Kontoauszug mit Kostenaufstellung für Kontogebühren, darauf liegen Münzen
Jeder hat in Deutschland Anspruch auf ein Konto. Die Banken machen es Kritikern zufolge aber gerade Flüchtlingen schwer. Bildrechte: IMAGO

Test bei Banken Wer kein Deutsch kann, bekommt kein Konto

Eigentlich sollen sie sicherstellen, dass jeder, der rechtmäßig in Deutschland ist, am wirtschaftlichen Leben teilhaben kann: die sogenannten Basiskonten. Seit vergangenem Sommer sind Banken gesetzlich verpflichtet, so ein Konto anzubieten. Davon sollen vor allem Obdachlose, Geduldete oder Asylbewerber profitieren. Doch ganz so gut scheint das nicht zu funktionieren.

von Kristin Kielon, MDR AKTUELL

Kontoauszug mit Kostenaufstellung für Kontogebühren, darauf liegen Münzen
Jeder hat in Deutschland Anspruch auf ein Konto. Die Banken machen es Kritikern zufolge aber gerade Flüchtlingen schwer. Bildrechte: IMAGO

Wer kein Deutsch kann, bekommt auch kein Basiskonto: So lautet das Ergebnis eines Tests des Internetportals konto.org. Bei dem Test wurden zwölf Basiskonten explizit auf Hürden für Asylbewerber geprüft, erklärt Peter Weißenborn vom Website-Betreiber Franke Media aus Leipzig. "Wir durften feststellen, dass in Sachen Fremdsprachen so gut wie gar nichts gegeben ist."

Es sei zwar sicherlich europaweit so, dass die Kontoeröffnungsformulare in der Regel in der jeweiligen Landessprache angeboten werden. "Aber gerade, wenn ich mich an Asylsuchende wende, dann muss ich damit rechnen, dass die natürlich nicht fließend Deutsch beherrschen – auch nicht nach einem Jahr", sagt Weißenborn.

Banken verlangen hohe Gebühren

Neben dieser Sprachbarriere bemängeln die Tester auch die hohen Gebühren für Basiskonten. Spitzenreiter bei den Grundgebühren war demnach die Volks- und Raiffeisenbank Leipzig mit rund zehn Euro pro Monat.

Basiskonto Ein Konto mit grundlegenden Funktionen, auf das in Deutschland jeder Anspruch hat - also auch Obdachlose, Asylsuchende und Geduldete. Das Basiskonto muss mindestens Ein- und Auszahlungen in bar, Lastschriften, Überweisungen, Daueraufträge und Kartenzahlungen ermöglichen.

Ganz auf eine Grundgebühr verzichteten nur die reinen Online-Banken, die sogenannten Direktbanken. Dafür fallen hier häufig hohe Gebühren für andere Leistungen an, erklärt Weißenborn. Allen gemeinsam seien allerdings hohe Kosten für Auslandsüberweisungen.

ILLUSTRATION - Ein Vordruck für SEPA-Überweisungen mit der internationalen Kontonummer IBAN wird ausgefüllt.
Mal eben Geld überweisen: Mit einem Basiskonto wird das teuer, wenn der Empfänger im Ausland sitzt. Bildrechte: dpa

Das sei gerade für die Ausländer entscheidend, die ihrer Familie in der Heimat finanziell helfen wollen.

In diesen Fällen verlangen die Filialbanken nach den Worten von Peter Weißenborn pauschale Gebühren.

"Wenn da Hundert Euro überwiesen werden, liegen die Gebühren gerne einmal zwischen zwanzig und dreißig Euro. Das ist natürlich happig."

Weißenborn kritisiert, dass auf diese Weise zwanzig bis dreißig Prozent einbehalten würden - von einem Betrag, der eigentlich bei der Familie ankommen soll oder bei dem zu Unterstützenden.

Verbraucherschützer: Basiskonto teurer als normales Girokonto

Die hohen Kontoführungsgebühren bei den Basiskonten sind auch den Verbraucherzentralen schon sauer aufgestoßen. Denn das Basiskonto sei ja gerade für Personen gedacht, die nicht viel Geld zur Verfügung haben, sagt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen. "Wir haben festgestellt, dass gerade die Basiskonten sehr teuer sind – teurer als übliche Girokonten und das entspricht nicht dem Zweck, zu dem das Basiskonto eingeführt wurde."

Die Vebraucherschützer kritisieren nach den Worten von Heyer, dass dabei teilweise gegen das Zahlungskontengesetz verstoßen werde und. "Deshalb ist es schon zu Abmahnungen gekommen", sagt Heyer.

Das Basiskonto ist sicherlich nicht das liebste Produkt der Banken.

Andrea Heyer Verbraucherzentrale Sachsen

Insgesamt sechs Banken haben die Verbraucherschützer bereits wegen ihrer Gebühren abgemahnt. Sie kritisieren außerdem die Informationspolitik der Kreditinstitute. Denn dass es das Basiskonto überhaupt gibt, sei eher eine versteckte Information

"Es ist sicherlich so, dass das Basiskonto nicht das liebste Produkt der Banken und Sparkassen ist und man natürlich deshalb versucht, über den Preis den Zustrom auf dieses Konto zu regulieren", sagt Heyer. In der Praxis bedeute das, dass es bisher relativ wenige Basiskonten gebe.

