Eine Frau zeigt in Berlin auf modische Schuhe, die online angeboten werden.
Viele stationäre Geschäfte leiden unter den großen Anbietern im Internet. Bildrechte: dpa

Digitalisierung Wie der Online-Handel den Markt verändert

Die amerikanische Spielzeughandels-Kette Toys R Us hat Insolvenz angemeldet. Ein Grund dafür sind alte Schuldenlasten, ein anderer Grund die starke Konkurrenz durch die Online-Händler. Schon seit Jahren krempelt die Digitalisierung den Handel um. Droht sie die realen Läden nun gänzlich platt zu machen?

von Ulrike Lykke Langer, MDR AKTUELL

Eine Frau zeigt in Berlin auf modische Schuhe, die online angeboten werden.
Viele stationäre Geschäfte leiden unter den großen Anbietern im Internet. Bildrechte: dpa

Totgesagte leben länger - daran ändert auch der digitale Wandel offenbar nichts. Man nehme das Buch und die guten alten Buchhandlungen: Vor vielen Jahren hat man gesagt, das Internet würde das Buch ablösen und die Buchhandlungen ebenfalls.

"Läden und Online-Handel schließen sich nicht aus"

"Und jetzt darf ich Sie fragen, ob das nun geschehen ist oder nicht?", fragt Prof. Rainer Alt von der Universität Leipzig. "Ich würde sagen, es ist ein sowohl als auch. Das Buch setzen wir für Zwecke ein, wo wir gern lesen. Und das elektronische Medium benutzen wir, wenn wir etwas nachschlagen möchten, wenn wir Dinge weiter verarbeiten möchten."

So wie beim Buch, sei es auch beim Handel - ein Sowohl-als-auch, meint der Wirtschaftsinformatiker. Die Digitalisierung habe den Handel aufgemischt, doch stationärer Handel, also Läden vor Ort und Online-Handel, müssten sich nicht ausschließen.

Mit persönlicher Beratung punkten

Auch für Franziska Ulbricht vom Deutschen Händlerbund ist da lediglich ein Transformationsprozess im Gange: "Wir stellen fest, dass 60 Prozent der Händler, die stationär verkaufen, auch einen Online-Handel führen, also immer mehr verstehen, dass man im Zuge der Digitalisierung beide Kanäle bedienen kann. Und man sieht auch, dass sie sich nicht konkurrieren, sondern dass sie sich ergänzen."

Buchladen
Das Buch konnte sich gegenüber dem Internet behaupten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einige Produkte wie CDs, Bücher, Drogerieartikel oder Spielwaren werden in großer Menge online eingekauft. Sie haben Händler wie Amazon oder Zalando groß gemacht. Gleichzeitig vermisst mehr als die Hälfte der deutschen Online-Shopper die persönliche Beratung. "Hier kann der stationäre Handel seine Vorteile ausspielen", sagt Gunter Engelmann-Merkel vom Handelsverband Leipzig. "Das Erlebnisbetonte, das wir in Geschäften bieten können und bei Dingen, die sehr beratungsintensiv sind, auch entsprechend die Beratung zu bieten. Da gehört natürlich auch eine gewisse Kompetenz dazu. Die Menschen suchen wieder sehr stark die persönliche Beziehung. Auch viele junge Menschen", so Engelmann-Merkel.

Online-Handel wächst und wächst

Eine Bild der Website
Im Internet gibt es zahlreiche Online-Shops, in denen Händler ihre Waren anbieten. Bildrechte: IMAGO

Trotzdem ist unbenommen, dass dem Online-Handel immer größere Bedeutung zukommt. Nach Angaben des Händlerbundes steigen seit etwa fünf Jahren die Umsatzzahlen im Online-Handel im zweistelligen Prozentbereich. Für dieses Jahr wird europaweit sogar eine Umsatzsteigerung von 39 Prozent erwartet. Was zunächst verlockend klingt – die Waren auch im Internet verkaufen - ist jedoch ein großer Schritt, verbunden auch mit hohen Kosten. Der Händlerbund rät deshalb gerade kleineren Händlern: "Seid sichtbar, seid im Internet einfach auffindbar mit eurem Geschäft und im nächsten Schritt kann man sich dann auf einen Online-Marktplatz wagen, also Amazon oder eBay." Und der dritte Schritt wäre dann – und so sei es meistens – ein eigener Online-Shop, erklärt Ulbricht.

