Erfurter Trinkwasser : Abkochen noch bis Montag
Rund 280.000 Menschen in Erfurt und Umgebung sollen weiter ihr Trinkwasser abkochen. Dazu raten die Wasserversorger nach dem Fund von Kolibakterien im Wassernetz der Stadt und der Umgebung. Zwar hat es nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Reinhardt seit Dienstag keine auffälligen Werte mehr gegeben. Von Entwarnung könne aber noch keine Rede sein. Es dauere einige Tage, bis die eingeleiteten Gegenmaßnahmen, wie etwa die Erhöhung der Chlor-Dosierung, bei den Kunden ankämen.
Das so genannte Abkochgebot gilt jetzt bis Montag, und zwar für die Stadt Erfurt mit allen eingemeindeten Orten, für den gesamten Kreis Sömmerda, für mehrere Orte im Osten und Nordosten des Landkreises Gotha sowie für die Gemeinde Kutzleben im Unstrut-Hainich-Kreis.
Verwirrung um eventuellen Messfehler
Für Verwirrung sorgte am Donnerstag eine Mitteilung des Gesundheitsministeriums, die festgestellte Verschmutzung könnte auf einem Messfehler beruhen. Zur Begründung hatte es geheißen, Kolibakterien seien bisher lediglich von einem Labor nachgewiesen worden. Dagegen hatte zum Beispiel das Landesamt für Lebensmittelsicherheit in Bad Langensalza, das ebenfalls Trinkwasser der betroffenen Regionen testet, bislang keinen positiven Befund ermittelt. Als Konsequenz würden dieselben Wasserproben jetzt von zwei unterschiedlichen Laboren untersucht. Erste Ergebnisse werden am Freitag erwartet.
Institut weist Messfehler zurück
Das Institut für Wasser und Umweltanalytik in Luisenthal wies einen möglichen Messfehler im Zusammenhang mit den Kolibakterien im Thüringer Trinkwasser zurück. Institutsleiter Dr. Wolfgang Möller sagte MDR THÜRINGEN, sein Institut sei seit über 20 Jahren akkreditiert. Seit 30 Jahren werde Fernwasser untersucht. Einen solchen Fall habe es bisher noch nie gegeben. Laut Möller wurden die Koli-Bakterien bereits am vergangenen Freitag gefunden. Andere Institute hätten aber erst später angefangen, die Wasserqualität zu messen.
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Kolibakterien / Escherichia Coli oder E. Coli
Der Kinderarzt Theodor Escherich entdeckte 1919 den Darmkeim. Nach ihm wurde das Bakterium benannt. E.-Coli-Bakterien sind normaler Bestandteil des menschlichen und tierischen Darmtrakts. Dabei enthält ein Gramm Kot Millionen von Bakterien.
Gelangen E.-Coli-Bakterien aus dem Darm in andere Körperbereiche, kann es zu Infektionen kommen. Mögliche Ursache ist mangelnde Toilettenhygiene. Bestimmte E.-Coli-Stämme produzieren Giftstoffe, die beim Menschen zu Durchfall führen.
Was tun bei Durchfall?
Durch Kolibakterien ausgelöster Durchfall dauert meist nicht länger als zwei Tage, sollte er dann nicht abklingen, muss ein Arzt aufgesucht werden.
Länger anhaltender Durchfall kann für Kleinkinder, ältere oder kranke Menschen lebensbedrohlich werden. Dabei muss vor allem der große Flüssigkeits- und Elektrolyteverlust ausgeglichen werden. Dabei kann eine Salz-Zucker-Lösung helfen mit abgekochtem Wasser, etwas Speisesalz, Traubenzucker und einem Teelöffel Backpulver. Meiden Sie Fett, Ballaststoffe und Milch.
Gelangen Kolibakterien in andere Bereiche des Organismus können sie Harnweg-, Blinddarm-, Wund-, Gallenweg- und Hirnhautinfektionen auslösen.