Banken: Basiskonto nicht für Flüchtlinge geschaffen

Seitens der Deutschen Kreditwirtschaft spricht der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken zum Thema. Von dort heißt es schriftlich, das Basiskonto sei nicht für Flüchtlinge geschaffen worden, sondern für Personen, die zuvor Schwierigkeiten hatten eine Bankverbindung zu bekommen.

Zu den Vorwürfen wolle man noch ausführlich Stellung nehmen, wenn die Verbände sich untereinander abgestimmt hätten.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.02.2017 | ab 09:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2017, 13:09 Uhr

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17 Kommentare

19.02.2017 07:48 Pattel 17

Zu 13.
Wer diese (AGB)gelesen hat ,hat er diese auch verstanden?
Frage mal nur in deiner Familie nach.

18.02.2017 10:15 Zitzo 16

Testkriterien aus dem letzten Jahrhundert. Wer benötigt wann eine Bareinzahlung? Von Drogenhändlern und Steuerhinterziehern mal abgesehen.

18.02.2017 06:53 Trestolke2 15

Wer wenig Geld hat, der wird auch noch durch extra hohe Kontogebühren abgezockt ...

Damit derjenige möglichst nie mehr auf einen grünen Zweig kommt ?!

17.02.2017 21:24 Zoltstantz 14

Bei jeder Kontoeröffnung muss man folgendes unterschreiben:

"Ich habe die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zur Kenntnis genommen".

Wenn der Konto-Eröffner nun aber gar kein Deutsch kann und die AGB somit nicht versteht und nicht kennt, warum sollte die Bank ihm dann ein Konto geben?

Da kann man sich ja den ganzen Zirkus mit der Unterschrift sparen.

Wer jedoch Deutsch kann, sollte natürlich auch ein Konto bekommen. Egal, wer nun der Antragsteller ist.

17.02.2017 21:11 Grestolf 13

Deutsche Sprache sollte man schon können, wenn man in Deutschland Verträge abschließt und Gelddienstleistungen benutzt.

Und dazu gehört auch das Bankkonto. Wenn man die Sprache nicht beherrscht, kann man das Kleingedruckte und die AGB ja gar nicht nicht lesen.

Geschweige denn, Briefe von der Bank entziffern oder den Kontoauszug verstehen.

Das kann ganz schnell ins Auge gehen, wenn man die Sprache nicht versteht.

Ich würde auch in Spanien oder Frankreich kein Konto führen wollen, wenn ich die Sprache nicht beherrsche. Die Banken werden mir sicherlich nicht extra alles in die Muttersprache übersetzen.

Das mal völlig neutral, egal woher man kommt.

17.02.2017 20:59 Sächsin 12

Ey Leute .....Ihr merkt gar nicht wie armselig ihr hier euch darstellt!Keine Sprachkenntnisse.....Aber die große Klapperschlange! Und dann wie immer dieser Neid ! Wenn ihr zu wenig Geld habt dann geht arbeiten! Und das Nächste : wenn die Asylanten arbeiten dürften dann würden Sie es auch und das ohne zu Jammern und Rumzumaulen .Blamiert Euch nur weiter ....eh jemand wettert das kein Deutsch da ist sollte seine Sprachkenntnisse erstmal testen....

17.02.2017 19:57 fischotter 11

Sie sagen es @Stefan T, „die in der Schweiz arbeiten“. Ebenso gut könnte man in Deutschland ARBEITEN und sein VERDIENTES Geld in Polen oder Tschechien ausgeben. Man sollte die Ausgabe von Bargeld an Asylanten, wenn überhaupt, auf ein Minimum reduzieren, das würde die Sogwirkung erheblich reduzieren. Dazu genügt es, den „Verfolgten“ ein Dach über dem Kopf, Essen sowie Haute Couture aus dem Hause KIK zu finanzieren. Damit würde man wohl auch die freiwillige Ausreise etlicher abgelehnter Asylanten beschleunigen. Ein Bankkonto für Asylanten und Transfers deutscher Steuergelder ins Heimatland? Kein Wunder, dass Deutschland wie ein Magnet wirkt und man möglichst lange bleiben möchte in Schlaffia. Idialerweise für immer.

17.02.2017 19:14 Norbert 10

@3 Tja gut erkannt"die dort arbeiten" und nicht die dort Stütze bekommen...dann haben die auch dort Steuern bezahlt somit alles gut.

17.02.2017 18:56 Realismus 9

Fein! Gibt auch noch schöne Nachrichten!

17.02.2017 18:17 jochen 8

Völlig richtig - wenn ich in einem afrikanischen Land ohne dortige Sprachkenntnisse ein Bankkonto eröffnen möchte, werde ich dort auch kein Konto bekommen.
Ohne Sprache kein Konto. Wo liegt jetzt wieder ein Problem ?