Blick auf das Bundesgericht in Detroit
Das Bundesgericht in Detroit. Bildrechte: dpa

Diesel-Skandal 40 Monate Haft für VW-Ingenieur

In den USA ist erstmals ein VW-Mitarbeiter wegen seiner Rolle im Abgasskandal verurteilt worden. Der führende Ingenieur muss wegen seiner Schlüsselrolle im "Dieselgate" für 40 Monate ins Gefängnis. Zudem muss er eine hohe Geldstrafe zahlen.

Blick auf das Bundesgericht in Detroit
Das Bundesgericht in Detroit. Bildrechte: dpa

In den USA ist erstmals ein VW-Mitarbeiter wegen seiner Rolle im Abgas-Skandal verurteilt worden. Der zuständige Richter Sean Cox verurteilte den langjährigen Konzerningenieur James Robert Liang zu einer Gefängnisstrafe von 40 Monaten und einer Geldbuße in Höhe von 200.000 Dollar.

Richter: Schlüsselrolle in einem ernsten Verbrechen

Der 63-jährige Deutsche wurde beschuldigt, die USA über den Einbau einer illegalen Software zur Manipulation von Abgaswerten in Dieselwagen getäuscht zu haben. Cox sprach von einem "ernsten Verbrechen", bei dem der Angeklagte eine "Schlüsselrolle" gespielt habe.

Mildere Strafe durch Geständnis

VW-Ingenieur James Robert Liang
Liang hatte vor seiner Verurteilung ein Geständnis abgelegt. Bildrechte: dpa

Liang ist einer von acht amtierenden und früheren Mitarbeitern des VW-Konzerns, gegen die bislang wegen Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen Umweltgesetze US-Strafanzeigen gestellt wurden. Der nach eigenen Angaben seit 1982 bei VW tätige Dieselexperte hatte frühzeitig ein Geständnis abgegeben und mit den US-Ermittlern kooperiert.

Das kam ihm beim Urteil zugute. Die Strafe liegt deutlich unter dem gesetzlichen Höchstmaß von sieben Jahren Gefängnis und bis zu 400.000 Dollar Geldbuße. Dennoch verhängte der Richter eine wesentlich härtere Strafe als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Die Strafverfolger hatten auf drei Jahre Haft und 20.000 Dollar Geldbuße plädiert.

Viele VW-Köpfe für US-Ermittler unerreichbar

Volkswagen hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden eingeräumt, mit einer speziellen Software in großem Stil bei Abgastests getrickst zu haben. Nachdem die rechtlichen Konsequenzen auf Konzernebene durch mehrere milliardenschwere Vergleiche mit Klägern in den USA weitgehend abgeschlossen sind, versuchen die US-Behörden nun mit Hochdruck, die verantwortlichen Personen zu belangen.

Bisher konnte mit dem leitenden VW-Funktionär Oliver Schmidt nur ein weiterer Beschuldigter gefasst werden. Die restlichen VW-Köpfe befinden sich in Deutschland, wo sie von den US-Ermittlern nicht belangt werden können, weil sie nicht ausgeliefert werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 25.08.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2017, 20:25 Uhr

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15 Kommentare

27.08.2017 10:35 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 15

@ 14:
Die "200.000 $" Strafe wird er wohl nur 'auslegen' müssen... ;-)

26.08.2017 19:34 Frank 14

Ich möchte wissen wie hoch die Abfindung ist , dafür das er sich als "Bauernopfer" für den Konzern zur Verfügung stellt? Da läuft was ... sicher :-)

26.08.2017 12:44 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 13

Verurteilt wurde nicht (nur) der Betrug an sich, sondern offensichtlich eine Falschaussage dazu den USA gegenüber?
Der Vorwurf lautet lt. Bericht, "die USA über den Einbau einer illegalen Software zur Manipulation von Abgaswerten in Dieselwagen getäuscht zu haben."
Ein gutes Urteil.

Von daher ist es - auch für die 'Aufarbeitung' des Skandals hier in Deutschland - nur bezeichnend, daß "die restlichen VW-Köpfe" hier in Deutschland vor der US-Justiz 'in Sicherheit' sind.

