Ein Haus wird mit Styroporplatten auf der Außenwand gedämmt
Styropor-Dämmplatten beim Hausbau zur Wärmedämmung. Bildrechte: dpa

Bundesrat setzt Gesetz aus Entsorgung von Styropor wird erleichtert

Ein Haus wird mit Styroporplatten auf der Außenwand gedämmt
Styropor-Dämmplatten beim Hausbau zur Wärmedämmung. Bildrechte: dpa

Der Bundesrat hat die jüngst verschärften Vorschriften bei der Entsorgung von Polystyrol-Dämmstoffen wieder gelockert. Die Länder sprachen sich mit großer Mehrheit dafür aus, mit dem Flammschutzmittel HBCD behandelte Dämmstoffe wie Styropor-Platten ein Jahr lang von der Einordnung als gefährlicher Abfall auszunehmen.

Die vor allem in der Baubranche eingesetzten Dämmstoffe können damit wieder wie normaler Baumischabfall in der Müllverbrennung entsorgt werden. Das Bundesumweltministerium erhielt zugleich grünes Licht, die Verordnung ohne erneute Befragung des Bundestages zu ändern. Umwelt-Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) begrüßte den Vorstoß. Bund und Länder bekämen damit Zeit, eine auf Dauer rechtlich tragfähige Lösung zu finden.

Sondermüll - aber kaum Entsorgungsmöglichkeiten

Hintergrund ist eine EU-Verordnung, mit der die entsprechenden Polystyrol-Dämmstoffe wegen der Beschichtung mit dem giftigen Flammschutzmittel HBCD seit 1. Oktober als gefährlicher Abfall eingestuft werden. Sie mussten daher in speziellen Anlagen entsorgt werden - von denen es jedoch zu wenig gibt. Dadurch stapelten sich bei vielen Baufirmen zum Beispiel alte Styropor-Dämmplatten.

Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) beharrt auf einer dauerhaften Lösung zur Klassifizierung und für das Entsorgen von HBCD-Dämmstoffen. Thüringen habe der Übergangsvariante nur zugestimmt, um dem Handwerk zu helfen. Mit dem Verbot hätten sich nur einige Spezialentsorger eine "goldene Nase" verdient.

In Thüringen gibt es keine einzige Anlage zur Entsorgung von Baudämmstoffen mit HBCD. Das Bauhandwerk klagt deswegen über massive Entsorgungsprobleme sowie immense Kosten. Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt fehlen geeignete Verbrennungsanlagen. Der Dämmstoffmüll musste zudem gesondert gelagert werden, es gab einen großen Rückstau. Mehrere Bauunternehmen waren dadurch in Schwierigkeiten geraten.

Styropor / Polystyrol Styropor besteht aus 98 Prozent Luft und zwei Prozent Polystyrol (EPS). Der Ausgangsstoff ist Styrol, das erstmals 1831 aus einer Baumrinde isoliert werden konnte. Darüber hinaus findet man Styrol auch in Nahrungsmitteln wie Nüssen, Kaffeebohnen, Erdbeeren oder Bier. Seit den 1950er-Jahren wird Styrol aus Erdöl hergestellt.

Mit dem Treibmittel Pentan formt sich aus Styrol und Luft ein perlförmiges Granulat - das Polystyrol. Werden diese EPS-Perlen mit Wasserdampf erwärmt, blähen sie sich auf das etwa 50-fache ihrer ursprünglichen Größe auf. Diese Schaumstoff-Kügelchen werden dann in große Blockformen gefüllt und durch nochmalige Erwärmung mit Wasserdampf zu Platten oder anderen Formen verklebt.

Großer Vorteil bei der Styroporherstellung ist, dass wenig Rohstoff und Energie benötigt wird. Der Schaumstoff ist extrem leicht, isoliert hervorragend gegen Wärme und Kälte und ist robust gegen mechanische und chemische Einflüsse. Er wird heute als Dämmstoff auf nahezu jeder Baustelle verwendet, sowie unter dem Fußboden-Estrich zur Dämpfung des Trittschalls. Für viele Anwendungen wird das brennbare Styropor mit dem Flammschutzmittel HBCD behandelt.

Auch als Stoßschutz beim Transport von Technik oder zebrechlichen Waren, als Verpackungsmaterial für Lebensmittel sowie etwa als Kaffee-Einwegbecher findet Styropor Verwendung.

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2016, 22:00 Uhr

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3 Kommentare

17.12.2016 06:50 HERBERT WALLASCH, Pirna 3

Das ist für mich typisch Bundesdeutsch, Aktionismus um als guter Mensch wahrgenommen zu werden. Wir provilieren uns erst einmal, wollen Zeichen setzen, berechtigte Einwände werden ignoriert, abwertend beurteilt, wir machen erst mal los, man berauscht sich an seiner eigenen Tat, alles kein Problem. Wenn es schief geht, das konnten wir nicht wissen, aber wir blicken nicht zurück, wir blicken vorwärts, keine Konsequenzen für den Verursacher, im Gegenteil er setzt sich an die Spitze der Aufklärer oderReformer. Das sind doch absolut fachliche Fehlleistungen, die werden aber auf entsprechende Beraterfirmen abgewälzt, weil man sich selbst keine Schuld gibt, es sind immer die Anderen. Überall das Selbe, in Wirtschaft, im öffentlichen Leben und in der Politik, Halbheiten die uns als als absolute Warheiten präsentiert werden.

16.12.2016 22:12 J.T. 2

Die EU pflegt ihren schlechten Ruf. Erst beschließen und dann über die Folgen nachdenken oder mal sehen wie die Menschen damit klar kommen. Warum bin ich darüber nicht verwundert? Da beschäftigen sich überbezahlte "Fachleute" mit Dingen, die auf Länderebene geklärt werden müssen. Deutschland setzt diese Verordnung natürlich 1:1 um und löst ein Chaos aus. Wie haben es die anderen Länder der EU gehandhabt?! Die EU ist ein Monstrum, dass nicht reformierbar ist.

16.12.2016 20:49 REXt 1

War das nicht auch so eine unausgegorene Idee von der EU? Kommt da überhaupt was gescheites zu Stande? Die haben doch nichts im Griff, ach ja, ihr Gehalt!?