US Präsident Trump bei seiner Antrittsrede
Bei seiner Antrittrede machte Trump klar: "America first". Schadet das der deutschen Wirtschaft? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Faktencheck Schadet Trump der deutschen Wirtschaft?

Mit keinem Land der Welt machen die Deutschen so gute Geschäfte wie mit den USA. Vergangenes Jahr verkauften deutsche Firmen Waren für 107 Milliarden Euro dorthin. Doch seit dem Amtsantritt von US-Präsident Trump macht sich Katerstimmung breit. Trump sei schlecht für die deutsche Wirtschaft, heißt es immer wieder.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

US Präsident Trump bei seiner Antrittsrede
Bei seiner Antrittrede machte Trump klar: "America first". Schadet das der deutschen Wirtschaft? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verlorene Aufträge, miese Geschäftszahlen, Entlassungen, weil Donald Trump US-Präsident geworden ist. Nichts davon ist bislang eingetreten. Es läuft sogar richtig gut für die deutsche Wirtschaft. Trotz Trump? Oder wegen Trump? Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle wiegt den Kopf hin und her.

Es gibt keine messbaren Indikatoren dafür, was die Effekte von Donald Trump auf die Weltwirtschaft und die deutsche Wirtschaft genau sind.

Oliver Holtemöller, Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Sein Wirtschaftsprogramm hat Donald Trump noch gar nicht umgesetzt. Zwar wurden deutsche Stahlhersteller mit Strafzöllen belegt. Das Verfahren hat allerdings bereits die Vorgängerregierung eingeleitet. Trump hat lautstark mit weiteren Zöllen gedroht – zum Beispiel auf deutsche Autos.

Zölle würden auch USA einschränken

Professor Holtemöller fragt sich, ob den markigen Worten wirklich Taten folgen werden: Zölle hätten langfristig für alle Beteiligten negative Effekte: Für die Amerikaner selbst, weil sie Produkte in den USA teurer machen, das werde für die amerikanischen Konsumenten schmerzlich spürbar werden.

Bei den deutschen Exporteuren werde es natürlich die Exportmöglichkeit in die USA einschränken, weil sich dann die Preise relativ zu anderen Gütern in den USA verändern würden.

Unbehagen ist ein wichtiger Punkt

Deshalb sorgte bereits die Androhung von Zöllen in deutschen Firmen für Unbehagen. Und dieses Unbehagen ist ein wichtiger Punkt, sagt Galina Kolev vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Zwar könne man den Trump-Effekt auf die deutsche Wirtschaft noch nicht in Zahlen messen. Doch auch die Psychologie sei ein wichtiger Faktor. Angesichts immer neuer Ankündigungen aus Trumps Regierung mache sich Verunsicherung breit, sodass Unternehmen sehr sparsam mit ihren Investitionsprojekten seien.

Die schwache Investitionstätigkeit sei in Deutschland schon seit mehreren Jahren ein akutes Problem. Und die globale Verunsicherung durch die Wahl Donald Trumps habe noch weiter dazu beigetragen, dass die Unternehmen sich eine Investition zwei Mal überlegen würden, erklärt Galina Kolev.

Unternehmen könnten von Infrastruktur-Programm profitieren

Trotzdem dürfe man Trump nicht nur negativ sehen, sagt Kolev. Der US-Präsident will Milliarden in neue Straßen und Brücken investieren. Davon könnten auch deutsche Firmen profitieren - allerdings indirekt.

Wenn ein amerikanisches Unternehmen den Zuschlag bekomme und dann eine Straße bauen müsse, dann könne dieses Unternehmen auf deutsche Maschinen zugreifen oder auch auf Vorprodukte, die aus Deutschland importiert werden.

Doch ob das Infrastruktur-Programm wirklich kommt, ist so unklar wie alles andere. Die USA müssten Kredite dafür aufnehmen. Kurzfristig würde das die US-Wirtschaft beleben. Langfristig werden zu hohe amerikanische Staatsschulden aber zum Problem – auch für Deutschland. Denn es gilt der Satz: Wenn Amerikas Wirtschaft Husten bekommt, kriegen die Deutschen mindestens Schnupfen.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 27.06.2017 | 06:23 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2017, 18:45 Uhr

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3 Kommentare

28.06.2017 08:56 glaskugel 3

"Es würde wahrscheinlich zu weit gehen zu sagen, es werde niemals mehr zu einer weiteren Finanzkrise kommen", sagte US-Notenbankchefin Janet Yellen am Dienstag auf einer Veranstaltung in London. Sie hoffe aber, dass das "nicht zu unseren Lebzeiten" passieren werde. "Und ich GLAUBE, dass das nicht der Fall sein wird", fügte sie hinzu. "Inzwischen gäbe es viel mehr Sicherheit". Nur mal eben so: Seit gestern drückt irgendwer massiv US-$ in die Märkte, der Euro "steigt" und die deu. Anleihen fallen stark (was starke Zinsanstiege für die Schuldenaufnahme des Bundes nach sich zieht)! Wenn das heute und morgen so weiter geht, knirrscht`s im Kartenhausgebälk des globalen Schuldgeldsystemes aber so richtig! Die tausendfach gehebelten Anleiheverbriefungen an den Derivate"märkten" platzen dann vieleicht sehr zeitnah. Ein "Schwarzer Freitag" ist denkbar, der die Lehmann-Show in den Schatten stellen wird. Dann hauts alles zusammen....auch die sogenannten "Demokratien". ;-)

27.06.2017 13:22 Klaus 2

{ Paul 1 }
Ob Trump sich für sein Land einsetzt, das ist noch die Frage. Ich denke eher, dass er seinem Land schadet.

27.06.2017 10:55 Paul 1

Das es einen Politiker gibt der sich für SEIN Land einsetzt ist für Deutsche Politik und Medien unbegreiflich und wird bei DIESEN Herrschenden auch nicht passieren.