Schmähfilm : Friedrich will islamfeindlichen Hassfilm verhindern
Ein islamfeindlicher Schmähstreifen bringt die arabische Welt zum Brodeln. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will nun eine Ausstrahlung des Filmes wie von der Partei Pro Deutschland angekündigt verhindern. Derweil wird der Sturm auf die deutsche Botschaft im Sudan noch ein Nachspiel haben. Die Gewerkschaft der Polizei warnt generell vor niedrigen Sicherheitsstandards in deutschen Botschaften in der arabischen Welt und in Afrika.
Nach den gewaltsamen Protesten in der islamischen Welt wegen eines Mohammed-feindlichen Films will Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich die Aufführung des Streifens in Deutschland verhindern. Friedrich sagte dem Nachrichtenmagazin "Spiegel", man müsse die Verbreitung fremdenfeindlicher Propaganda mit allen rechtlich zulässigen Mitteln abwenden. Gruppen wie die rechtspopulistische Partei "Pro Deutschland" gössen "grob fahrlässig Öl ins Feuer" mit der Ankündigung, den Film öffentlich vorzuführen.
Zuvor hatte Pro-Deutschland-Parteichef Manfred Rouhs in einem "Spiegel"-Interview angekündigt, den umstrittenen Film in voller Länge in Berlin zu zeigen. Seiner Partei gehe es um die Kunst- und Meinungsfreiheit. Wann und wo der Streifen "Innocence of Muslims" gezeigt werden soll, ließ er offen.
Botschaft bleibt noch zu
Offen ist auch noch, wann die deutsche Botschaft im Sudan ihre Arbeit wieder aufnehmen kann, die wütende Demonstranten am Freitag gestürmt und teils in Brand gesteckt hatten. Bundesaußenminister Westerwelle sagte in der Zeitung "Welt am Sonntag", "erst nach einer genauen Analyse der Vorfälle und der entstandenen Schäden werden wir entscheiden, wie und wie schnell wir die Arbeitsfähigkeit unserer Botschaft Schritt für Schritt wieder herstellen können". Auf der Internetseite der Botschaft selbst steht als wichtiger Hinweis: "Die Botschaft bleibt bis einschließlich Montag, 17.09.2012 geschlossen."
Westerwelle rügt Sudan
Außerdem wird der Überfall offenbar ein diplomatisches Nachspiel haben. Westerwelle beklagte in dem Interview, die Botschaft sei trotz Aufforderung nicht ausreichend geschützt worden. Das "können wir nicht akzeptieren. Ich erwarte vom Sudan, dass er die Integrität unserer Botschaft und die Sicherheit unserer Landsleute in vollem Umfang garantiert."
Beobachter beschrieben die Lage in der Hauptstadt Karthum am Sonntag als angespannt, aber ruhig. Derzeit werde Personal von der deutschen Botschaft abgezogen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes werden außerdem zusätzliche Sicherheitskräfte in das Land geschickt. Deutschen in dem nordafrikanischen Land werde geraten, den Bereich um die Niederlassung zu meiden.
GdP: Botschaftsmitarbeiter schlecht geschützt
Die Deutsche Gewerkschaft der Polizei nahm die Proteste zum Anlass, um auf den aus ihrer Sicht unzulänglichen Schutz der Botschaften in der arabischen Welt und in Afrika hinzuweisen. GdP-Chef Bernhard Witthaut sagte der Zeitung "Bild am Sonntag", "der Bundespolizei fehlen in diesen Regionen nach heutigem Stand die Möglichkeiten, die diplomatischen Einrichtungen vor Übergriffen bei gewalttätigen Großdemonstrationen zu schützen."
Der Zeitung zufolge hatte der deutsche Botschafter im Sudan, Rolf Welberts, die sudanesische Regierung am Freitagmorgen um Schutz gebeten. Dennoch war es wütenden Demonstranten wenige Stunden später gelungen, das Gebäude zu stürmen und anzuzünden. Die 22 Botschaftsmitarbeiter hatten sich zuvor bereits in Sicherheit gebracht.
Einreiseverbot gegen Prediger Jones
Unterdessen erließ das Bundesinnenministerium ein Einreiseverbot gegen den US-amerikanischen Prediger Terry Jones. Ministeriumssprecher Jens Teschke sagte der "Saarbrücker Zeitung", eine Einreise des evangelikalen Predigers würde den Interessen Deutschlands widersprechen. Hintergrund des Einreiseverbots sind Berichte, wonach rechtsextreme Gruppen geplant haben, Jones nach Deutschland einzuladen. Der Prediger aus Florida hatte im März 2011 den Koran verbrannt und damit für Gewaltausbrüche in der islamischen Welt gesorgt. Jones soll auch das umstrittene Schmähvideo unterstützt haben.
Über den Film
Die Proteste in den islamischen Ländern beziehen sich auf den Film "Innocence of Muslims". Bislang ist unklar, wer diesen Film in den USA produziert hat und wie er ins Internet gelangte. Die damit verbundenen Namen sind Pseudonyme. Nach Informationen der BBC könnte der Film bereits im Juni abrufbar gewesen sein, wurde aber in der amerikanischen Version nur wenig nachgefragt. Das als höchst primitiv bezeichnete Werk zeigt den Propheten Mohammed als Mörder und Kinderschänder, die Muslime als Esel.
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