Kellnerin in Hotpants trägt einen Teller
Viele Zuwanderer aus anderen EU-Ländern arbeiten in der Gastronomie und erhalten dort nicht den Lohn, der ihnen zusteht. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Zuwanderung Deutsche Arbeitgeber beuten EU-Ausländer aus

Aus Osteuropa, aber auch aus Italien oder Spanien zieht es viele Menschen ins wirtschaftlich starke Deutschland. Allein 2016 kamen 600.000 Zuwanderer aus anderen EU-Staaten in die Bundesrepublik. Häufig arbeiten diese Menschen auf dem Bau oder in der Gastronomie. Dort werden sie nicht selten von deutschen Unternehmern ausgebeutet. Auch in Sachsen häufen sich solche Fälle.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Kellnerin in Hotpants trägt einen Teller
Viele Zuwanderer aus anderen EU-Ländern arbeiten in der Gastronomie und erhalten dort nicht den Lohn, der ihnen zusteht. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

David, der seinen vollen Namen nicht nennen möchte, packt einen Aktenordner auf den Sofatisch. Darin sind, säuberlich abgeheftet, unzählige Anwaltsschreiben und Prozessunterlagen. Zweimal zog der gebürtige Spanier in Leipzig vor Gericht, weil er seinen Lohn nicht bekam. Zweimal gewann er: "Ich arbeite, weil ich leben muss. Und wenn ich kein Geld bekomme, muss ich mein Recht schützen. Ich hatte die gleiche Situation in Spanien und ich dachte, in Deutschland passiert das nicht."

Seltsame Kündigungen

David, gelernter Kaufmann, kam 2013 nach Deutschland. Er fand einen Job bei einem Unternehmer aus Gütersloh, der ihn erst an das Porsche-Werk nach Leipzig verlieh, dann an VW in Zwickau. Der Unternehmer stellte ihm eine Wohnung in Radefeld bei Schkeuditz in einem Haus, in dem auch andere Arbeiter aus Osteuropa untergebracht waren. Erst lief alles gut, doch dann gab es im Dezember 2014 keine Arbeit mehr und David bekam eine seltsame Kündigung. "Der hat mir im Dezember für Juli gekündigt und gesagt, ich solle im Jobcenter sagen, dass ich kein Deutsch konnte und nicht verstanden hätte, dass ich gekündigt war."

Monatelang kein Geld

Nach der Kündigung zahlte der Chef einen geringen Lohn und keine Versicherungsbeiträge mehr. Ihm zustehende Nachtzuschläge hatte David von Beginn an nicht bekommen. Als David Klage erreichte, wollte ihn sein Arbeitgeber aus der Wohnung schmeißen und lauerte ihm auf. In seinem zweiten Job bei einem Gemüsehändler bekam David wieder vier Monate lang kein Geld. Er ging nochmal den Weg übers Gericht.

Doch das machen die allerwenigsten, erklärt Nuria Silvestre, die beim Leipziger Verband binationaler Familien Migranten berät: "Die Betroffenen haben so eine Angst, diese Bedrohung, dieser Druck, die wehren sich nicht, die kommen nicht raus aus dieser Situation, weil sie keine Mittel haben." Silvestre begegnen in Leipzig jährlich dutzende Fälle. Lange ging es vor allem um die Baubranche, seit einer Weile kommen aber auch immer mehr Frauen aus dem Hotel- und Gastgewerbe zu ihr: "Ich habe mehrere Klientinnen gehabt, die in kleinen Gaststätten oder Pensionen geputzt haben, aber mittlerweile ist es überall. Es gibt Hotels im Zentrum Leipzig, die auch so ein System haben."

Tausende betroffen

Wie viele Zuwanderer in solchen Ausbeutungsverhältnissen arbeiten, lässt sich nicht sagen. Die Berater des bundesweiten DGB-Projektes "Faire Mobilität" haben jährlich mit ein paar Tausend zu tun. Die meisten kämen aus Rumänien, Bulgarien oder Polen, sagt Projektmitarbeiter Jochen Empen. "Wenn nur geringe Sprachkenntnisse vorhanden sind, wissen die Menschen erstmal nicht, was ihre Rechte sind. Teilweise werden die Verträge vorgelegt und unter Druck unterschrieben ohne dass die Chance besteht, sich zu informieren was da drin steht."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 11.10.2017 | 07:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 10:18 Uhr

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19 Kommentare

11.10.2017 19:20 Renate 19

Das sind halt alles Billig-Fachkräfte die unsere gut Qualifizierten AN verdrängen
Bei dem Umtauschkurs D zu Polen, oder zur Türkei
oder andern Ländern der EU machen sie den großen Reibach.