Sich den Herausforderungen stellen

Wandel und neuen Herausforderungen musste sich der Handel über die Jahrhunderte immer wieder stellen. Dass ein Online-Auftritt und das herkömmliche Ladengeschäft existieren können, ist die Vision von Wirtschaftswissenschaftlern und Händlervereinigungen gleichermaßen.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im: Radio | 20.09.2017 | 05:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2017, 07:23 Uhr

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7 Kommentare

20.09.2017 00:08 Ullrich 7

Gleich und gleich gesellt sich gern und wenn die nächsten Läden schließen heißt es wieder wir Armen (ossies)!
Mensch Deniz doch Mal nach jeder Euro den ihr online ausgebt ist einer der euer Leben schwieriger macht!!!!!!

20.09.2017 22:22 Andreas 6

Es gab mal eine Studie. 1 Arbeitsplatz im Internet vernichtet 3 im realen Leben. Wir sollten alle Läden zu machen. Übergeben alles Amazon und co.
Steuern zahlen die auch nicht das haben ja immer die kleinen gemacht. Die kleinen erhalten das Land am Leben aber das wird man bald merken. Bequemlichkeit zahlt sich für alle aus. Besonders für Amazon und Co. Wäre ja auch nicht so schlimm wenn die auch ihre Gewinne hier versteuern würden.

20.09.2017 16:18 Atheist aus Mangel an Beweisen 5

Udo K - es geht mir beim Dederonbeutel ums Prinzip
Die Einkaufstüte steht für mich für die Wende für die Freiheit vom Dederonbeutel und ich werde nicht zur Unfreiheit zurückkehren!
Vor allem las ich mir von den Grünen nix vorschreiben - wer fragt eigentlich nach diesen ganzen eigeschweißten Verpackungen - keiner - hier gehts einfach nur um Abzocke - googeln sie mal wo das Geld einer Plastiktüte hingeht! Ganz sicher nix in die Umwelt

20.09.2017 14:33 Udo K 4

Nachtrag
Mein vorheriger Kommentar ist an Atheist aus Mangel an Beweisen 1 gerichtet.

20.09.2017 14:29 Udo K 3

Insgesamt unterstütze ich Ihre Argumente - bis auf das Thema "Tüte".
Ein Dederonbeutel ist doch nicht nötig, es gibt doch andere Möglichkeiten.
Stoffbeutel oder noch vorhandene Plastetüten kann man immer bei sich haben.
Wo ist das Problem?

20.09.2017 11:42 Wachtmeister Dimpfelmoser 2

Mein Buchhändler hat es seit Ende Juni bis heute nicht geschafft, mir trotz zweimaliger Nachfrage "Finis Germania" zu besorgen (wobei ich mir da nicht mal sicher bin, ob nicht Kalkül dahinter steckt). Anfang September habe ich es dann bei Amazon bestellt und 3 Tage später war es da. Dann nehme man noch ein potentielles Dieselfahrverbot in die Innenstädte sowie die Zutaten von @ 10:33 | Atheist aus Mangel an Beweisen, und der Handel kann mit seiner "Was läuft schief"-Analyse loslegen.

20.09.2017 10:33 Atheist aus Mangel an Beweisen 1

Als ich Letztens für meine Enkel Spielsachen kaufen wollte habe ich erst mal einen Parkplatz gesucht – danach bin ich durch die Fußgängerzone das wirklich keinen Spaß mehr macht als Frau – als ich alle Spielsachen hatte und diese mir auf dem Arm gedrückt wurden, weil ich nicht bereit bin Geld für die Tüte mit der Werbung des Geschäftes zu bezahlen (Dederonbeutel lehne ich ab – hatte ich lange genug in der DDR) – sind mir die Spielsachen auf dem Weg zum Auto 10 mal auf dem Boden gefallen bzw musste ich diese erstmal vor dem Parkscheinautomat ablegen (ein anderes Geschäft zu besuchen war mir so auch nicht möglich) – und nachdem ich die teuren Parkgebühren bezahlt hatte fuhr ich gestresst nach Hause.
Ich kaufe jetzt Online – bin sicher und bekomme die Waren schön eingepackt nach Hause.