Da im Aufsichtsrat von VW auch niedersächsische Politiker sitzen, wäre es auch interessant zu erfahren, in wie weit dieser Abgasbetrug im ganzen Unternehmen offensichtlich war. Ein bestimmter Kreis von 'Mitwissern' hat sich eben entschieden, darüber nicht öffentlich zu reden.

26.08.2017 11:10 Fragender Rentner 12

Armer Kerl, hätte er sich nicht eher nach Europa absetzen können, so wäre er bestimmt um eine Strafe herum gekommen.

26.08.2017 10:35 Querdenker 11

Ich hoffe für alle anderen insbesondere höheren Beteiligten an dem Zitat "ernsten Verbrechen" gibt es dann einen dauerhaften „Internationalen Haftbefehl“ (Red Notice) von den USA. Die sollten alle zur Verantwortung gezogen werden!

Das deutsche Volk wurde betrogen! Diesen kriminellen Autokonzernen haben wir so viele Milliarden Steuermittel in den Hintern geblasen für traumhafte Profite und das ist nun der Dank dafür!

26.08.2017 10:10 magdeburg 1965 10

@ 3 Blumenfreund: Sie kennen sich im amerikanischen Rechtssystem hervorragend aus?
Bitte untermauern Sie ihre Aussage mit einem Beispiel, in dem ein Kinderschänder in Amerika mit Bewehrung davon gekommen ist.

26.08.2017 09:07 Klarheit 9

hier sieht man mal wirklich unabhängige Justitz, VWs Dieselbetrug wird als ----".....ernsten Verbrechen .."---- bezeichnet !!
Frau Merkel nenn es Ausnutzung von Lücken in Abgasverordung ... so ist es wen Politik und Wirtschaft eng verbandelt sind , wen die Politiker in Vorständen sitzen bleibt der Bürger der Dumme.
In Amerika hat VW schon über 22 Mrd. gezahlt -- in DE gibt es ein kostenloses update ... so wird man hier verarscht..........

26.08.2017 08:55 DieMaskenFallen 8

Der deutsche Ingenieur James Rober Liang wurde von einem US-Gericht wegen seiner Verwicklung in den VW-Abgas-Skandal zu 40 Monaten Gefängnis und 200.000 Dollar Strafe verurteilt. Der 63jährige Indonesier mit deutscher Staatsbürgerschaft hatte an der Entwicklung der manipulierten Motoren mitgearbeitet. Als Ingenieur war er bloß der Ausführende, der auf Anweisung gehandelt hat. Die wirklich Schuldigen sitzen in der Vorstandsetage und im Aufsichtsrat, aber die sind, wie so oft, fein raus. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie ein Ingenieur widerspricht, daß die Abgasreinigung zu klein dimensioniert ist, und ein Buchhalter vorrechnet, wieviel günstiger es doch ist, die Motorkennung an den Prüfstandbetrieb anzupassen, statt für Sauberkeit im Alltagsverkehr zu sorgen. Der Buchhalter hat sich durchgesetzt, der Ingenieur muß ins Gefängnis. Die Welt nennt das vermutlich Gerechtigkeit.

26.08.2017 07:57 tetyei jános 7

Und wer bezahlt für den verursachten Schaden?

25.08.2017 23:30 Fred 6

Nun, mit Rechtstaatlichkeit hat das aber weniger zu tun. Den USA wurden ja alle Infos seit Jahren überlassen. Nur jetzt wurde zugeschlagen. Aber vielleicht kommt ja dort Leben in die US-Rechtsbude und es werden auch Völkermord und Kriegshetze eigener Politiker verfolgt. Immer nur gegen ausländische Unternehmen vorzugehen (Auto-, Banken-, Mineralöl-, Gaskonzerne) , wo es doch hauptsächlich um hadfeste US-Wirtschaftsinteressen geht. Es wäre aber gut, wenn das Rechtssystem im deutschen Lande gehandelt hätte. Ist aber nur Wunschdenken.

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