11.10.2017 18:02 Renate 18

11.10.2017 10:37 HKW 1
Was ist denn das für ein unglaublicher Schwachsinn?
Nestbeschmutzer sind für mich das größte Übel.
Millionen Ostdeutsche AN nach der Wende und in schwachsinnige ABM mit Hoffnung immer wieder in an einer verlängerten Werkbank der Wessies festangestellt zu werden. Vergesst es.
Und ja.
ich bin eine besorgte Bürgerin um die Zukunft meiner Kinder und Enkel.
Bereue übrigens damals 89 um den Leipziger Ring gezogen zusein.

11.10.2017 16:33 Markus 17

P.S: trotz manchen Behauptungen ist Deutsch eine sehr leichte Sprache. Man braucht kein Sprachstudium. Es reicht, "Deutsche Welle" zu hören und deutsche Bücher zu lesen. Umso unverständlicher, dass so viele nach Deutschland ohne Deutsch kommen.

11.10.2017 16:21 Markus 16

@15 Morchelchen - ich weiß doch, was ich sage: ich war selber ein Ausländer. Zuerst habe ich Deutsch erlernt, danach nach Deutschland gekommen und eine deutsche Hochschule absolviert. Danach eingebürgert. Deshalb weiß ich: ohne Deutsch kann man in Deutschland gar nichts anfangen. Und wenn man schon in Deutschland ist, hat man keine Zeit mehr, Deutsch zu lernen, es gibt viel anderes zu tun. Das muss viel im voraus gemacht werden!

11.10.2017 16:06 Morchelchen 15

Markus, weil es in Deutschland "Geld ohne Arbeit" gibt. Natürlich sind die Ankommenden aus den EU-Staaten unter dem Vorwand aufgebrochen, sich hier einen Job zu suchen, da die Arbeitslosigkeit woanders noch höher ist. Aber letztendlich ist es, auch ohne unsere Sprache zu beherrschen, nicht ein solches Risiko, als würden wir einfach ohne Sprachkenntnisse aufs Geratewohl woanders hin ausreisen. Denn Geld kriegt hier jeder Bedürftige aus fremden Landen, während wir dort aufgeschmissen wären. Übrigens, es würden viel mehr dieser Arbeitslosen nach Amerika auswandern von Europa aus, doch gibt es halt dort keine finanzielle Unterstützung, ehe man nicht etliche Monate im Land gearbeitet hat.

11.10.2017 15:43 Fragender Rentner 14

Zitat von Oben: Allein 2016 kamen 600.000 Zuwanderer aus anderen EU-Staaten in die Bundesrepublik.

Für den "tollen Lohn" auch noch ca. 600.000 zusätzlich, wenn diese Zahl stimmen sollte.

11.10.2017 15:08 optinator 13

Im Kapitalismus wird jeder MENSCH ausgebeutet !

Das haben wir schon in der Schule gelernt.

11.10.2017 14:32 @ Sindy aus Erfurt 7 12

Schön, dass Sie so klug, allwissend sind und Ihnen geholfen wurde (Werbung für verdi?).
Fakt ist, dass die Praktiken vieler Zeitarbeitsfirmen bekannt sind, aber amtlicherseits nicht die geringste Absicht besteht, dies ändern zu wollen.
Ihrem Beispiel stehen unzählige gegenteilige "Erfolgsgeschichten" gegenüber, was Sie in Ihrer ziemlich überheblichen Art sicher wieder bestreiten werden.

11.10.2017 14:27 Ekkehard Kohfeld 11

@ Nicht gut und kurz gedacht! 6 Es gibt Behörden, die dies überwachen und zur Anzeige bringen. Das ist deren Aufgabe, die sie zwingend wahrnehmen müssen.##Nur vergessen sie dabei denen fehlen die Mitarbeiter die wurden wie alle Einrichtungen der Öffentlichen Dienstes tot gespart.

11.10.2017 13:44 Spottdrossel 10

Wir haben Kapitalismus!!! Maximalprofit!!! Alles andere sind Sonntagsreden, Wahlkampfgedöns, Schönfärberei.

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