostrix hergestellt wird. Lieber Panik schüren als Fehler zugeben.