Air-Berlin-Flieger
Auf eine Rückerstattung ihrer Kosten können die Kunden von Air Berlin nur noch hoffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Insolvenz der Air Berlin Air Berlin-Kunden bekommen keine Rückerstattung

Das war keine gute Nachricht am Wochenende für viele Kunden von Air Berlin. Die Fluggesellschaft hatte im August Insolvenz angemeldet. Nun sind rund 100.000 Kunden besonders negativ betroffen. Sie haben Tickets für Fernflüge gekauft, die dann gestrichen wurden. Auch wenn die Flugzeuge nie abgehoben sind, werden die Menschen das gezahlte Geld nicht zurückbekommen, zunächst zumindest.

von Matthias Winkelmann, MDR AKTUELL

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Auf eine Rückerstattung ihrer Kosten können die Kunden von Air Berlin nur noch hoffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf der Webseite von Air Berlin informiert die insolvente Fluggesellschaft derzeit ihre Kunden, wie es um die Rückerstattungen steht: "Für nach Stellung des Insolvenzantrags am 15. August 2017 erworbene Tickets erstatten wir den Kaufpreis kostenfrei. Tickets, die vor der Stellung des Insolvenzantrags gebucht wurden, können aufgrund insolvenzrechtlicher Bestimmungen derzeit leider nicht erstattet werden."

Rechtslage ist eindeutig

Heißt im Klartext: Wer sein Ticket bei der insolventen Air Berlin kaufte, kann sein Geld bei Flugstreichungen zurückbekommen. Das wurde so entschieden, weil sonst wohl keiner mehr bei Air Berlin gebucht hätte. Wer aber vor der Insolvenz bei der noch intakten Air Berlin buchte, geht jetzt leer aus.

Das klingt zunächst verrückt und ungerecht – steht aber in völligem Einklang mit der Rechtslage, sagt Jörn Weitzmann. Er ist Insolvenzrechtler und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Insolvenzrecht und Sanierung beim Deutschen Anwaltsverein. "Das ist ein logischer Schritt. Sie müssen sehen, wenn ein Unternehmen Insolvenz beantragt, geht praktisch ein zeitliches Fallbeil runter", erklärt Weitzmann.

Auszahlung erst nach Abschluss des Insolvenzverfahrens

Jeder, der zu diesem Zeitpunkt einen Anspruch an Air Berlin hat, beispielsweise auf einen Flug mittels eines Tickets, landet in der Warteschleife. Geld kann er erst erstattet bekommen, wenn das Insolvenzverfahren durch ist. Was dann noch an Vermögen da ist, wird anteilig an alle Gläubiger ausgezahlt. So steht es in der Insolvenzordnung. "Insofern tut es einem persönlich Leid für die Reisenden, aber das ist die rechtliche Folge der entsprechenden Vorleistungen und der gesetzlichen Bestimmungen", so Weitzmann.

Minimale Rückerstattung

Inhaber älterer Tickets können laut der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt nichts anderes machen, als ihre Ansprüche anmelden.

Air Berlin
Die Betroffenen können mit maximal fünf bis zehn Prozent der ursprünglichen Summe rechnen. Bildrechte: dpa

Referent Sven Kretzschmar sagt: "Die können ihre Forderungen nur gegenüber einem Insolvenzverwalter anmelden. Und müssen dann hoffen, dass sie aus der Insolvenzmasse wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückbekommen." Das dauere aber meist Jahre.

Und viel Geld fließe meist auch nicht zurück, laut Kretzschmar in der Regel fünf bis zehn Prozent der ursprünglichen Summe. Der Großteil des Geldes für die Tickets dürfte also weg sein. Deswegen sprechen sich die Verbraucherschutzzentralen dafür aus, dass eine Versicherung für solche Fälle eingeführt wird.

"Wir vertreten also auch die Auffassung, dass für die Insolvenz einer Fluggesellschaft ein Insolvenzschutz für Flugreisende getroffen wird", sagt Kretzschmar. Fluggesellschaften würden einzahlen, damit im Falle einer Insolvenz Kunden entschädigt werden können.

Das Problem mit Dumpingpreisen

Insolvenzrechtler Weitzmann findet das nicht so gut. Er glaubt, das Problem im Flugverkehr seien die Dumpingpreise, die Unternehmen kaum Gewinne erlaubten. Würde das Geschäftsmodell der Billigflüge noch durch eine Versicherung abgesichert, könne es noch attraktiver werden.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im: Radio | 03.10.2017 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Oktober 2017, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

04.10.2017 13:58 Rene Treptow 2

Meine Frage geht genau in die selbe Richtung.
Wir haben vor der Insolvenzanmeldung Flüge von Leipzig nach Mallorca, für 2018, auf der Air Berlin Homepage gebucht. Diese Flüge werden von Niki durchgeführt, auch unsere Flugnummer ist eine Niki- Flugnummer. Wie verhält sich das für uns?

04.10.2017 13:06 Michael Lorrig 1

Es wird in Ihrem Bericht davon geschrieben das alle Buchungen vor dem 15.08.2017, gebucht wurden keine Ersattungen zurechnen sind, was ist den mit den gebuchten Flügen die vor dem 15.08.2017 gebucht wurden, die aber bereits diverse Flugstrecken an flyNiki abgegeben worden sind und diese auch durchgeführt werden, den flyNiki wurde bisher kein Insolvenzantrag gestellt, somit hätten die Fluggäste einen Anspruch gegebüber flyNiki, den Airberlin ist ja nur der Vermittler bei der Buchung aber nicht der Carrier.
Weil darüber wird nicht berichtet warum nicht?