Desaströse Quartalszahlen Yahoo stellt sich zum Verkauf und streicht Jobs

Der kriselnde Onlinepionier Yahoo stellt sein Kerngeschäft auf den Prüfstand und streicht etwa 15 Prozent seiner Arbeitsplätze. Man sei bereit, "strategische Alternativen" für das Internet-Geschäft zu erwägen, teilte das US-Unternehmen am Dienstag bei der Vorlage der Quartalszahlen mit. Zudem sollen Büros an fünf Orten geschlossen, die Produktpalette verkleinert, Immobilien und Patente verkauft sowie der Schwerpunkt verstärkt auf Suchanfragen über Mobiltelefone und ähnliche Geräte gelegt werden.

Konkurrenzdruck durch Google und Facebook zu groß für Yahoo

Im vierten Quartal ging der Umsatz bei Yahoo um 15 Prozent zurück. Der Gewinn ohne Sonderposten entsprach dabei den Erwartungen der Experten. Yahoo findet gegenwärtig kein Mittel, um sich im Internet gegen Google und Facebook durchzusetzen. Das Unternehmen beschäftigt etwa 11.000 Mitarbeiter. Die Prüfung der Internet-Aktivitäten gilt als bislang deutlichster Hinweis auf eine Bereitschaft von Konzernchefin Marissa Mayer, das traditionelle Geschäft mit Webseiten, E-Mail und Online-Suche abzuspalten. Mayer selbst hatte einen Verkauf dieser Firmenteile im Dezember als Alternative bezeichnet.

Als ein Interessent ist der Mobilfunkanbieter Verizon im Gespräch. Die Investoren zeigten sich von Mayers Plänen zunächst nicht beeindruckt: Die Aktie fiel im nachbörslichen Handel um 1,2 Prozent. Die Papiere haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren. Aktionäre kritisieren, die neue Strategie von Yahoo würde die eigentlichen Probleme des Konzerns nicht ausreichend genug angehen. Dazu gehörten ungünstige strategische Partnerschaften, zu hohe Ausgaben und eine zu große Belegschaft.

Forderung nach Rücktritt von Firmenchefin Mayer

In der Kritik steht vor allem Firmenchefin Marissa Mayer. Die ehemalige Google-Managerin war bei ihrem Amtsantritt im Sommer 2012 als Retterin gefeiert worden. Inzwischen hat sich die Stimmung gedreht: Die Aktie verlor innerhalb eines Jahres ein Drittel an Wert, Top-Manager gehen, Anleger sind verärgert über den Zickzackkurs beim Verkauf der milliardenschweren restlichen Beteiligung an der chinesischen Handelsplattform Alibaba. Ein aggressiver Finanzinvestor fordert bereits lautstark Mayers Ablösung.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 08:06 Uhr